Stuttgart zergutmenscht

Am vergangenen Wochenende diskutierte ich in der Stuttgarter Stadtbahn Richtung altem Hauptbahnhof fahrend mit meinen Söhnen noch einmal, dass ich es inzwischen auch nicht mehr wagte, einen Kleber für Stuttgart 21 auf meinem Auto anzubringen (wofern ich denn dafür wäre), da die Gefahr der Beschädigung durch Gegner als sehr real einzuschätzen sei.

Da sprach mich ein schräg gegenübersitzender, netter junger Mann an und machte seinem Ärger Luft.

Nirgends habe man mehr Ruhe vor den S-21-Gegnern. Äußere man auch nur Einwände oder gar die Gegenmeinung, so werde man aus Übelste angemacht und beschimpft. In München wolle man für zwei Wochen Olympiasause 2018 1,3 Milliarden verpulvern, und keine Sau rege sich darüber auf. Er sei es absolut leid, inzwischen schon Angst haben müssen, von den Gutmenschen eine “uff die Gosch” zu kriegen, nur weil er anderer Meinung sei. Keinerlei Argumente würden gehört. Es sei der blanke Gesinnungsterror. Er wünschte mir dann noch einen schönen Sonntag, bedauernd, bereits am Charlottenplatz aussteigen zu müssen.

Der junge Mann maß etwa zwei Meter und machte weder einen schwächlichen noch feigen noch dummen Eindruck.

Da wurde mir vollends klar, nach allen Erzählungen meiner Mutter und dem, was ich die Nacht zuvor, ein wenig um die Häuser ziehend, mitbekommen hatte, dass die gefühlsmäßige Warnung an meine Frau Mama, die den Kanal komplett voll davon hat, ständig zur Schakalin gestempelt zu werden, lieber nicht mit einem Pro-Anstecker herumzulaufen, vernünftig gewesen war (auch vor meinen Kindern war in ihrer Gegenwart am Freitag von einer Aktivistin in der Straßenbahn nicht haltgemacht worden, wegen der Bösen, die da Bäume fällten…).

Am liebsten mutierte ich aus blankem Göllertrotz zum Befürworter des Projektes.

Gleichzeitig läuft die “Schlichtung” zwischen Befürwortern und Gegnern. So ein Blödsinn. Entweder man baut den Bahnhof, oder man baut ihn nicht. Einen halben Bahnhof zu bauen, das hätten wohl nicht einmal die berüchtigten Sieben Schwaben fertiggebracht.

Die Giftgrünen Gutmenschen haben Stuttgart derzeit voll im Griff.

Doch da ist das letzte Schwabenwort noch nicht gesprochen.

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2 Antworten zu “Stuttgart zergutmenscht”

  1. Gargamel sagt:

    In einen Bahnhof der zwei Provinzstädte miteinander verbindet, zig-Milliarden zu investieren, ist schlicht und einfach unverhältnismäßig, wenn die Hartz4 Empfänger mit 500-Millionen nach 7-Jahren als Inflationsausgleich erhalten. Die Politiker führen sich auf wie die Gutsherren und wenn der Druck der Strasse zu groß wird, dann gibts Tarifverhandlungen, zumindest läßt der Bergriff Schlichtung darauf schließen. Ob jetzt etwa 2.8% mehr Bahnhof und eine Einmalfahrt von 500km ausgehandelt werden?

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Gargamel

    Na, eine Provinzstadt ist Stuttgart ja nun nicht, sondern Zentrum einer der leistungsfähigsten Industrieregionen der Welt.

    Ob man dafür so viel Geld ausgeben sollte, frage ich mich allerdings auch. Doch gibt es noch andere Argumente “pro”, die ich hier jetzt nicht nochmal abnudeln werde.

    Das Vorgehen gegen die Demonstranten (ein Mann erblindet) fand ich auch abartig; aber die Hysterie der Gegner entsetzt mich trotzdem.

    Ich werde bald noch nachladen, denn das, was m. E. psychologisch eigentlich hinter dieser Agenda steht, habe ich mir noch aufgespart.

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