Von der Dichter Macht

Im Grunde sind die Dichter eben doch Tagdiebe. Zuerst auf Kosten aller studieret und gelernet, um hernach gerade für ein Gnadenbrot gut zu sein oder den Kerker oder das Schafott, wenn nicht dem Könige zu willen.

Solche Gesellen einer sinnreichen Tätigkeit zuzuführen, wird seit Jahrtausenden versucht; und doch kommt entweder Unfug oder schmeichlerischer Flachsinn heraus, oder eben genau das, was die Jugend verdirbt, den Sklaven frech macht, die Weiber brünstig, die Junker zu schlaff zum Kriege, den guten Geldmann unmöglich, den Bauern selbstbewusst, den Handwerker aufsässig, den Beamten nachdenklich, den Henker zögerlich, den Bettelmann zweiflig, den Dieb unlustig, den Kaiser trunken.

Die Macht des Dichters ist die größte der Welt: Nur er vermag über Jahrtausende zu wirken.

Dafür wird er von allen gefürchtet, beneidet, gehasst, bewundert und geliebt.

— Anzeigen —


Tags:

Eine Antwort hinterlassen