Von der Kunst des Lügens

Ein kleiner Mann in meinem Ohr sagt mir, dass ich jetzt mal wieder etwas sagen müsse, das jeder verstehen kann, der es ernstlich versucht.

Also keine knappen Sprüche klopfen, sondern ausladend reden.

Gestern las ich in PM (Oktoberausgabe) einen Artikel über Lügnerforschung. Ein Ami (wer sonst) hat da wohl eine Menge herausgefunden, bildet menschliche Lügendetektoren aus, die vor allem die Gesichtsmuskeln des Probanden genau zu betrachten, aber auch auf bestimmte sprachliche Merkmale zu achten lernen. Die Sache klang ziemlich vernünftig.

Die Theorie war sogar so gut, dass sie den Haken an sich selbst ausdrücklich beinhaltete: Der Mensch lügt derartig habituell und häufig, dass man schwer erkennen kann, wann und vor allem weshalb er dies jetzt gerade tut.

Fragt beispielsweise ein Amigrenzer: “Was wollen Sie in Amerika?” – so lädt er selbst den Ehrlichsten aller noch zum Lügen ein. Jeder weiß doch, dass er für irgendeine ehrliche Antwort mit Ärger zu rechnen hat.

Er sagt also nicht “Ich will einfach mal in New York so richtig die Sau rauslassen” oder “Ich muss mal ein ernsthaftes Wörtchen mit meinem missratenen Neffen reden” oder “Mal sehen, ob ich hier die fette Kohle machen kann”, sondern lügt fast automatisch irgendetwas Harmloses von Nationalparks oder der Freiheitsstatue daher, da das klüger erscheint und er sich – zurecht – nicht verpflichtet fühlt, diesem ätzenden Cop die Wahrheit zu sagen.

So beißt sich die Katz denn leicht in den Schwanz.

Und zumal: Es gibt ja nicht wenige Leute (vor allem Plutokraten), die grundsätzlich immer lügen. Die es nicht einmal mehr in härteren Fällen selber merken, also auch das Gesicht dabei schon lange nicht mehr verziehen.

Da sie das Bewusstsein um irgendeine Wahrheit längst verlassen hat, wissen sie auch nicht um die Schwere einer Lüge, jedenfalls, solange man ihnen nicht ertappterweise den Beutel abgeschnitten hat.

Deshalb werden professionelle Lügner ja auch so ausgebildet, dass sie gar nicht merken sollen, wann und was sie herauslügen. Sie sollen es einfach und gewohnheitsmäßig tun.

Außerdem gibt es noch andere Techniken. Man denkt, während man den Bullen anlügt, einfach an etwas anderes als das, was man gerade sagt. Am besten etwas Schönes. So etwas lässt sich üben. (Wollen Sie bei mir das Lügen lernen? Die Seminare sind sehr preiswert.)

Also: Alles, was Sie eben gelesen haben, war gelogen, weil eine reine Werbeveranstaltung.

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4 Antworten zu “Von der Kunst des Lügens”

  1. Tester sagt:

    Ob man man dir den letzten Satz dann glauben soll? ;)

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Tester

    Wer mir etwas glaubt, der ist selbst schuld.

  3. ampoule led sagt:

    Hec’est interessant de trouver du monde avec les memes idées à ce propos, je repasserait plus souvent.

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ ampoule led

    C’etait le “spam filter”…

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