Kurzbericht von der Buchmesse

Am Freitag besuchte ich mit einem Kollegen die Buchmesse. Das Wetter war, wie so oft, herrlich, und die Messe nicht übers Maß besucht.

Schon vor zwei Jahren war mir aufgefallen, dass der ganze Esoterikbereich, gemessen an vor zehn oder fünfzehn Jahren, schwer geschrumpft ist. Natürlich gab es noch die üblichen, unsterblichen Verdächtigen.

Doch der Schein trügt.

Nach meinem – zugegebenermaßen subjektiven – Eindruck hat sich dieses Genre lediglich subtil verlagert: Esoterik ist “Mainstream” geworden. Etwas verdeckt zwar, indem “seriöse” Verlage (gibt es das?) die Sache, subtil weichgespült, in Form von unzähligen Lebenshilfs-Ratgeberwerken, Persönlichkeitsentwicklungsbüchern, Psycho-Lernspielen usw. an sich gerissen haben.

Man mag nicht immer seriös sein, aber man ist nicht doof und macht ein Riesengeschäft. Arme Uresos.

Für den Spezialisten nebenbei noch interessant: Zum Suchbegriff Aphorismus (bzw. verwandten Varianten) vermochte die Infodame in ihrem Computer keinen einzigen Eintrag zu finden. Man sieht also, dass diese Sparte der Branche kurz vor dem Aufschwung des Jahrtausends steht, was ich euphorisch registrierte. Für zwei oder drei Krügerrand dürfte man den ganzen Bereich aufkaufen können: D E R Schnapp für den weitsichtigen Unternehmer also.

Lustig war auch noch eine Firma namens “BrainPOP”, die Lernsoftware für Kinder anbietet. Der nicht deutschsprechende Präsentator war freundlich und humorvoll; allerdings hatte er ein wenig zu kämpfen, als ich “POP” so wie in Popcorn interpretierte, hiemit einen fragwürdigen Namensbestandteil der Firma “HirnPLATZEN”, und meinte, das hätte man sich vor zehn Jahren bei Gründung der Firma überlegen sollen, jetzt sei es zu spät (“POP” kam denen von “popular”, weiter hatten sie wohl nicht gedacht).

Sehr apart gaben sich auch ein paar junge Damen, die “Logosophie” vorstellten, eine Art psychologisches Selbsthilfekonzept, das in Argentinien und Brasilien auch an Schulen weit verbreitet sein soll. Das Originalwerk des Gründers durfte ich auf Spanisch mitnehmen; wenn hinreichend ergiebig, werde ich hier noch davon berichten.

Jedenfalls füllten diese Grazien das Sprichwort “Lieber reich und gesund als arm und krank” auf ihre Weise analog mit Inhalt: Lieber schön und intelligent als hässlich und dumm. Oder: Lieber charmant und gebildet als grobschlächtig und unwissend.

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