Sarrazin: Sage nie, was jeder weiß

Ich wollte mir den neuen „Fall Sarrazin“ eigentlich nicht antun und zu all dem Krakeele schweigen; doch ein Aspekt fordert mich in meiner Chronistenpflicht, da an Absurdität kaum zu überbieten.

Unter allem Möglichen soll Sarrazin auch in etwa gesagt haben, dass türkische und arabische Jugendliche, zumal in Berlin, im Durchschnitt erheblich problematischer und schlechter integriert seien, als beispielsweise Polen oder Russen, und das habe auch kulturelle Gründe, nicht zuletzt auch den Islam.

Manche sind allein ob dieser vorgeblich infamen, hetzerischen, rassistischen, antimuslimischen, durch nichts und wieder nichts belegbaren und haltlosen Behauptung schier durchgedreht; an wüsten Beschimpfungen und historischen Vergleichen mangelt es nicht.

Nehme ich aber mal ehrlich nur diese eine Aussage heraus, so weiß das Bärbel Humpe an der Supermarktkasse ebensogut wie Maurer Müller, Studienrat Meier, Hartzi Atze, alle Journalisten, Politiker, Pädagogen, Polizisten: Selbst noch der abgeknallteste Multikultierzlinke weiß es ebenso genau, wie es einfach jeder weiß. Dann aber wird voll durchgedreht, weil einer sagt, was alle wissen.

Wie gesagt: Nichts weiteres zum Sonstigen und Sarrazin-Rezepten von mir heute. Manches schmeckt mir nicht; wer lange genug blättert, findet auch eine ältere Satire dazu.

Nehmen Sie also nur die obige Aussage: Leben wir in diesem Sinne nicht mitten auf der Bühne eines absurden Theaters?

Es ist beinahe unmöglich im Lande, irgendeinen zu finden, der eine bestimmte Sache nicht weiß, doch wenn einer sie ausspricht, dann muss er zum rituellen Spießrutenlaufen.

So ein Crianlarichreich voller halbirrer Zwerge ließe sich als eine nette kleine Farce sicher recht hübsch inszenieren.

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