Drei neue Nicks II

Wo war ich gestern stehen geblieben?

Ja, von wegen im Griff haben der Klarnamenleute.

Wir müssen unter allen Umständen verhindern, dass daraus entlang dem Beispiele alter Hasen eine Modebewegung unter jungen Intellektuellen entsteht; die Gefahr ist nicht so gering, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, denn die Klarnamenleute locken, durchtrieben wie sie sind, geschickt damit, man könne sich auf deren Pfaden in der Netzavantgarde einen Namen machen, als edler Kämpe Ehre und Ruhm, Glück und Reichtum erlangen.

Und wir müssen uns im Klaren sein, dass wir dazu keineswegs über keine oder kaum Kandidaten verfügen, nur weil wir sie namentlich nicht kennen: Bisher schreiben sie dort, wo es heikel wird, unter Nick, praktisch alle, wie es sich gehört.(Professionelle Sprachanalysen ergeben auch bei vielen der inhaltlich interessantesten unter Decknamen engagiert auftretenden Netzforisten sehr häufig die Alterstufe 25-35. So soll es sein.)

So vergeuden sie denn ihren potentiellen Namen und ihre Energie zu erheblichen Teilen; keiner ruft plötzlich abends an und erklärt, er sei der und der mit dem und dem Nick oder auch nur Leser jenes Forums und habe die jeweiligen Ausführungen schon länger verfolgt und jetzt spontan zur Anbahnung dieser Firmenidee, zum Aufbau jenes neuen Geschäftszweiges, zwecks jenes Netzauftrittes zum Hörer gegriffen.

Auch können die Klarnamenjungs darauf verweisen und zählen, dass nicht nur negativ verwandte Zitate von ihnen durchs Netz gereicht werden und jederzeit an unvermuteter Stelle auftauchen können, sondern auch Unterstützer jener Unterdrücker positiv konnotiert vermeintliche Geflügelte Worte zu verbreiten trachten.

Wir sollten daher unbedingt darauf achten, nicht zu kleinlich zu denken: im Zweifel also auch einmal ein paar junge Klarnamenleute aufkaufen, bevor sie woanders unterkommen oder gar eigene Läden hochziehen, das Ganze völlig ins Kraut schießt.

Kürzlich habe ich gehört, dass elitäre Klarnamenforen gebildet werden sollen, die sich durchaus auch der prekärsten Themen anzunehmen gedenken, zwar öffentlich, aber mit Blog- und Kommentarfunktion nur für namensausweislich registrierte Teilnehmer.

Die Idee geht dahin, hiermit eine Gesprächsernsthaftigkeit und -haltung herbeizuführen, die von mehr Selbstdisziplin und Rechtschaffenheit geprägt ist, als dies in Foren mit Nicks der Fall, so dass das Licht die Hellen anzieht und Themen auf höherem Niveau sowie störungsfreier, damit auch zügiger und zielführender disputiert werden können: eine neue Gesprächskultur im Netz sozusagen.

Dem Linken sollte das gefallen: Netzbiotop der freiwillig Klassenlosen Gesellschaft.

Und der Rechte sagt sich: interessant, immerhin ganz schön elitär.

Sollte die Sache fußen, was leider nach derzeitigem Kenntnisstand nicht auszuschließen ist, so werden wir nolens volens auf beiden Seiten ruppige wie subtile Klarnamenfähige rekrutieren müssen, damit denen dort die Fäden um die Ohren fliegen.

Gleichzeitig werden wir in dem Falle darauf achten müssen, dass sich nicht allzu viele externe Blogs mit dem Klarnamenverein befassen und ihm fahrlässig noch Wind zuführen, jedenfalls, so gut es geht, nur solche, die wir kontrollieren.

Kommentatoren in gemischten Blogs, die die Sache irgendwie positiv aufnehmen, können dann gezielt ins Dilemma gebracht werden; im Falle einer Klarnamenverwendung im Sinne der Frage, was er denn dann hier noch wolle; mit Nick, wieso der Herr Klarnamenanbetus denn dann selber hier noch mit einem zugange sei?

Wir müssen uns für den Fall der Fälle auf nicht nur eine schwere Schlacht, nein, schlimmstenfalls auf einen langen Abnutzungskrieg einstellen; denken Sie daran, ich wiederhole mich absichtlich, diese Leute sind Fanatiker.

Ein unglaubliches Klarnamengesindel rottet sich da zusammen. Wenn es ganz hart kommt: abgedrehte Intellektuelle soweit das Auge reicht.

Leute, die immer nur das gelernt haben, was sie nicht sollten, darüber zu wahren Meistern der Ausreden für ihr berufliches und soziales Versagen geworden, sich jetzt chutzpösest auch noch zu Vorbildern stilisieren.

Sozusagen der gesamte geistige Abhub der Republik schwärt an solchem Orte zusammen.

Und da die Menschen sensationslustig sind, ist leider auch nicht auszuschließen, dass dieser Netzzoo für Erwachsene eifrig besucht werden könnte, vom gemeinen Publiko, das sich gar nicht daran stört, nur lesen und staunen, keinen Einfluss auf die Vorstellung nehmen zu dürfen.

Ab da gibt es Zugriffe, Werbung, Geld.

Sollte dies Geld klug dazu benutzt werden, die Plattform weiter auszubauen (auch mal mit Fragestunde für Anonymi, intelligenter Oberfläche usw.), so könnte das Beispiel auf verheerende Weise Schule machen.

Man stelle sich vor, so etwas setzte sich bereits in Oberschüler- und Studentenzirkeln durch!

Alles Erhabene und Vorteilhafte, das uns Nickträger ausmacht, landauflandab herabgesetzt!

Nieder mit den Klarnamenfritzen!

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3 Antworten zu “Drei neue Nicks II”

  1. Jochen sagt:

    Hallo Magnus!

    Ich dachte schon, Du wolltest Werbung für ein eigenes neues Klarnamenforum machen. Doch Dein letzter Satz: “Nieder mit den Klarnamenfritzen!” lässt nun doch anderes erwarten. Oder ich verstehe es nun doch gänzlich falsch, was Du mit Deinem Artikel aussagen willst?

    “elitäre Klarnamenforen”

    Soviel ich weiß, müssen die Blogbetreiber sowieso ihren wirklichen Namen angeben. Außerdem ist mir bei den Besuchen in verschiedenen Foren aufgefallen, dass sich einige Betreiber mit der Zeit selbst zur Elite hochschreiben und dann zwar auch einige gleichgesinnte Kommentarschreiber anziehen, der große Rest an Lesern aber schon alleine vor dem hochgestochenen Deutsch kapituliert, vielleicht noch mitliest, aber ansonsten den Mund hält.
    Dabei muss man dann auch fragen, was will ich mit einem Forum/Blog erreichen? Informationen verbreiten, Leute aufklären, Witze reißen, intellektuell getünchte Diskussionen führen und dadurch versuchen „die Doofen“ auszuschließen oder es nur zur Selbstdarstellung/Selbstverherrlichung benutzen?

    Ich persönlich möchte jenen die sich selbst “die Elite” nennen, nicht hinterher eifern. Was ich in letzter Zeit alles so von Leuten gelesen und gehört habe, die zur Elite gezählt werden, hat mir obwohl ich in der Regel nicht unter meinem Klarnamen im Netz unterwegs bin, noch mehr die Augen geöffnet was diese Welt angeht. Meiner Meinung nach sind die Menschen, die sich selbst zur Elite dazuzählen, in der Regel nicht mehr wert als ein Pups. Außerdem halte ich diese Leute oft für auf der falschen Seite stehend, ja, eigentlich sind sie oft mehr dem Bösen zugetan als dem Guten. Ein Pseudonym ist für mich ein geringer Schutz vor diesen Leuten. Man kann sie offen anprangern, findet seine Leser und oft auch Zustimmung bei anderen und holt so “die Elite” ein wenig von ihrem hohen Ross herunter.

    Der “geistige Abhub der Republik” findet sich oft unvermutet da, wo man ihn gar nicht erwarten würde. Leute die VERSTANDEN haben und wissen worum es geht, die werden sich irgendwann auch finden. Ob man sie dann als Elite ansehen darf, ist wieder eine andere Frage. Ich würde es lieber nicht tun. Denn im Grunde genommen ist für mich jeder Mensch gleich viel wert und jeder bekommt in seinem Leben die Chance, sich für die gute oder die böse Seite zu entscheiden. Wie gesagt, jene die sich selbst gerne “die Elite” nennen, die haben sich aber offensichtlich schon für eine Seite entschieden und dadurch machen sie ihren Wert als gleichwertiger Mensch womöglich schon selbst kaputt. Jeder muss selbst wissen, was er macht.

    Eine Bekannte von mir hat unter Pseudonym ein Buch veröffentlicht, um sich vor unserer Regierung zu schützen. Sich vor unserer Regierung schützen zu müssen ist schon eine Katastrophe in sich, was unser angeblich freies Land angeht. Ich selbst habe an einem Buch mitgeschrieben und mein Partner fand es besser, meinen Namen als Co-Autor ganz wegzulassen. So sieht es aus, beschissen sieht es aus!

    Ich möchte mir einfach meine Freiheit vorbehalten, zwischen einem Pseudonym oder meinem Klarnamen wählen zu dürfen. Bei einem Klarnamenforum würde ich mich quasi gezwungen fühlen, meine Identität offen zu legen, wenn ich gerne daran teilnehmen möchte. Was Zwang angeht, habe ich aber ehrlich gesagt schon längst den Kanal voll. Und ich hoffe sehr, dass die Teilnehmer des Internetzes sich nicht selbst Zwänge aufbürden, in dem sie es in eine elitäre und eine minderwertige Schicht einteilen. Das Internet sollte möglich in allem frei bleiben und weiterhin die Möglichkeit zu fairen und offenen Kontakten gleich welcher Art bieten. Jene die sich mit Pseudonymen einen Spaß mit anderen machen, die werden eines Tages auch tüchtig in der Realität auf die Schnauze fallen. Das wird aber von ganz alleine passieren.

    Hoffentlich sagen hier auch andere bald mal etwas, sonst meine ich nachher wirklich noch, dass hier wäre auch schon so ein elitäres Forum.

    Viele Grüße, Jochen

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Jochen

    So langsam habe ich das Gefühl, dass ich hier untergehe mit meinem Anliegen.

    Vielleicht lebe ich ja in einer Traumwelt: Nur mein Freund Rainer Grzybowski hat mir zugestimmt, ermunternde Worte gespendet.

  3. Hallo Ihr beiden …

    schon wieder fühle ich mich ein wenig unbehaglich, da zwischen den scheinbar “widerstreitenden Meinungen” hin und her gerissen. Ich kann Jochens Argumentation nicht verwerfen, da sie – nicht nur aus seiner individuellen Perspektive betrachtet – leider weitestgehend korrekt ist. Ich bin auch bekennender “Eliten-Gegner” – ganz besonders, wenn es um “selbsternannte Eliten” geht, die so von sich selbst überzeugt sind, dass sie sich zu Lasten aller anderen Lebewesen und der Natur buchstäblich alles erlauben zu können glauben … vollkommen d’accord!

    Aber …

    Wenn ich mich beim Lesen und Verstehen nicht total vergaloppiert haben sollte, ist das, was Magnus vorschwebt, absolut nicht mit diesem Extrem zu vergleichen, auch wenn er im Artikel von einer sich eventuell “bildenden respektive zusammenfindenden Elite” spricht. Zumal ich auch “hinein interpretiert” habe, dass die Eröffnung eines Klarnamen-Forums keineswegs jeglichen, zuvor bereits entstandenen und auf “Mischbeziehungen” basierenden Kontakt verunmöglichen respektive komplett ersetzen soll … man korrigiere mich bitte, falls ich da etwas falsch verstanden haben sollte.

    Den Rest erspare ich mir vorerst mal, vielleicht schiebe ich nach Lesen des dritten Teils noch die eine oder andere zusätzliche Wortmeldung nach, und verweise ersatzweise auf das, was ich mir zum ersten Teil des Artikels kommentierend anzufügen erlaubt hatte.

    In diesem Sinne und mit “nicht tot zu kriegender Hoffnung” auf eine früher oder später doch noch mögliche und erfolgende “Blogger-Verständigung”

    viele Grüße, Adalbert.

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