Wikileaks plus New York Times kann tödlich wirken

Wikileaks, die Datenheilsarmee unserer Zeit, wurde von “Reporter ohne Grenzen” der “unglaublichen Verantwortungslosigkeit” geziehen, weil Wikileaks in den 92000 kürzlich veröffentlichten Geheimdokumenten die afghanischen Gesprächspartner nicht unkenntlich gemacht hat, so dass die Taliban daraus jetzt von leichter Hand ihre Todeslisten erstellen können.

Mr. Assange, Kopf der obskuren Truppe, bürstete die Kritik mittels hämischem Spottes ab, nannte die “Reporters sans frontières” “Reporter sans Fact-Checking” (Reporter ohne Tatsachenprüfung).

Nun, Mr. Assange, laut FAZ von heute geht bei Wikileaks in diesem Zusammenhang die Rede von einem “harm minimization process” (Schadenminimierungsprozess), ohne nähere Präzisierung, man müsse sich schützen.

Ja, vielleicht bald vor den Clans der von Ihnen verratenen Gemeuchelten.

Was haben Sie sich dabei gedacht? Einfach nichts?

Und wie wollen Sie, der Nichtdenker, den angerichteten Schaden jetzt minimieren?

Ich kann den schwedischen Piraten, die jetzt als europaweit erfolgreichste Piratenpartei, ein weitreichendes Bündnis mit Wikileaks eingegangen sind, nur raten, sich gut zu überlegen, mit wem sie da in raue See stechen, wo man unter der Fuchtel Mr. Assanges leicht schon an Land schon tödlich vergessen werden kann. Der feine Herr wird jetzt auch alle zwei Wochen in seiner “Aftonbladet”-Kolumne die Welt darüber aufklären, wie man saubere Informationspolitik betreibt.

Sehr merkwürdig indes berührt die Frage, was eigentlich die Kriegsjournalistenprofis der New York Times, des Guardian und des Spiegel für eine Rolle spielten, das Material sechs Wochen aufbereitend, deren tägliches Handwerk der Informantenschutz ist, zumal wenn Leib und Leben bedroht.

Auch die Agenten unter ihnen und der Dienste andere Leute sollten sechs Wochen feste bei der Arbeit geschlafen, Wikileaks nicht auf nötige Schwärzungen hingewiesen haben?

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2 Antworten zu “Wikileaks plus New York Times kann tödlich wirken”

  1. Hallo Magnus,

    tja … Wkileaks und die involvierten “Qualitätsmedien” … ist ein extrem undurchsichtiges Thema und die von Dir geäußerte Kritik respektive die aufgeworfenen Fragen haben unzweifelhaft ihre Berechtigung. Die ganze Geschichte rund um das “Afghanistan-Kriegstagebuch” (auch und insbesondere der Anteil, den die genannten Medien daran hatten und haben) hat bei mir erhebliche Bauchschmerzen und entsprechend kritisches Denken verursacht. Mittlerweile sehe ich auch weder einen Grund noch eineeine wie auch immer geartete Berechtigung dafür, dem Herrn Assange einen “aufklärerischen Persilschein” auszustellen. – Vorsicht ist und bleibt nun mal die Mutter der Porzellankiste, in der wir uns tagtäglich bewegen (müssen)!

    Aber wie so oft, wird man abwarten müssen, was am Ende dabei herauskommen wird und bis dahin bleibt man wieder einmal auf den gesunden Menschenverstand, das Bauchgefühl und individuelle Interpretationen angewiesen.

    Beste Grüße, Adalbert

  2. Thomas sagt:

    Es ist schon komisch ruhig geworden um Wikileaks und Julian Assange. Könnte natürlich auch sein, dass da im Background einge Deals abgelaufen sind. Geld, Straffreiheit bei der Vergewaltigungsgeschichte, einen gewissen Status, wie ihn nur Länder verleihen können, wer weiss? Auf jeden Fall fällt auf, dass nach dem anfänglichen weltweiten Hype, der seinesgleichen suchte, mittlerweile gegen Null tendiert. Grüße aus Berlin

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