Deathparade: Schande für Deutschland

Zur Love Parade-Tragödie schrieb ich gestern, dass ich einen über zwanzig Meter breiten Tunnel schwerlich als ein Nadelöhr ansehen könne, da passten eine Menge Menschen durch.

Da wusste ich allerdings noch nicht, dass dieser Tunnel EINZIGER EIN- UND AUSGANG für vielleicht eine Million Menschen war, denn dann geht die Rechnung anders.

Allein schon, dass die Stadt Duisburg für diese durchaus zu erwartende Million (manche sprachen von 1,4 Millionen “Gästen”) Teilnehmern ein Gelände von 230 000 Quadratmetern vorsah, also kaum einen Quadratmeter für vier Menschen, wohlgemerkt im rechnerischen Durchschnitt, zeugt von gröbster Fahrlässigkeit, absoluter Verantwortungslosigkeit, man könnte auch sagen blanker Idiotie (wenn man strafrechtlich auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren will).

Man muss kein studierter Mobologe sein, um zu wissen, dass das, zumal wenn die Meisten fanatisiert-enthemmt, ein Großteil voller Drogen und Alkohol, unkontrollierbar gefährlich werden kann.

Was sollen denn tausend oder auch zehntausend Polizisten und Ordungskräfte gegen eine Million Zugedröhnte und Betrunkene ausrichten, wenn etwas schief geht?

Mit Maschinengewehren hineinhalten, oder was?

Die “Love Parade” ist gestern mit bisher 19 Toten und über 300 Verletzten zu Grabe getragen worden: schuld sind die gierschlündigen Planer.

Oder waren die alle, in ihren Büros barbusig-technozerbeatet, Wochen zuvor schon selber ständig voller Prosecco, Bier, Korn und Ecstasy?

Das ganze ist nicht nur eine menschliche Tragödie, sondern auch eine nationale Schande.

Nachtrag:

Eben las ich auf faz.net das:

“Die Techno-Party wurde nach dem Unglück fortgesetzt. Der städtische Krisenstab habe gewollt, „dass diese Veranstaltung in Ruhe ausklingt“ und keine Panik entstehe, begründete Ordnungsdezernet Rabe die Entscheidung. Laut Polizei wurde die Musik gegen 23.00 Uhr abgestellt.”

Es wurde also fünf (!) Stunden weitergetanzt.

Sicherlich hatte sich die Nachricht von der Katstrophe über tausende Handys auf dem “Festplatz” (was für ein altmodisches Wort für sooo eine coole Party) schnell verbreitet, in allen Nachrichten war sie sofort, jedoch, supercool und extrachilled, ganz relaxed, man ravete einfach weiter…

Nachtrag II:

“La Stampa”, Italien: “Tragödie im Tunnel bei der Techno-Parade, doch für 1,4 Millionen geht das Fest weiter. Deutschland, Blutbad der Musik”.

Nachtrag III (Spiegel Online heute)

“Wie SPIEGEL ONLINE erfuhr, wurden bei der Bundespolizei inzwischen sämtliche Unterlagen zur Love Parade – Einsatzbefehle, Lagemeldungen, Karten – von den Computern der Beamten sowie aus deren E-Mail-Accounts gelöscht. “Da kam sehr schnell der ganz große Staubsauger”, sagte ein Beamter, der sogar eine konzertierte “Vertuschungsaktion” im Gang wähnt.

Nach der rückhaltlosen Aufklärung, von der Bundespräsident Wulff doch so salbungsvoll gesprochen hatte, sieht das jedenfalls nicht aus.”

Jetzt wird, wen wundert’s, gelogen, verharmlost, Verantwortung abgeschoben, vertuscht.

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8 Antworten zu “Deathparade: Schande für Deutschland”

  1. maja boxhorn sagt:

    mit was sind Sie denn zugedröhnt, Herr Göller, das Ihnen nicht klar ist, dass ein Tunnel unter den den Voraussetzungen einer solchen Veranstaltung ein absolutes Tabu ist, ebenso wie alle Arten von engen Durchgängen – Realitätssinn war’s nicht – fundiertes Recherchieren braucht’s beim Journalismus, der sich geistig einen ” ich weiss Bescheid – Artikel ” rausmasturbiert, offensichtlich auch nicht . . .

  2. kwon sagt:

    werter autor,
    wenn du es tatsächlich auf der unabhängigen medienplattform bringen willst, solltest du nie wieder solche artikel schreiben. ich finde es schon zum würgen, dass du hier von 1 million besoffen und bekifften (oder pillenschlucker) schreibst. das nenne ich ja mal ne saubere analyse. respekt..
    ebenso hätte man auch mal im mainstream bei den liveübrtragungen reinschauen können, da dort sehr früh bekannt gegeben wurde, dass man die party eben weiterlaufen lassen will, damit nicht noch eine panik ausbricht, wenn man diese sofort abgebrochen hätte. es wurde ganz klar gesagt, dass der großteil, nämlich die andere seite auf dem platz, von dem vorfall überhaupt nix mitbekommen hat, was auch gut so war.
    ansonsten stimme ich dem artikel im großen und ganzen zu.

  3. Nie wieder Love Parade sagt:

    Guter Artikel aus traurigem Anlaß. Ich hoffe sehr, das solche dekadenten Rattenfänger-Veranstaltungen nun Historie sind. Sex, Suff & Drogen standen für die Love Parade. Mit Liebe hatte diese Dekadenz nichts zu tun. Mir ist es völlig egal, wenn manchen Befürwortern solcher Veranstaltungen meine Meinung nicht gefällt. Nie wieder Love Parade!

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ maja boxhorn

    Zunächst möchte ich Sie auf dieser Seite um mehr Höflichkeit bitten als dargeboten.

    Sodann: Über den Tunnel als einzigen Ein- und Auslass für alle schrieb ich Entsprechendes.

    @ kwon

    Schon die Römer hätten mitbekommen, ohne Handys und SMS, was dreihundert Meter entfernt gerade passierte.

    Auch Sie möchte ich künftighin um Groß- und Kleinschreibung bitten, diese ist leserfreundlicher.

  5. Gockeline sagt:

    Auch wenn sie jetzt so viele beklagen,
    niemand sagt,diese Loveparade hätte niemals nach Duisburg ausgelagert werden dürfen.
    Warum hat Berlin es aufgegeben?
    Berlin wußte welche Kosten und Logistik dieses Spektakel kostet.
    Kaum eine Stadt wollte diese Loveparade haben!
    Das hat seinen Grund!
    Diese Gründe nennt niemand!
    Der Stadt Duisburg hat man dieses aufgeschwatzt.
    Nun hat sie den schwarzen Peter.
    Wer hat Duisburg die Zahlen genannt wieviel Leute kommen würden?
    Es wird sehr einseitig alles beschieben.
    Jetzt melden sich alle zu Wort und wissen es besser!

  6. kwon sagt:

    @ Magnus Wolf Göller: nöö, die freiheit nehme ich mir einfach, meine beiträge so zu schreiben, wie ich es möchte. das ist nun mal eine angewohnheit, die ich in sachen kommentare am bequemsten finde. ich schreibe zwar schnell aber dafür nur mit 6 fingern. daher bitte ich um toleranz. man hat ja diesen artikel, trotz nicht wirklich sauberer recherche und in meinen augen menschenunwürdigen vorurteilen (besoffene und drogenkonsumenten) auch auf NNE gesetzt und dort belassen ;-) (wink mit dem zaunpfahl). mal zur leserfreundlichkeit.

    was aber haben denn die römer mit meinem hinweis zu tun? ich habe ja nicht widersprochen, dass die planungen ein von geldgier getriebener witz waren. natürlich war abzusehen, dass was passieren kann oder wird. mich stört einfach nur dieses ekelhafte vorurteil, dass dort ne million besoffene und bekiffte technoanhänger wären.
    hier ist mal ein augenzeugenbericht, Zitat daraus:

    “Wir feierten mit den Leuten um die floats, waren z.T. verwundert, dass es so gesittet und sozial ablief und kaum Alkohol oder Drogenopfer zu sehen waren.”

    http://www.humphrey-blogart.de/?p=134

    obige aussagen hörte ich schon seit 1990 von leuten, die eine loveparade nur vom hörensagen des mainstream kannten.

    freundliche grüße

  7. wintermute sagt:

    Ich halte die Schilderungen, was den Drogenkonsum auf der Loveparade angeht, nicht für überzogen. Ich war nämlich selbst vor ein paar Jahren einige male da, selbst zugedröhnt mit XTC & Alkohol. Bei der kompletten Gruppe, mit der ich damals da war, war es so. Und wir haben nur zugedröhnte Typen da getroffen, wodurch natürlich auch Konflikte entstanden sind und nicht mehr wirklich viel mit “Love” auf der Parade war. Aber so was will natürlich keiner hören. Hing ja dann später auch eine Menge Geld mit dran, allein die Deschno DJs brauchen ja Ihr Saubermann-Image.
    Und es wurde noch viel länger getanztals 5h. Auf den after hour Parties geht es meist noch richtig ab.

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