Die Traumtrunkfee

Heute Nacht trat im Traume eine Fee an mich heran, und da ich sie frug, was denn ausgerechnet bei mir plötzlich ihr Behuf sei, sprach sie: “Du hast dich schon oft darüber beklagt, dein jetziger Trunk schmecke dir nicht also gut, wie er einem Edlen schmecken sollte.”

“Ja”, sprach ich, “das mag wohl nicht selten also gewesen sein.”

“Welchen willst Du, außer Wasser, dass er Dir stets gewährt sei?”

“Frisches, gut gehopftes und eingebrautes Bier gegen den Durst und zur körperlichen Arbeit, sodann einen Silvaner vom Würzburger Stein, Weißburgunder, wenn er richtig frisch ist und die Säure stimmt, zumal auch kernigen Riesling, den Sauvignon Blanc aus Sancerre, feingliedrigen Grauburgunder, auch mal einen Chardonnay, wenn er nicht zu breit, zudem Spätburgunder aus dem Burgund, auch aus Franken, denn der mag ebenfalls taugen, sicherlich natürlich Bordeaux der großen Güter, Vintage Port, wenn er von Wacholder über Thymian und Schlehe alles bringt, Sauternes und Eiswein nicht zu vergessen, außerdem insonderheit die schweren Tempranillo-Roten aus dem Duero-Tal, mal einen Brunello, ich will auch gar die Portugieserrebe, allerdings nur in Einzelfällen, wenn am Steilhang gewachsen, nicht grundsätzlich verachten, schätze in kleinen Mengen hergestellten Lagensekt…

“Du hast nur eine Wahl; das bekommst Du dann immer: ansonsten wirst Du den Rest deines Lebens Saft trinken müssen.”

Die Fee kannte keinerlei Gnade, da ich um die in solchen Fällen üblichen drei Wahlmöglichkeiten bettelte.

“Einen Trunk nur, außer Wasser, Milch und Saft, ich wiederhole mich nicht noch einmal!”

“So viel vom besten Barolo, jederzeit und immerdar, wie ich will?”

“Er sei dir gewährt!”

Schweißgebadet wachte ich auf, doch es war, wie schon seit langem, nirgend im Hause auch nur eine Flasche Barolo zu finden.

Ich holte mir ein Bier, trank ein großes Glas auf den ganzen Schrecken, drehte mich wieder in meine Bettstatt und schlief den Rest der Nacht erstaunlich gut.

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