Veröden oder Entlarven?

Vor einiger Zeit kam es mit einem von mir intellektuell hoch Geschätzten zu einer Art Grundsatzdiskussion.

Mein Gesprächspartner meinte, man solle zu bestimmten extrem veridiotisierten Themen am besten gar nichts mehr sagen, denn schon durch Erwähnung, erst recht durch Widerstand, bekämpfe man ein lange eingeschliffenes Desinformationsprogramm am schlechtesten, lade es eher noch auf, verleihe ihm erst recht Kraft, Energie, Magie.

Ich hatte meinerseits vorgebracht – beim Homöopathietitel des Spiegels dieser Woche folge ich jetzt seiner Sicht, denn kaum schlug ich den Artikel auf, sah ich beim bloßen Blättern das Thema bereits als “vernaziet” – , man müsse so lange daran arbeiten, vorsätzlich gelenkten oder auch nur so entstandenen Massenwahn aktiv zu überwinden, so ausdauernd dagegen vorgehen, bis dieser endgültig entlarvt und überwunden sei.

Er meinte hingegen, bei entsprechend groß aufgebauten morphischen Feldern helfe nur eines: Verödung.

Also so lange ignorieren, bis die Scheiße gewissermaßen an sich selbst erstickt.

Für seine Sicht der Dinge spricht manches; aber ich kann trotzdem noch immer nicht allgemein zustimmen.

Ganz besonders dann, wenn gewichtige Interessengruppen mit großem Aufwand und Druck ein Lügengebäude aufrechterhalten, womöglich über Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte ausgebaut haben, permanent in eine Kerbe hauen, Menschen systematisch damit manipulieren, quälen, enteignen, in Kriegen in den Tod treiben, meine ich nicht, dass man mit dem Verödungsprinzip entscheidend weiterkommt, und zumal nicht schnell genug.

Vielmehr kann es durchaus sein, halte ich es sogar für logisch, dass eine solche Haltung jenen Leuten geradezu noch in die Hände spielt, die mit gnadenloser Desinformation arbeiten, von jenen subtil gerade noch gefördert wird, damit genau diejenigen, die ihnen irgendwann entscheidend zu widersprechen in der Lage wären, dies gar nicht mehr tun.

So ist dann die Bahn ganz frei, verödet ist gar nichts, außer die den Übelmächtigen potentiell Gefährlichen: von eigener Hand.

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2 Antworten zu “Veröden oder Entlarven?”

  1. anonyma sagt:

    Danke für diese sehr interessante Frage, die sich viele ehrliche Menschen immer wieder stellen. Mich hat der Spiegelartikel auch geärgert, da in meiner Arbeit als Therapeutin die Homöopathie sehr wertvoll ist.

    Meiner Meinung nach ist es nicht immer die beste Lösung, gegen solche Lügen zu kämpfen, sondern eher den Wert des Gegenteils zu betonen.

    Für Leute, die die Homöopathie nicht kennen, sieht es vielleicht so aus, als ob es Argumente und Gegenargumente gäbe, aber der Spiegel hat gar keine Argumente gegen die Homöopathie, nur Lügen. Der Effekt war, daß sowohl der Bundesärztepräsident Hoppe, als auch die Krankenkassen sich öffentlich für den Wert der Homöopathie aussprachen. Damit hat der Spiegel sich selbst disqualifiziert und die Homöopathie ist eher aufgewertet worden.

    Ein anderes Beispiel ist Gaza. Leute, die Israel für Ihre Unterdrückung der Bewohner des Gazastreifens kritisiert haben, wurden oft als antisemitisch bezeichnet. Aber was kann man Leuten vorwerfen, die Hilfsgüter an die Bewohner des Gazastreifens liefern? So wird den Leuten geholfen und nebenbei sehr wirksam für eine menschlichere Politik gearbeitet.

    An verschiedenen Stellen wird mit Hilfe der Geheimdienste Krieg geschürt und provoziert. Auch hier finde ich es besser, sich mit anderen friedliebenden Völkern freundschaftlich zu verbinden und Handel zu treiben, als auf die Provokation zu antworten. So wird immer deutlicher wer die Provokateure und Kriegstreiber sind.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ anonyma

    Das größte Problem an der Homöopathie ist sicherlich nicht, dass ihre Wirksamkeit mitunter schwer nachzuweisen ist oder eben auch ihre richtige Anwendung nicht einfach, sondern dass die Medikamente so schändlich billig sind.

    Für sechs Euro bekomme ich ein Fläschchen mit Tropfen oder Kügelchen, das sechs Wochen lang reicht.

    Wenn es also funktioniert, werde ich nach Adam Riese für einen Euro die Woche gesund: für gerade mal etwa einen Viertelsspiegel.

    Davon können nun wahrlich nicht viele reich werden…

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