Männer spielen, Frauen schwatzen

Wäre ich ein Gleichvergenderer, ich müsste mir die Haare raufen vor Wut über die Menschheit.

Jahrzehntelange Umerziehungsprogramme, Puppen und Sticken für Buben, Ölverschmierkurse (sehr modern und überdies aktuell) für Mädchen auf “Girl’s Days”, subventioniert und durch die Schafsmedien gedrückt wie Bolle, haben nicht geholfen: Wie weiland im Kral, der Jurte oder der Freien Reichsstadt, daddeln die Jungs und labern die Mädels.

Bei ersteren dominieren traditionell die Kriegs- und Waffenspiele, Haschen und Fangen, das Herumspielen am eigenen Puller, auf der Trommel und Flöte, Pokern und Zocken, Schach, Go und Würfelbecher, heute das Computerspiel.

Bei letzteren war es früher der Schwatz an Feuer und Herd, beim Waschen am Fluss, beim Zeckenziehen und Läusevernichten, beim Robbenauskauen und Hanfbrechen, beim Kartoffelauslesen und Hagebuttensammeln, beim Schafsmelken und Butterschlagen.

Heute ist es das Handy und der Chat, wenn nicht doch mal noch eins der Weiber ein Kind bekommen hat und nach Art der fünfziger Jahre am Sandkasten schwätzt.

Die jeweils damit einhergehenden intellektuellen Leistungen sind vom Anspruch her durchaus vergleichbar: Was die holde Weiblichkeit anlangt, bewundere ich – von dem, was ich sehen und hören durfte – die Spanierinnen in ihrer Schwatzkunst am meisten; man kann durchaus erleben, dass sie zu Dritt gleichzeitig in atemberaubender Geschwindigkleit und Expressivität von verschiedenen Dingen reden, nebenher noch Kinder füttern, zurechtweisen und im Auge haben, und man hat den Eindruck, dass sie, während die jeweilige Rede im Maschinengewehrrhythmus den Äther erfüllt, keineswegs gestresst oder gar überfordert wirken, alles Wesentliche jederzeit mitbekommen (also zweimal schnell hören und einmal schnell selber sprechen), dies ganz in ihrem Elemente fast ermüdungsfrei durchhalten.

Wer mir jetzt noch entgegenhält, ich sei ein Frauenverächter, dem ist wohl gar nicht mehr zu helfen.

Auf der anderen Seite die Männer, die zwar weniger reden, aber mehr schreiben; und, tut mir leid, auch das muss gesagt bzw. geschrieben werden, zumindest bislang meist auch besser: aber Schreiben ist eben auch eine Art Spiel, jenes mit Worten, jenes des Gebildeten oder dem, der sich immerhin dafür hält. (Charles Bukowski hielt sich nicht für sonderlich gebildet und war es wohl auch nicht; deshalb sind seine Geschichten aber auch besser und unterhaltsamer als jene vieler seiner von vielen Literaturwissenschaftlern, die zwar vielleicht einmal leidlich Latein gelernt haben, aber sonst nicht viel, gefeierten Kurzgeschichtenkompatrioten.)

Homosexualität, also einem normalen Weibe gleich Männer zu lieben, scheint hier keinen wesentlichen Eintrag zu tun; ich mag zwar den Humor Oscar Wildes lieber als das manchmal endlos Langatmige Thomas Manns, aber dass auch letzterer ein großer Literat war (zumal auch der “Felix Krull” sehr lustig ist), will ich doch nicht bestreiten.

Die Spielsucht im Manne ist also stark wie die Schwatzsucht im Weibe.

Da beißt alles Gendergeschwafel auf der einen Seite den Schniedel und auf der anderen die Nippel nicht ab.

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2 Antworten zu “Männer spielen, Frauen schwatzen”

  1. Inge sagt:

    Tja… Also, wenn es so ist, dass die Ausnahme die Regel bestätigt, dann… Ich hasse Handys. Meiner Tochter zu Liebe war ich mal Chatmanagerin, aber es geht besser ohne diesen “Job”. Hin und wieder spiele ich ganz gerne, und zwar Autorennen, Hühner abschiessen.

    Vielleicht kommt es daher, dass ich mir ein Leben lang selber helfen musste. Die Männer, mit denen ich überwiegend zu tun hatte, waren behindert. Das schloss für mich auch Arbeiten ein, die sonst gemeinhin den Männern zugeordnet werden.

    Verallgemeinern ist immer etwas fragwürdig, denn die Ausnahme findet sich prompt. Doch an und für sich ist etwas dran. Umerziehen ist sowieso Mist.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Inge

    Klar gibt es Ausnahmen.

    Aber meine Schüler berichten mir seit Jahren übereinstimmend, dass gerade Jugendliche auf der einen Seite daddeln, bis der Rechner qualmt, auf der anderen chatten, bis der selbst nicht mehr weiß, wie er heißt.

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