Giftgolf: Atombombenlösung billig

Am 3.7.10 bringt die britische Daily Mail einen Beitrag mit folgender Überschrift:

“Nuke the BP oil leak! Undersea blast could plug it, say physicists”

(Zerbombt das Ölleck nuklear! Unterseeknall könnte es stopfen, sagen Physiker)

Und der erste Satz des Artikels lautet wie folgt:

“BP should consider detonating an atomic bomb to plug its oil leak in the Gulf of Mexico, nuclear experts have suggested.”

(BP sollte die Detonation einer Atombombe zur Stopfung seines Öllecks im Golf von Mexiko erwägen, wie Nuklearexperten vorgeschlagen haben.)

Ich will hier nicht länger auf Sinn oder Unsinn der atomaren Option zur Schließung des Lecks (die im Artikel noch ein wenig erörtert und technisch erklärt wird) eingehen, da ich kein “Nukleargeologe” bin und die Risiken in verschiedener Hinsicht (Methaneis, Abrutschen des Meeresbodens, Rissbildung usw. usf.) nicht beurteilen kann, frage mich allerdings, zunächst, ob das überhaupt irgendeiner kann.

Nein, ganz abgesehen davon frage ich mich, wieso hier allen Ernstes BP vorgeschlagen wird, mal zu erwägen, ob man eine Atombombe zünden wolle.

Wie bitte?

Einer Privatfirma, die sich im Zusammenhang mit der Ölkatastrophe mit Sicherheit zumindest nicht mit Ruhm bekleckert hat, um es mal ganz vornehm auszudrücken, soll die Entscheidung darüber zustehen?

Geht’s noch?

Darf ich mir, wenn ich in meinem von der öffentlichen Hand gepachteten Garten eine ganze Großbatterie an Augiasställen mit dem Hühnermist des gesamten Planeten angelegt habe, mir vor lauter scharfer Scheiße die Wandungen platzen, so dass ich das Grundwasser bis an die Adria und nach Weißrussland hin verseuche, die Sache nicht mehr unter Kontrolle bekomme, mir mal kurzerhand überlegen, ob ich zur Lösung des Problems ein Atombömbchen kaufe – ob beim Russen oder Ami, ist ja wurscht – und das Ding hochgehen lasse, um den Mist so durchzubraten, dass er nicht mehr ätzen kann, wenn i c h das für richtig erachte?

Der Daily Mail-Artikel stellt diese Frage gar nicht, impliziert wie selbstverständlich, BP müsse, könne sich das in Eigenregie überlegen (ein BP Sprecher wird dann am Ende zitiert, man erwäge diese Option nicht).

Wir stehen vor einem bis Dato ungelösten, planetaren Problem historischen Ausmaßes, und ausgerechnet der Urübeltäter, der Malefaktor per se, BP, soll darüber entscheiden dürfen, ob er uns mittels einer Nuklearexplosion vielleicht eine Dimension Katastrophe beschert, die noch einmal um Größenordnungen verheerender sein könnte?

Es wird sogar argumentiert, die Sache sei vergleichsweise billig, so ein Sprengsatz sei für lumpige 6,6 Millionen britische Pfund zu haben, was doch schon gemessen am bisherigen Aufwand geradezu ein absolutes Schnäppchen sei.

Echt cool, die Brits.

Und ich weiß jetzt wenigstens, was eine Atombombe kostet, sollte ich selbst zur Lösung eines Umweltproblems mal eine brauchen.

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4 Antworten zu “Giftgolf: Atombombenlösung billig”

  1. henry sagt:

    Deine Frage kann leicht beantwortet werden. wenn es klappt so ist der Bombenspender der Held der Nation. wenns nicht klappt na dann ist auf jeden Fall BP schuld – weil die habens ja berechnet und haben sich durch das Angebot und dessen Annahme,für fähig erklärt, alles zu einem ,sagen wir mal mäßigem, Ergebnis zu führen.
    BP ist eh schon weniger als Nichts wert. (ARAL in D)
    So gesehen hat BP gar keine andere Option anzubieten,oder etwa doch?
    so wie ich die Sache sehe, wird es BP kaum gelingen das Loch zu schließen,auch nicht mit einer A-Waffe.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ henry

    Ja, ich meine auch, dass man selbst im Falle der nuklearen Lösung BP als alleinigen Sündenbock behalten will, sollte es schiefgehen.

    Die US-Regierung ist ein feiges, hinterhältiges Lumpenpack.

    “Oh Lord Godbama, won’t You buy me a Goldjesus Sachs, my friends all dive Beepees…”

  3. [...] 3.7.10 bringt die britische Daily Mail einen Beitrag mit folgender Überschrift: “Nuke the BP oil leak! Undersea blast could plug it, say physicists” [...]

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