Katastrophaster

Früher, also in der guten alten Zeit, so vor zwanzig bis dreißig Jahren, da ich vom Halbstarken zum unreifen jungen Mann heranreifte, begnügte man sich in den Medien noch etwa mit einer Megakatastophe für fünf Jahre: vor allem das Waldsterben, die bevorstehende Eiszeit und hernach das Ozonloch sind mir dahingehend aus meinem geistigen Paläolithikum heraus noch im Gedächtnis.

Heutzutage hat man nicht mehr so viel Zeit für derlei Desaster (kürzlich erklomm ich, schon halb altersschwach, mit meinen Filiussen doch noch einmal einen Hammelburger Hügel, und siehe da, soweit das unbekiffte Auge schwiff: Wald und nochmals Wald, so dass vor lauter Wald kein einziger Baum erkennbar war), das heißt, man braucht sie inzwischen in einer Art Doppeltaktung: Die etwas längerfristigen wie die Klimakatastrophe gibt es zwar auch noch, aber man schiebt zusätzlich ständig die Kurzfristtotalkatastrophen wie Vogel- oder Schweinegrippe dazwischen; manchmal könnte man sogar auf die Idee kommen, die ganze Finanzkrise sei ein einziger Schwindel gewesen und wir bildeten uns nur ein, wir hätten diese alle, außer deren Verursachern natürlich, bis zum bitteren Ende zu bezahlen.

Ach ja, 2012 soll die Welt untergehen, weil irgendein Maya-Priester vor einigen hundert Jahren seinen Kalender nur bis dahin anlegte, und ich hörte auch schon, dass irgendsoein mistiger Asteroid auf die Erde zurase…

Bald haben diese Katastrophaster mich so weit, dass wenn drei richtig grimmige, bärbeißige Straßenräuber mit den Pumpguns der extrafetten Sorte vor mir stehen, ich nur noch entgegne: “Eure Pseudo-Mick-Jagger-Hasenpfoten da haben alle garantiert nicht einmal ‘nen Abzug, ihr Pappnasen!”

Sollte ich dann trotzdem erschossen werden, verklage ich ARD und ZDF auf eine Schadenersatzsumme, dass diese wenigstens in Zehnerpotenznormalschreibweise nicht mehr auf ein A4-Blatt passt.

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