Zum Thema Zensur

Sinn und Zweck der Ausübung von Zensur in den Medien ist vor allem die Selbstzensur (außer bei Themen, die nun wirklich gar nicht aufkommen sollen), das heißt heute, dass man sehr schnell vor der Wahl steht, seinen Job zu verlieren und in der Publizistik keinen mehr zu bekommen, zum kleinen Blogger degradiert zu werden, oder aber nur das schreibt, von dem man weiß, dass es genehm ist.

Die Folge dieser Praxis ist dann aber auch, dass die Zeitungen immer uniformer und langweiliger werden, an Auflage verlieren, da immer weniger Leute einsehen mögen, weshalb sie denn für das immer gleiche Gesülch auch noch bezahlen sollten, während es im Netz ein riesiges, kostenloses Angebot an interessanteren, lesenswerteren Texten gibt.

Am Schluss bleiben dann nur noch BILD für Scheißhaus und Straßenbahn, eine Minifaz zum Angeben im Flieger und ein paar Heimatzeitungen wegen der Todesanzeigen, Wohnungauflösungsannoncen und Berichte über das ADAC-Kleinstadtfest sowie die Rettungsaktion der örtlichen Feuerwehr, die Omas Katze vom Dach holte, übrig…

Gewissermaßen zensieren sich also die Zensoren, Verleger und Chefredakteure, über die von ihren Journalisten erwartete Selbstzensur wiederum selbst, indem der fürchterlichste aller Zensoren, der Leser, zuschlägt, nämlich die Zeitung, die er nicht lesen mag.

Zumal durch die alternativ noch vorhandene, weitgehende Freiheit im Netz, verursacht also die Primärzensur zunächst die Sekundärzensur und jene wiederum die Tertiärzensur, die gar noch durch die Quartärzensur angefeuert werden kann, indem man in bestimmten Kreisen mit im Wortsinne einschlägigen oder besser keinschlägigen Zeitungen lieber gar nicht mehr gesehen wird oder zugibt, diese zu lesen, sich dem Spotte der Zeitgenossen nicht unnötig auszusetzen.

Wie die Quintärzensur aussehen mag, ob da gar bald Halbstarke mit Trillerpfeifen auf der Gasse herumziehen, mit Stadiontröten, jeden akustisch zu verfolgen, der mit einem der Kriegslügenblätter öffentlich gesichtet wird, wer weiß…

Als Sextärzensur wäre dann denkbar, dass die knackigsten Oberschülerinnen und Studentinnen T-Hemden spazieren trügen, mit dem Schriftzug “Schafsmedienleser nehm ich nicht mit aufs Zimmer” oder “SZ-Lesen macht impotent” oder “BILDerberger bekommen Ärger!” oder…

Doch, Spaß beiseite, mindestens bis zur Quartärzensur haben wir es teilweise schon geschafft, nämlich, dass in Netzforen gefordert wird, die Schafsmedien allenfalls noch online zu lesen, unter keinen Umständen aber mehr die Druckversionen zu kaufen, sie finanziell auszutrocknen, ihrem ganzen Gejammer, sie hätten ja kein Geld mehr für anständig bezahlte Redakteure, allenfalls noch ein Hohngelächter hinterherzuträllern.

Einen Anfang machte ich selbst vor ein paar Jahren, als ich den britischen “Economist” abbestellte, da das Blatt klar kriegstreiberisch in Richtung Irak auftrat, und ich ließ es mir nicht nehmen, auch noch drüben anzurufen, und diese meine Entscheidung zusätzlich fernmündlich noch eindeutig zu begründen.

Inzwischen überlege ich selbst vor einer längeren Bahnfahrt,  ob ich mir eine FAZ kaufen solle oder nicht doch lieber ein anständiges Buch mitnehmen, ganz einfach um dem Verlag, der sich letztendlich ebenfalls nie zu schade ist, die US-Kriege zu befürworten, gar als im guten deutschen Sinne, nicht noch einen Euro neunzig hinterherzuwerfen, welcher Betrag meinen Kindern alternativ für je eine große Flasche aspartamfreies Apfelschorle und mir überdies für zwei oder drei Halbliterkannen besten, gemäß Reinheitsgebot gesudeten Hopfentees reicht.

Ganz genau umgekehrt sehe ich dies wiederum bei anderen Medien – dem ZeitGeist natürlich an mit vorderster Stelle – , die sich nicht scheuen, Dinge wie Klima- und Schweinegrippeschwindel bereits zu der Zeit in Frage zu stellen, da die Schafsmedien aus allen Rohren feuern, unisono die neueste Mediensau durchs Weltdorf treiben: diese sind durch Abo oder Kauf am Kiosk zu unterstützen (online kostet es den Leser gar nichts, zusätzlich befördernd wirkend, öfter mal dort geschaltete Werbung anzuklicken).

Wenn unsere Demokratie schon in Brüssel nichts mehr wert ist, im Deutschen Bundestag – vornehm ausgedrückt – auch nicht mehr viel taugt, da ein Parteienkartell gegen den weit überwiegenden Mehrheitswillen des Volkes Krieg führen lässt, bleibt dem mündigen Bürger als eine der verbliebenen Möglichkeiten immerhin, durch sein Medienkonsumverhalten zumindest mittelfristig beeinflussend zu wirken.

Wer sich darüber hinaus, wenn er nicht selbst bloggen will, immerhin ab und an die Mühe macht, auf interessanten Netzseiten als Kommentator gute eigene Beiträge einzustellen, ermutigt die dort Schaffenden noch darüber hinaus und verschafft ihnen erhöhte Aufmerksamkeit, Zugriffszahlen, Reichweite, Werbeeinnahmen.

Gute Noten dort verteilen, wo sie verdient sind, gut begründet, das ist dann die Septimäre Zensur, die positive, aufbauende, die Heilige Sieben aller Formen der Zensur.

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