Ich bin in eine Netzdebatte hinein geraten, in der ein rumänischer banater Exilschwabe (Carl Gibson), den ich, wie es der Zufall will, im Studium in Würzburg vor über zwanzig Jahren kennengelernt und danach aus den Augen verloren hatte, gegen die Bloggerin mit Decknamen “Zachor!” argumentiert, welche offenkundig, im Gegensatz zu ihm, die Person wie das Werk “unserer”, gleichfalls aus dem Banat stammenden, frischgebackenen Literaturnobelpreisträgerin, sehr schätzt, worüber eine teilweise skurrile Auseinanderstzung entstanden ist.
Kern der “Causa Müller” dorten ist grob gesagt, dass Herr Gibson, der selbst in Rumänien als Widerständler im Gefängnis saß, deren moralische Integrität bezweifelt, dem Mythos einer verfolgten Herta Müller nicht glauben mag, während seine Kontrahentin, die laut eigener Aussage bis 1989 (also zehn Jahre länger als er) in Rumänien lebte, Frau Müller, obzwar sie schon in Rumänien selbst Literaturpreise bekam, auch vor ihrer Ausreise nach Westdeutschland im Jahre 1987 weitere, mit persönlicher Reisefreiheit, im Westen, für von der Securitate weiland schwer verfolgt und absolut integer hält.
Ich bin jetzt seit einigen Tagen dabei und versuche, aus rein logischer Deduktion heraus, zu erfahren, wo denn die Wahrheit liege.
Die Blogautorin mag ihre Identität nicht lüften, aus welchen Gründen auch immer, und da ich nicht einmal das Werk Herta Müllers kenne, geschweige denn die Verhältnisse in Rumänien zwischen 1978 und 1989 aus persönlicher Anschauung, habe ich mich vielleicht nicht nur ein bisschen zum Affen gemacht, da mitzumischen.
Allein, die Ansichten der beiden Hauptkontrahenten sind derart konträr, die Sache ist derart brisant, da ja eine Nobelpreisträgerin mit möglicherweise verfälschter Vita keine geringe Sache darstellte, dass ich nicht losließ und auch Sie, meine geschätzten Leser, wofern Sie an solchen Fragen Interesse haben, ausdrücklich dazu einlade, mal von meiner Seite weg nach dort drüben zu gehen, um sich selbst ein Bild zu machen (inzwischen stehen wir bei 180 Kommentaren), vielleicht auch in die teilweise gespenstisch anmutende Debatte einzugreifen, die immer noch nicht an ihr Ende gekommen zu sein scheint.
Die ganze Sache ist, kurz gefasst, inzwischen ein kleiner Kriminalroman geworden, der politisch engagierte Rätselrater und Knacker harter Nüsse interessieren sollte.
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Tags: Banat, Nobelpreis, Securitate















