Zuvor roch es auch schon etwas merkwürdig, aber seit etwa einem halben Jahr hat Hammelburg angefangen doch immer weniger erträglich – sagen wir es ehrlich – zu stinken.
Zunächst war mir nicht klar, ob die Bürger sich nicht regelmäßig wüschen, oder ob sie ihre Waschmaschinen nicht richtig zu bedienen wüssten, oder ob all die verschwitzten Soldaten das olfaktorisch Unangenehme in die Stadt brächten.
Doch siehe da, die Sache klärte sich schnell auf: Nur eine kleine Familie stank, und damit die ganze kleine Stadt.
Diese Kleinbürgerfamilie, um es vornehm auszudrücken, hatte ihre Kinder an die jeweiligen Schulen geschickt, ohne ihnen zuvor ein tägliches Vollbad mit Wurzelbürste und was sonst sich noch für den anständigen Deutschen ziemt, zu verordnen; darüber hinaus wurde ruchbar, dass im inkriminierten Haushalt anstatt Mars und Snickers selbstgekochte Bolognese-Sauce mit Knoblauch nicht selten zum Plaisir des Nachwuchses gereicht wurde, alswelches die Ernährungsfibeln, von der Stiftung Lesen und der wohlriechenden Firma Nestlé über die Grundschule gemeinsam herausgegeben, in einer Weise konterkarierte, dass sämtliche Schulen (außer einer kleinen privaten) dagegen kopfstanden.
Man erzählt sich, dass brave, süßriegelessende Mädchen hinter ihrem Pausenfanta geruchsbedingte Kopfwehanfälle erlitten hätten, weil die Kleinbürgerfamilie nicht von ihren zwiebelösen Ernährungsgewohnheiten abwich.
Natürlich wollte man, wie es sich für eine anständige deutsche Kleinstadt gehört, vor allem keinen Skandal, also die Kleinbürgerfamilie möglichst geräuschlos in die Knie zwingen; aber, wie der Teufel gerne zwischen die besten Absichten springt, ausgerechnet eine Respektsperson begab sich so übereifrig, dass die Sache an eine juristische Grenze stieß.
Vorerst wird Hammelburg also weiterstinken müssen.
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