Notenstress

Zerschunden, zerschreddert, heruntergewirtschaftet, aller Leichtigkeit enthoben, erreichte mich heute plötzlich gute Mär: Der strengste all meiner Leser, von dem ich Kunde habe, beglückte mich mit einer Aussage, die mindestens auf eine Dreibisvier hinweisen musste, also den klaren Weg aus der Versetzungsgefährdung heraus; wofern damit nicht gar eine Art Dreiplus angedeutet gewesen sein sollte, da ich mich doch stetig strebend bemüht entwickelt habe.

“Befriedigend” ist ja für sich in unserer von Genderminen übersäten Zeit schon ein gefährliches Wort; dazu gar noch ein “Plus” wirkte fast schon rassistisch oder wenigstens ein bisschen frauenfeindlich, weswegen ich es lieber nicht wage, den Gedanken genauer weiterzuverfolgen.

Allein, ich kann nicht anders, der Geist ist schwach.

Erhielt ich das beinahe Befriedigend nach der Art sozialdemokratischer Lehrer, die alles, was nicht offensichtlich ungenügend ist, auf solche Weise zu Höherem pädagogisch zu ermutigen trachten?

Gab es doch verschiedentliche Anlässe, meine Leistungen fairerweise als oberhalb von ausreichend zu beurteilen?

Wollte man gar (ich bin, wie meine treuen Leser wissen, manchmal ein bisschen verschwörungtheoretisch-paranoid) bereits als gut erkannte Arbeiten so herunterkorrigieren, dass mir nicht gleich der größenwahnsinnige Gaul durchginge, um mich im Sinne einer konservativen Pädagogik zu befördern, indem ich von meinen eigentlichen Leistungswerten keine Kunde bekäme, um mich darob doppelt und dreifach anzustrengen?

Oder wurde ich einfach sozusagen “liberal” beurteilt, also nach dem Motto, die Leistung mag zwar sehr gut sein, aber wo keine Kohle beikommt, ist alles Schall und Rauch?

Oder walteten andere weltanschauliche Kriterien: Der ist weder Jude, Moslem noch Christ, also Mist?

Es ist mir jetzt einfach egal.

Ich bäume mich auf.

Ich gebe mir als Palliativ selber eine Zweibisdrei.

Der Rest kann mich mal…lesen.

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