Rosenmontag

Soeben fuhr ein Rosenmontagskarren etwas verspätet an mir vorbei.

Auf dem Kutschbock saß Al Gore und grinste, wie Jack Nicholson das nimmermehr fertigbringen wird; neben ihm gewahrte ich einen weiteren Friedensnobelpreisträger, der in großen Lettern “Let’s Nuke Iran Now” auf sein Wams genäht hatte; hinten auf dem Wagen lümmelten sich allerlei Puppen und Pappnasen, unter anderem eine Närrin, die sich einen Riesenplastikphallus mit der Aufschrift “Alles muss ab, FDP!” umgebunden hatte, eine Art Satyr, der Prinz Charles zum Verwechseln ähnlich sah, ein Hitler, der fortlaufend schrie, “ich will meinen Goebbels wiederhaben!”, ein Frankenstein, skandierend, “das Klima gehört mir!”, sowie knapp gegürtete Parzen, kichernd, die riefen, “Kölle, Kölle, Kölle, oh Mölle, Möllemann!”

Zwischen all diesem frohen Treiben gewahrte man noch kleinere Fabelwesen, eisbärenbabyartige, amöbenhaft-glitschige, selbst ein beinahe echt wirkendes Schweinegrippenvirus mit rosa Schleifchen, als Geschenkpaket verpackt, auf dem “Hoho, hoho, ich bin die WHO!” in vergoldeten Lettern prangte.

Der Boden des Wagens, dessen metallische Zinnen rundum mit brennstoffzellenbetriebenen, indes atomar bestückten Erderwärmungshaubitzen gesäumt, war mit Bernanke-Streu unterfüttert, einer halb matschigen grünen, soßigen Melange, die mit netten kleinen, wohl symbolisch gemeint kreierten Bombentrichtern verziert war.

Oben im Ausguck auf dem Mast in der Mitte des Gefährts saß so eine Art außerirdischer ALF mit lilasilbernem Fell und betrachtete das ganze mit sichtlichem Vergnügen und laserte ab und an im Zwölftonrhythmus 3-D-Bilder ans Firmament, mal russische Ikonen, mal grinsende Obamas, mal Herkulesse beim Augiasstallausmisten, mal Irrenhäuser, in denen Sondergesandte wilden Ebern sorgsam einen runterholten, mal lustige Darstellungen der Apokalypse, in deren Spielszenen handfeste Matronen es randalierendem englischem Seeräubergesindel mit Nudelhölzern und Bratpfannen einmal so richtig zeigten.

Das ganze war mit lauter Reggae-Musik und Hiphop unterlegt, und der einzige, der offenkundig weder sturzbesoffen noch ans Ende seiner Bronchien zusammengekifft war, na raten Sie mal, war ich.

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2 Antworten zu “Rosenmontag”

  1. n1Ls sagt:

    sehr amüsant geschrieben, vor allem der letzte absatz :D

  2. Tropf sagt:

    Ja, da schließe ich mich “n1Ls” an. der letzte Absatz hat mich schwer beeindruckt… :-)

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