Ich habe sie!

Ich habe sie. Sie ist in mir. Mir allein ist es geschuldet, dass nicht Abermillionen Menschen elendiglich verröcheln müssen.

Seit Tagen läuft meine Nase, als betriebe sie ernsthaftes Triathlontraining. Die Schweinegrippe hat offensichtlich erkannt, dass sie nur im Leibe und am Orte eines semisubprekariaratären Schreiberlings und seiner darob nur mäßig beheizten Studierstube eine Chance hat, ihr Werk zu tun.

Als Schweinegrippechristus, der das Viruskreuz für die gesamte Menschheit auf sich genommen hat, verspüre ich einen geradezu erderwärmenden religiösen Schauder; Sie können sich gar nicht vorstellen, was für ein Gefühl das ist, circa zehn hoch dreiunddreißig Schweinegrippeviren, also den gesamten planetaren Bestand, ganz alleine zu vernichten.

Wie als ob ich als ein Tera-Leonidas der Neuzeit, nicht gedeckt durch dreihundert Mann, sondern ganz alleine gegen zwanzigtausend böse Perser auf den Thermopylen stünde, einziger Turm in der Schlacht zur Salvierung der Zivilisation, dabei siegreich, also zernagen und mazerieren meine Körperzellen Virus um Virus, wobei ich ihnen noch nicht einmal erlaubt habe, den Endsieg unter Zuhilfenahme der Wunderwaffe zu erringen.

Da Satiriker nämlich Sadisten von Beruf, will ich sie die Eindringlinge noch ganz genüsslich ein wenig quälen lassen.

Deshalb lagert der Wunderwaffenbehälter noch ungeöffnet in Form einer Flasche inzwischen volljährigen schottischen Malzwhiskys, des ultimativen eau de vie, des alles zermalmenden biochemischen Sturmgeschützes für den finalen immunologischen Vernichtungsschlag, im Keller im schützenden Metallkassiber.

Ich schreibe dies natürlich nur deshalb so keck hierhin, weil Viren definitiv nicht lesen können; das hat ihnen der liebe Gott nicht in den Tornister des ruchlosen Aggressoren gepackt; fürwahr, ich verriete denen ja nicht einfach so meinen entscheidenden Vorteil in der letzten Schlacht, bin ja nicht blöde gesoffen.

Die bevorstehenden Hekatomben, was rede ich, Yottatomben, werden als d a s singuläre viraloklastische Massaker in die Historie eingehen.

— Anzeigen —


Tags: ,

Eine Antwort hinterlassen