Hurra! Auf in den Jemen!

Wie es dieser im Jemen blendend ausgebildete junge Mann als Nachwuchsterrorist mit einem One-Way-Ticket über Amsterdam gen Detroit schaffen konnte, nachdem sich sein verzweifelter Vater direkt an die CIA gewandt hatte, ihn aufzuhalten, kann nur jene Zentrale Intelligenz Agentur wissen: Immerhin sollte man gewusst haben, wen man durchlassen muss, wenn man den bereits laufenden Angriff auf den Jemen der Öffentlichkeit als notwendig erklären will.

So hat unser aller guter Amerikaner, Senator Joe Lieberman, Chef des Heimatschutzkomitees, laut Daily Telegraph bereits erklärt: “Iraq was yesterday’s war. Afghanistan is today’s war. Yemen will be tomorrow’s war. That’s the danger we face.” (BERICHTIGUNG: siehe P. S. unten!)

Na prima. Der Krieg in Afghanistan läuft bereits heute so gut, was man ja an den bereits erhöhten und weiter zu erhöhenden Truppenkontingenten unschwer erkennen kann, dass wir dringend noch einen Krieg für morgen brauchen.

Die Gefahr, von der Liebermann meint, dass wir ihr gegenüberstünden, besteht für die USA darin, dass diese arme verfolgte kleine Nation jetzt auch noch den Jemen bombardieren wird müssen, eine unerträgliche, skandalöse Nötigung des Parias hinterm Großen Teich, fürwahr!

Erhellend auch, dass der liebe Mann im Indikativ Futur spricht, sich mit keinem “could” oder ähnlichem länger aufhält.

Warum jetzt der Jemen?

Klar erzählt man uns, dass es dort Al-Kaida-Zellen gäbe, vielleicht gibt es sogar welche, die unabhängig von der Zentralen Intelligenz Agentur als Freelancer tätig sind, zudem gibt es aufständische Schiiten an der Grenze zu Saudi-Arabien, über die man uns schon weniger erzählt, aber sonst?

Klar liegt Somalia gleich gegenüber, ein bisschen Öl haben sie auch, aber wirklich nur noch ein bisschen, keine Pipeline ist geplant oder ergäbe Sinn, sonst gibt’s außer etwas Gerste noch ein paar Melonen und Datteln und immerhin genügend Kat, so dass der Jemeniter einem Berliner Antifa gleich immerhin jeden Tag als gleich lang, aber unterschiedlich breit, genießen kann.

Da sich mit Kat in westlichen Ländern aber nicht die Summen verdienen lassen, wie aus dem Mohnanbau in Afghanistan, können die grünen Entspannungskaublätter kaum auch nur einen wesentlichen Teilkriegsgrund darstellen; der Iran wiederum liegt gut zweitausend Kilometer entfernt auf der anderen Seite der Arabischen Halbinsel, so dass ein Truppenaufmarsch im Jemen als vorsorglicher Liebesgruß aus Washington und London ebenfalls ausscheidet.

Da mir sonst derzeit noch nichts Zwingendes einfällt (wir werden anhand der notwendigen Lügen aber sicher bald mehr deduzieren können), bleibt eigentlich nur noch die Option, von dem unwichtigen Jemen aus, wenn erst mal genügend Truppen da sind, von Süden her Saudi-Arabien zu demokratisieren, sollte dies einmal nottun: Von Norden her schlössen die US-Truppen im Irak die Zangenbewegung.

Beruhigt können wir immerhin sein dahingehend, dass Claudia Roth und Guido Westerwelle sich freiwillig an die Front melden werden, denn mit Frauen- und Schwulenrechten soll es im ganzen Jemen ziemlich finster aussehen, so dass ein bisschen Toleranz herbeibomben den Anhängern der dortigen Religion des Friedens sicher nicht schaden kann.

Ich wundere mich trotzdem immer noch. Wenn Liebermann das Wort Krieg im direkten Vergleich mit dem Irak und Afghanistan in den Mund nimmt, dann hat man dort sehr wahrscheinlich nicht nur ein kleines Schaulaufen auf der Agenda, bloß vor, ein paar Dörfer zu bombardieren, ein paar Killerkommandos loszuschicken und die jemenitischen einheimischen Kräfte an ein paar modernen Waffen und in den neuesten Foltertechniken auszubilden.

“Am Rande der Afghanistan-Konferenz (!)” Ende dieses Monats will denn auch der britische Premierminister noch eine “Jemen-Konferenz” abhalten; intelligenter Mann, dieser Brown: Wenn man die ganzen Beglücker Afghanistans schonmal da hat, kann man ihnen auch gleich erklären, welche finanziellen und militärischen Beiträge zur Beglückung des Jemens von ihnen überdies erwartet werden.

Spätestens Anfang Februar sollten wir nach den Irak-Lügen von gestern und den Afghanistan-Lügen von heute auch die Jemen-Lügen für morgen erfahren.

Ab da wissen wir wenigstens alle ziemlich verlässlich, weshalb Washington und London diesen Krieg bestimmt n i c h t wollen (vermutlich werden sie irgendein Geschwafel von wegen Terrorismus loslassen), damit auch vielleicht etwas mehr, denn mancher verrät dem guten Rater doch durch Kleinigkeiten und seine Tonlage mitunter manches, was er nicht verraten wollte.

In Deutschland setze ich da ganz auf den Außenminister, denn man wird ihn persönlich an der Front nicht mitkämpfen lassen, und da er dies sicherlich als diskriminierende Demütigung empfinden wird und rheinisch-redselig gestrickt ist, setze ich auf ihn als zumindest national die beste Quelle.

Wenn die Amis und die Brits ihn nicht richtig einweihen in ihre Pläne, dann merkt er das womöglich, denn er ist ja nicht dumm, und quatscht umso mehr.

P.S.: Tatsächlich bin ich einem Fehlzitat in doppelter Hinsicht aufgesessen. Unter dem Titel “Detroit terror attack: Britain sends counter-terrorist forces to Yemen” veröffentlichte der Daily Telegraph das Zitat am 3. Januar wie oben übernommen.

Zufällig fand ich heraus, dass Joe Lieberman nicht nur einen anderen Nichtgenannten zitierte, der entsprechendes im Jemen zu ihm gesagt habe, sondern überdies mit dem konditionalen Vorspann vor dem letzten entscheidenden Satz: “IF WE DON’T ACT PEEMPTIVELY, Yemen will be tomorrow’s war.”

Auf Youtube lässt sich die Sache unter Lieberman/Yemen leicht prüfen.

Weshalb die renommierte englische Zeitung diesen doppelten Fehler beging, darüber mag man spekulieren.

Ansonsten habe ich mich entschieden, den Artikel so stehen zu lassen; immerhin heißt “act preemptively” ja allemal das, was die Amerikaner schon länger im Jemen tun: einen nicht erklärten Präventivkrieg führen.

(Berichtigung 7. 1. 19.00 Uhr)




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