(Mehrfach-)Decknamen und Beleidigung im Netz

Ich werde versuchen, so sachlich und nüchtern wie möglich zu bleiben, obzwar meine Lust dazu am Neujahrstage gegen Null strebt.

In jenen Diskussionsforen des “Freitag”, derer ich hier schon erwähnte, ist inzwischen der Netzdurchdreh erreicht.

Verschiedene “User” der “Community” bezichtigen sich mit Harke und Forke der Beleidigung, des Mobbings, des Stalkings, der Nötigung und anderleier Nettigkeiten mehr.

Dabei blühen Verschwörungstheorien, wie z. B. dass eine besonders mobbeske Teilnehmerin unter drei verschiedenen Nicks aufträte, um dadurch umso mieser ganze “Threads” und zumal einzelne “Community-Mitglieder” aufzumischen, womöglich gar aus verschmähter Liebe heraus.

Zwischendurch bezeichnet man sich gegenseitig als schizoid, irgendwie sonst krank und als dringend therapiebedürftig, wenn nicht grade kriminell; wer sich’s angucken will, zum Plaisir oder aus soziologisch-wissenschaftlichem Interesse, der mache die Netzseite auf und schaue nach dem “Thread” der “Wiedehopfin” (“Jetzt reicht’s aber!?”).

Da war ich zu meiner Zeit, als ich die intellektuelle Linke nochmal genauer kennenlernen wollte und ins Geschehen eingriff, noch gut dran: Ich wurde zwar teils aufs übelste angepöbelt und mit Abtrittsprüchen bzw. deren semantischer Verwandtschaft überzogen, doch merkwürdigerweise kam n i e eine echte Verschwörungstheorie gegen mich auf, wofern man den Vorwurf, hier sei Troll Göller, nicht darunter rechnet. Auch der Hinweis, ich müsse wohl eher zum Arzt als schreiben, kam, soweit ich mich erinnere, nicht vor.

Weshalb also wurde ich so pfleglich behandelt, wo doch bald klar war, dass ich nicht einmal nur ein etwas schräger Linker sein könne?

Ganz einfach: Mein Name stand dort, und zwar der rechte.

Alsbald hatte mich mein übelster Schimpfkanonier im Netz ausfindig gemacht und dem Rest deutlichst mitgeteilt, unter illegalem Hochladen eines ganzen meiner Blogartikel, dass es mich tatsächlich gäbe und ich tatsächlich ein verdammter unlinker Sonstnochwas sei, der genau das auch in seinem Blog verbrate – und noch Schlimmeres gar! denn was man hier von diesem… ertragen müsse.

Meine Glaubwürdigkeit stieg dadurch wohl auf nahe 100% echtes, genuines, nichtlinkes A…..ch.

Da weiß man, was man hat.

(Viele behandelten mich aber weiterhin ganz normal und blieben freundlich bis verbindlich.)

Dass der aberwitzige Händel, der jetzt ausgetragen wird, bisher ohne “Rassist”, “Faschist” usw. auskommt, weil das mit dieserlei Vorwürfen schon zuvor etwas an die Wand fuhr, wenigstens so, dass man unter halbwegs hasenreinen Linken jetzt nicht mehr gleich damit anfängt (doch wehe wehe, wenn ich auf das Ende sehe: Godwin’s Gesetz droht gnadenlos), ist immerhin bemerkenswert, da nicht selbstverständlich: alswelches die Auseinandersetzung aber nicht weniger giftig macht, im Gegenteil, sie wird dadurch im Rahmen der literarischen Möglichkeiten der Kontrahenten subtiler, weniger holzschnittartig boshaft, richtig sozialpädagogenweibsgemein mitunter.

Mag auch sein, dass mir so wohl erging, da ich nicht wesentlich in einen Weiberkrieg verwickelt ward (was einem ja auch als Mann mit Klarnamen passieren kann), in welchem sich die Dinge so verknurdeln und verbeißen, dass Homo sapiens nur noch spotten, schweigen, warten oder entschieden durchgreifen kann.

Bleibt die spannende Frage, ob man eine Person, die unter einem oder mehreren Decknamen auftreten könnte, hinter denen wiederum auch mehrere Personen stehen könnten (selbst hinter einem Decknamen), überhaupt im rechtskräftigen Sinne beleidigen, verleumden, mit übler Nachrede versehen, mobben oder gar justiziabel “stalken” kann.

Ich kenne keine Präzedenzurteile dazu, stelle mir das rechtliche Prozedere als mindestens kompliziert bis dauerstrittig vor.

Sollte unter den Lesern dieser Zeilen oder in deren Bekanntenkreis ein fähiger Fachjurist sich finden, so lade ich diesen herzlich ein, uns per Kommentar aufzuklären oder auch hier als Gastblogger seine Ausführungen einzustellen.

Mich interessierte die rechtliche Lage dazu; andere Nutzer von Netzforen vielleicht auch.

Uff. Die letzten vier Sätze waren unsatirisch, ehrlich, nützlich, nüchtern, sachlich und ernst gemeint.

Gut’ Neujahr nochmal!

P. S. : Mir fällt gerade noch ein, dass jemand, der unter Decknamen im Netz verleumdet, mit Sicherheit verurteilt werden kann; wird im Grunde aber nur ein Deckname selbst verleumdet, so kann der sehr wohl Verleumdungsfähige womöglich nicht als ein Verleumdbarer und damit Verleumdeter umgekehrt sein Recht durchsetzen. Spaßige Vorstellung mit potentiell erheblichen Folgen für die Netzkultur.

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