Eule findet Antigodwinsches Gesetz

Nachdem “Pardon” vor einiger Zeit ob Unwirtschaftlichkeit eingestellt wurde, bleiben am traurigen deutschen Satiremarkt in Druck nur noch “Titanic” und “Eulenspiegel” erhältlich.

Da ich die Altwessilinken aus Frankfurt schon lange nicht mehr auf Einfälle abgeklopft habe, die wenigstens zu einem Schmunzeln führen könnten (habe ich was verpasst? – den einen oder anderen Cartoon vielleicht?), las ich zur Heiligabendbahnfahrt mal wieder “die Eule”, und – außer wiederum dem einen oder anderen Cartoon –  ich fand nicht einen längeren Fließtext, der wirklich den Atem hatte, durchzuhalten.

Mein Gott nochmal, was machen diese Leute beim Marktführer eigentlich einen ganzen Monat lang, um alle miteinander längs einem solchen noch nicht einmal ein Mal das hervorzubringen, wozu sie antreten?

Trinken diese Leute, von denen manche durchaus sprachliches Talent und Bildung mitbringen, sich täglich genauso prekariatsprollig, wie man unsere Zeitgenossen, von Sigmar Gabriel bis Otto Kasulke, Neuunterwendsprienitz bei Finsterwalde, sowie Punkerpfriemel die Dicke vom Kotti, Kreuzberg, Berlin, dort stets dargestellt sieht, picklig, warzig, speckverquattelt, strähnig, farzend, blökend, grunzend, vermüllt, mit Kindern, gegen die der Anblick eines Hängebauchferkels mit Tollwut und Krätze einen Augenschmaus gewährte?

Vielleicht handelt es sich dabei um einen sich selbst verstärkenden Effekt, ein durch häufiges Betrachten der Cartoons auch bei den Schreiberlingen immer stärker aufgeladenes morphisches Feld, den unüberwindbaren Zwang aufbauend, dass der richtige Abstand zu diesem BRD-Wessiwichserladen namens Deutschland nur im Dauerschwank zwischen Bier und Boonekamp sinnfällig zu erlangen sei, da schöpferische Intuition von viel Bowle reintun schon rein etymologisch herrühren muss.

Wer nicht bei der dritten Zeile bereits sein achtes Bier drin hat, wird überdies wahrscheinlich schnell als verkappter Moslem, Rechtsradikaler, elitärer Besserwessi, oder, schlimmstes Verdikt, als nicht mehr trinkfähig schnell unter Verdacht gestellt.

Vielleicht haben die Frauen dawider einen halbwegs funktionierenden Trick entwickelt, denn es fiel auf, dass die beiden verhältnismäßig lesbarsten Texte von zwei Damen stammten, obwohl Damen (ich meine jetzt weibliche Wesen) nicht die Mehrheit der Artikel stellten.

Wie haben die das hingekriegt?

Darf man als Frau bei der Eule Saufpausen nehmen? Sich waschen? Schminken? Ausschlafen ohne Frühschoppen?

Etwas Anständiges essen gar?

Z w e i Brünhilden mit magischen Kräften?

Unterm Strich kann es aber nicht nur an der Sauferei und dem Spaß an der Freude der Verpöbelung liegen, dass also wenig höheren Ansprüchen genügen kann; will man etwa gar nicht?

Ist der ganze Laden womöglich Ergebnis einer ausgemachten Verschwörung, mit dem Ziel, den Deutschen ihren restlichen Mutterwitz zu rauben?

Säuft da zum Schein etwa der Mossad?

Vielleicht haben die auch die Klimakillerkrankheit, und bisher hat’s keiner gemerkelt. Oder sie haben die Pandemrix-Zehnerschweineeimer kurzerhand ausgesoffen, wegen des leckeren Ethylquecksilbers, Ethylirgendwas ist schonmal nicht Holzsprit.

Oder Obamas Geist der Schwere hat sie heimgesucht: “Ja, wir können…?…saufen!”

Dabei dachte natürlich keiner dran, dass Obama als Amerikaner allenfalls Koksen und Kiffen gemeint haben konnte, allerdings nur für linke Stimmviehidioten, denn in Wirklichkeit meinte er: “BOMBEN!” (Inhalt keine zwei Liter Pennerglück, Anm. d. Red.)

Manche Kulturwissenschaftler munkeln auch hinter vorgehaltener Hand, dass die Ossis den Mauerfall nie richtig verkraftet hätten, weil danach der Schwarze Afghane über die im Kiffen völlig Ungeübten hereinbrach, so dass der Ostsatiriker sich wegen seines Ersttörns noch heute von morgens bis abends an einer Flasche Sternburg Pils festhalten muss, um nicht jede Wand anzugackern, gegen die er noch nicht gründlich mit den Hörnern angerannt ist.

Allerdings, da ich gerade sehe, dass 500 Wörter deutlich überschritten sind, könnte auch Godwin’s Law greifen, alswelches in etwa besagt, dass je länger eine Erörterung dauert, umso wahrscheinlicher jemand den Nazi-Vergleich heraushole, zu deren diskursivem Ruin, ansteigend bis 100%.

Genau. Das ist die wahrscheinlichste Erklärung.

Nach allen Debatten über Politik, Ästhetik und Kultur haben sich verschiedene Redaktionsfraktionen begonnen, gegenseitig als Nazis zu beschimpfen, so dass der Strauß schier handgreiflich wurde und nur durch Einzelkampftrinken der Anführer, unter sehr solidarischem Mitpotieren der jeweiligen Fangemeinden, noch gewaltfrei geschlichtet werden konnte, deliberat delirant.

Seit jenem Tage gilt bei der klugen Eule das Antigodwinsche Gesetz:

Nie diskutier / unter zehn Bier

P. S. : Jetzt wissen Sie auch, weshalb ein Heft immer noch Zwoachtzig kostet: Das reicht nur für n e u n Sternburg Pils und e i n Drittel Ansparbetrag aufs zehnte.

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