Eigentumgeheuerlich frei!

Folgendes “Zitat des Tages” gewahrte ich soeben zum mindestens zweiten Male auf der libertären Netzseite von “eigentümlich frei” (ef-magazin.de):

“Zensur” ist ein Begriff, der nur auf die Regierung anwendbar ist. Keine Privathandlung ist Zensur. Kein Privatmensch kann einen anderen knebeln oder eine Publikation unterdrücken – nur die Regierung kann das. Die Meinungsfreiheit privater Individuen beeinhaltet das Recht, nicht zuzustimmen, nicht zuzuhören und nicht seine eigenen Gegner zu finanzieren.

Ayn Rand

Was für ein ausgemachter, phantastischer Unfug!

Wenn Pippi Langstrumpf nicht der stärkste Mann der Welt ist, sondern gar der stärkste Mädchen, sich die Welt macht, als wie es ihr gefällt, dann ist das durchaus spaßig, nicht nur für Kinder: Dummerweise ist aber anzunehmen, dass dies Zitat hier ernst genommen werden will.

Ich will für mich persönlich, der ich doch eher zu den frecheren Redseligen gehöre, nicht ausrechnen und hier auseinanderklamüsern, wie oft mir eine Publikation von “Privatmenschen” unterdrückt wurde, selbst im Netz, ich einen Knebel in den Mund bekam, wollte ich nicht meine Arbeit verlieren oder gar meinen Kindern “selbst schuld” schaden.

Dabei habe ich mich noch nie mit der italienischen, russischen, chinesischen oder einer Balkanmafia in Richtung Knebel und Zensur angelegt, da bekommt man diese privatissime noch schneller und wesentlich leichter, zumal deutlicher mitgeteilt.

Der obige Aphorismus soll, egal wie falsch das ist, uns ganz einfach nur sagen, dass Unternehmer und zumal Kapitalisten und alle anderen Nichtbeamten im Gegensatz zu einer Regierung, womit (wahrscheinlich in diesem Zusammenhang ein Übersetzungsfehler aus dem amerikanischen “government”) hier der Staat gemeint ist, nie solch Böses im Schilde führen können oder gar ausrichten, welch privatisierendes Räubergesindel sich auch immer versammeln mag, alswie ein Staat, der von sich aus garantiert immer böser, da vom Grunde her böse ist.

Sehr peinlich.

Ich frage mich langsam, weshalb Leute, die so etwas glauben, noch keine privat finanzierten Polizeien, wenigstens eigentümliche Freikorps oder moderne bestellte Landsknechte, gegen die BRD, deren Verfassungs- und Staatsschutz, deren sämtliche Regierungsstaatspolizeien, aufgestellt haben.

Private Polizeien sind doch das Gebot der Stunde: Jeder Kunde bezahlt freiwillig für deren Dienstleistungen gerade so viel, wie er für richtig hält.

Damit wird jeder Polizist von jedem Kunden endlich geachtet und nicht als ein zum ungünstigsten Zeitpunkte dahergelaufener Penner mit Pensionsanspruch angesehen, denn er leistet exakt nur das, was sein Privatchef bzw. das freiwillige Konsortium, für das er seinen Dienst versieht, von ihm will, und wird entlang dieser klaren Richtschnur auch völlig unbürokratisch befördert und entlohnt.

Dieser eigentümliche Ordnungshüter verzichtet auch gerne auf unbezahlte Überstunden zwecks Niederschrift uninteressanter langer Berichte, sondern begnügt sich zielführend mit dem geforderten Erreichen handfester Ergebnisse im Sinne seiner freiwirtschaftlichen Aufgaben, dargelegt in knappen mündlichen Privatrapporten.

Da der eigentümlich freie Ordnungshüter seine Auftraggeber niemals in ihren Meinungsäußerungen beschneidet oder ihnen gar verbietet, mit der Presse zu sprechen, findet also eine Zensur tatsächlich nicht mehr statt.

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7 Antworten zu “Eigentumgeheuerlich frei!”

  1. Zum ersten Male lese ich dies/en Blog und finde ihn auch auf den zweiten Blick sehr ansprechend!

    Die Kritik am oben stehenden Zitat teile ich! Auch mir will es nicht einleuchten, wieso es nur Staaten sein sollen, die zensurieren. Als ob es nicht ein alle Lebensbereiche durchdringender Zustand ist – jedoch hier und da auch durchaus nicht ohne Grund.

  2. Geneigter Leser sagt:

    Man kann auch etwas absichtlich falsch verstehen.

    Unzweifelhaft hätte es in dem Artikel extra klar zum Ausdruck kommen müssen. Jedoch, wer etwas darüber nachdenkt kommt selbst darauf.

    Wessen Post auf einzelnen privaten Blogs gelöscht werden, der ist noch lange nicht zensiert.
    Er hat die Möglichkeit seine Ansichten auf anderen Blogs zu posten. Ist ‘unangenehm’, macht Arbeit – ist aber noch keine Zensur.

    Denn, das Recht auf freie Meinungsäußerung schließt im Umkehrschluß auch ein, eine andere Meinung nicht zur Kenntnis nehmen zu müssen bzw. nicht an deren Verbreitung beteiligt sein zu müssen.

    Beispiel: hier würde Nazipropaganda gepostet.
    Nach Ihrer Meinung wäre das Löschen dann ja auch Zensur.

    Eine wirkliche Zensur kann nur von offiziellen Stellen ausgehen, da sich diese ja dann auf alle Publikationsmöglichkeiten bezieht, und nicht nur auf einige.

    Bestes Beispiel: Äußerungen, die unter den §130 StGB fallen.
    Ungeachtet das man darüber nicht zu dirkutieren braucht, durch diesen § ist die BRD definitiv ein Zensur-Staat.

    Der Zweck heiligt nicht jedes Mittel, eine wirkliche und starke Demokratie verkraftet auch allemal einige Deppen.

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    Danke, Tanja Kriener, für die Blumen

    und

    Lieber Geneigter Leser,

    selbstverständlich ist die Bundesrepublik durch den § 130 StGb stark selbstbeschädigt.

    Ich habe mich in diesem Blog verschiedentlich unmissverständlich für eine Aufhebung dieses Kastratenparagraphen eingesetzt, ich glaube gar schon auch in satirischer Form.

    Außer staatlicher Zensur existiert aber auch diejenige, wenn Sie z. B. über so nebensächliche Themen wie Methylphenidat schreiben wollen: keine Totalzensur mit direkter Androhung von Zuchthaus, aber eine wirksame, ökonomisch-soziale.

    So werden Sie in einem solchen Falle, dass Sie zum Beispiel dazu oder zur Schweinegrippe oder zur Uranmunition als Mediziner sich kritisch oder gar enthüllend äußern, nicht unbedingt gleich von einem Stahlseil rasiert; Knast gibt’s auch nicht, wenn man aufpasst und weiß, was die Anwälte der Gegenseite draufhaben; aber für einen wirtschaftlichen Ruin reicht es ganz locker ganz schnell.

    Und alles, was Sie je einmal in Ihren Blog geschrieben haben, da es keine große Zeitung druckte, bleibt für alle Zeiten für eventuelle künftige Arbeitgeber gespeichert, die sich damit gleich einen Reim darauf machen können, auf was für eine verräterische Kanaille sie sich da einließen.

    Bei “eigentümlich frei” wird teils auf eine derart imposante Art und Weise geträumt, dass ich mich manchmal frage, ob ich lachen oder heulen soll: Wenn es wenigstens linke Traumtänzer wären!

    Einen Teil dieses Traumes wollte ich mittels der Bearbeitung des Zitats platzen lassen, hoffentlich zum Guten.

    Denn es steht ja nicht nur unsäglicher Unfug auf dieser Seite, sonst befasste ich mich kaum wiederholt damit.

    MfG

    Ihr

    MG

  4. Geneigter Leser sagt:

    Der Sichtweise kann ich folgen – und muß dem auch zustimmen.

    Ich hatte fälschlicher Weise nur an die schwarz/weiß-Abgrenzung (Privat/Staat) gedacht, an die teils perfiederen ‘Zwischentöne’ durch finanzielle oder gesellschaftliche Folgen jedoch nicht.

    Asche auf mein Haupt.

  5. Magnus Wolf Göller sagt:

    Lieber Geneigter Leser,

    danke für Ihre Rückmeldung.

    und

    Liebe Frau Krienen,

    ich habe doch noch gemerkt, dass die Blumen mit demselben Buchstaben enden wie Ihr Name.

    Grüße

    MG

  6. Zensur sollte man Dinge heißen, die andere mit Gewalt daran hindern ihre Meinung zu äußern. Daraus kann aber doch kein Anspruch erwachsen, dass jeder selbst Kosten und Aufwand zu betreiben hat, damit jeder andere aufgrund dessen erst veröffentlichen kann. Oder sehe ich das falsch?
    ef hat ja inzwischen sogar den Kommentarbereich komplett gesperrt und sogar gelöscht. Deshalb habe ich eine eigene Seite ins Leben gerufen und auch einen Blog für Leserkommentare dazu:
    http://leserkommentare.blogspot.com

  7. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Staatlich Lernbehinderter

    Lustige Idee.

    Sagt mir aber mein Bauch, dass das Ärger geben könnte.

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