Weihnacht

Ich erfuhr heute, dass der Bruder eines meiner ältesten Freunde mich mit jenem zusammen zum Nüsse und Oliven knabbern und wohl auch auf das eine oder andere gepflegte Weinchen zu sich nach Hause zum ersten Weihnachtsfeiertage hin einlud.

Was ist daran das Besondere?

Einmal die Freude natürlich auf das Zusammentreffen, zudem dass mir die Ehre zuteil ward, vielmehr aber noch, dass der Freundesbruder, mit dem ich wohl vor fünfundzwanzig Jahren ab und an kumpelhaft zusammentraf, stets in gutem Einvernehmen, aber nie eine besondere enge eigene Freundschaft entwickelnd, mit dem ich wohl auch vor drei Jahren einmal lustig telefonierte, der wie ich wohl auch ein paar Grade älter sein und aussehen wird, da wir uns wohl zehn oder fünfzehn Jahre nicht mehr gesehen haben, an mich dachte.

Das Schönste aber liegt darin, dass wir über unsere Halbrunzeln, Geheimratsecken, vielleicht schon ein paar graue Haare, wahrscheinlich eingangs ein paar Scherze austauschen werden (meinen noch halbmaroden rechten Arm wird er mir vielleicht gleich so in die noch angeschlagene Schulter übers Schlüsselbein zum Halse hin ins Hirn schütteln, mit einem Grinsen, dass ich über Weihnachten kein autogenes Rekonvaleszenztraining mehr brauche, zuzüglich deftigen Spottes ob meines dämlichen Unfalles, wenn er die ganze blöde Geschichte aus mir herausgekitzelt hat), uns halb tot darüber lachend, ich genau darum keinerlei Angst verspüre, da stünde ich als ein eigentlich Anderer vor einem fremd Gewordenen.

Ich habe durch diese Einladung gemerkt, wie nahe jemand sein kann, der einem scheinbar nie so sehr nahe stand: dass es innere Bänder gibt, die man oft gar nicht so bald erkennt.

Wieso sonst sollte ich mich darüber freuen wie ein Kind?

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