“Klimaleugner” gleich “Holocaustleugner”?

Wie hier schon verschiedentlich erwähnt, wurden in jüngerer Zeit mehrfach sogenannte “Klimaleugner” mit “Holocaustleugnern” praktisch in eins gesetzt.

Zunächst zur Bedeutungsklärung, denn das Thema ist, naturgemäß, heikel: “Klimaleugner” ist ein blödsinniger Begriff, denn er suggeriert, es gäbe Leute außerhalb des Irrenhauses oder einer fürsorglichen sonstigen Intensivbetreuung, die da nicht als Komiker oder Satiriker leugneten, es gäbe ein Klima.

Zumal in der Analogie zum “Holocaustleugner”, der nicht an die systematische Vernichtung von sechs Millionen Juden durch das nationalsozialistische Regime glaubt, wäre das die Entsprechung.

(Selbstverständlich gibt es in der menschlichen Sprache das Phänomen des übertragenen Ausdrucks; hier indes scheint mir in zumal sehr böswilliger Absicht doch das Kind gröbst mit dem Bade ausgeschüttet.)

Gemeint sind mit “Klimaleugner” aber offenkundig nicht Zeitgenossen, die das Vorhandensein eines Erdklimas leugnen; noch nicht einmal solche, die den beständigen Klimawandel leugnen, denn die wären schon beinahe so wenig diskursfähig wie erstere; nein, gemeint sind Menschen, die bestreiten, nicht daran glauben oder auch nur daran zweifeln, dass der aktuelle Klimawandel, genauer die behauptete Erderwärmung ob vom Menschen emittierten Kohlendioxids, überhaupt in der Form vorhanden sei bzw. auf menschliche Aktivität zurückzuführen.

Halbwegs korrekterweise, zöge man mal ab, wie der Begriff “Leugner” inzwischen konnotativ besetzt ist – alswelches ja bewusst benutzt wird – bezeichnete man diese Geschöpfe als, wenn man es in einem Worte bewerkstelligen wollte, was immerhin das Deutsche von der Wortbildung her ermöglicht, “Menschengemachteerderwärmungsleugner” oder “Humanogeneerderwärmungsleugner” oder “Anthropogeneerdeerwärmungsleugner” oder “Humanogenterrakalifikationsdeniatoren” oder was man sonst noch so zusammenphilologisieren mag.

Jetzt aber zum bedenklichen Vergleich des in üblidiotischer Weise nicht Gesagten, jedoch offenkundig Gemeinten.

Der sogenannte “Klimaleugner” leugnet – das heißt bezweifelt, glaubt nicht an, bestreitet – die menschenverursachte Erderwärmung, wenigstens im behaupteten Umfang, der “Holocaustleugner” das obig Dargestellte.

Ich halte diesen Vergleich nicht nur für bedenklich, sondern grob fahrlässig, wenn nicht sehr gefährlich: Was denn, wenn sich tatsächlich herausstellen sollte, dass die “Klimaleugner”, wofür inzwischen eine ganze Menge spricht, recht haben?

Könnte das nicht Wind auf die Mühlen der “Holocaustleugner” sein, von denen ja praktisch keiner behauptet, es habe keine Konzentrationslager gegeben und keine jüdischen Opfer, die aber in der Regel die Opferzahl von sechs Millionen sowie die dahinführenden Massenvergasungen “leugnen”?

Die könnten sich die Sache doch kurzerhand zunutze machen, den Spieß umdrehen und in etwa sagen: “Schaut her Leute, die haben euch alle gesagt, wer den menschenverursachten Klimawandel leugne, die ‘Klimaleugner’, seien genauso schlimm wie wir, die ‘Holocaustleugner’. Damit hatten sie in der Tat ausnahmsweise einmal recht, denn das entsprechend Schlimme auch an uns ist, dass wir recht haben und es den behaupteten Holocaust gar nicht gab, wie es die andere Sache heute ebenfalls so nicht gibt.”

“Holocaustleugner” werden sich jetzt schon ins Fäustchen lachen, angesichts der mehr als losen Reden, die von denen geschwungen werden, welche die “Klimaleugner” mittels dieses Vergleiches zu stigmatisieren oder gar kriminalisieren trachten.

Wenn die “Holocaustleugner” jetzt noch aufwachen und, sobald sich die Erdabkühlung der letzten zehn Jahre herumgesprochen hat, erklären, dass die Manipulationen und Lügen des IPCC ganz ähnlich durchgezogen worden seien wie weiland jene zum Holocaust, dann könnte der Schuss ganz gewaltig nach hinten losgehen.

Jedenfalls könnten “Holocaustleugner” sich dieses eiskalt zunutze machen.

Dass man im Zusammenhang mit dem Klimawandel gegen Zweifler überhaupt meint, die Holocaustkeule schwingen zu müssen, die bislang propagandistisch weltweit brutalstmögliche, hat zwar viele noch nicht zum Holocaustbezweifler gemacht, aber manchen sich wenigstens schon fragen lassen, weshalb und wozu das denn nun nötig sei.

Ein schändliches Spiel mit verdrehter Semantik und ungewissem Ausgang.

Und der begriffliche Irrsinn treibt noch weitere nachtschattig-orkeske Stilblüten, die ob Genusses eines Zuviels des Bilsenkrauts entstanden sein mögen: “Klimakiller” und “Klimakillergas” , “Killergas” für das für alle Pflanzen und Tiere überlebenswichtige Kohlendioxid! Für einen Stoff so wichtig wie Wasser!

Man greift in die Horrorvokabelkiste ohne Sinn und Verstand, erzählt schon Kindern unvorstellbaren und möglichst schrecklichen Unfug; man verbreitet Schwachsinn, als sei man vom Affen gebissen und darüber selbst zum dementen Lemuren geworden; man schimpft wie ein Rohrspatz; und damit beleidigte ich noch die Vogelart, wäre es keine geläufige Redewendung.

Wieso sollte ein halbwegs gebildeter Mensch, selbst ohne Genaueres über die Treibhausrelevanz des Kohlendioxids zu wissen, Leuten Glauben schenken, deren Begriffe so eindeutig und dabei offenkundig gnadenlos zielgerichtet komplett verdreht und zerworren sind, weshalb?

Und wie sollte man denn das “Klima killen” können?

Indem man atmet?

Wir sind alle ein bisschen Bluna, also Klimakiller?

Und was machen wir mit den Holländern mit all ihren Treibhäusern, die sie ständig mit diesem Killergas begasen, damit die Gurken und Tomaten besser wachsen?

Allerdings: Wer seit Jahren weiß, dass die Erde sich trotz gestiegener menschengemachter Killergasrate nicht mehr erwärmt, die ganze behauptete Korrelation gelinde gesagt höchst fragwürdig ist, der muss vielleicht mit solchen lexikalischen Doktor-Mabuse-Konstruktionen arbeiten, um vermeintlich irgendwie noch weiter zu kommen.

Wäre es in dem Zusammenhang statthaft, von einem “Begriffsholocaust” zu sprechen?

Nein. Allenfalls einem stümperhaft versuchten. Ich kenne meine Wörter noch ganz gut. Außerdem müssten dafür alle Begriffe nicht nur vernebelt oder vergast, sondern vollständig verbrannt werden: nur dann wäre es geschafft.

Stümper sind diese Wortverdreher deshalb, weil sie selbst nicht richtig Lesen und Schreiben und Denken gelernt haben und von daher von sich auf den Rest der Menschheit schließen.

Sie merken noch nicht einmal, wie viele selbst einfachste Menschen dies merken.

Die Auftraggeber dieser Hetze müssen mindestens so sehr von einer ungeheueren Hybris besessen sein wie ihre schwarzdichtenden Auftragnehmer.

Sonst pfiffen jene diese eiligst zurück.

Allerdings haben sich die Sinnverhunzer auch in eine selbstgestellte Falle begeben: Sie müssten jetzt erklären, dass ihr Vergleich völlig daneben gewesen sei, nur ein missglückter Missionsversuch im Sinne der Guten Sache, da man an einer vom Menschen verursachten Erderwärmung durchaus zweifeln dürfe, nur am Holocaust nicht.

Auch damit machten sie sich nicht glaubwürdiger.

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4 Antworten zu ““Klimaleugner” gleich “Holocaustleugner”?”

  1. [...] kritische Geister als “Klimaleugner” tituliert werden: mit einem Wort, das diese in verdächtige Nähe zu “anderen Leugnern” rückt und damit – absichtlich oder unabsichtlich – in Bausch und Bogen [...]

  2. Guter Beitrag sagt:

    Interessanter Artikel, danke.

    Übrigens (und das fehlt noch) ist “Leugnen” im allgemeinen Sprachgebrauch ein “bewußtes Abstreiten in der positiven Kenntnis des Gegenteils”. Es bedarf also der positiven und direkten Kenntnis. Glaube allein reicht nicht.

    Unter diesem Gesichtspunkt sollte sich jeder den Begriff einmal auf der Zunge zergehen lassen…

    Jemanden als “Leugner” abzustempeln hat keine andere Funktion, als die des argumentum ad hominem, also die, jemanden unter Umgehung (sogar Unterdrückung) jeder sachlichen Diskussion zu diskreditieren.

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    Lieber Guter Beitrag,

    vielen Dank für den Hinweis, denn er ermuntert mich zur genaueren Klärung.

    Was den heutigen “allgemeinen Sprachgebrauch” von “Leugnen” anlangt, so haben sie sicherlich recht.

    Dieser mag aber schon sehr stark von der Art und Tendenz des häufigen Gebrauchs in einschlägigem Zusammenhange beeinflusst sein, da das Wort sonst eher veraltet ist und wenig verwendet wird; seine semantische Wahrnehmung beim Volke ist hiervon sicherlich beeinflusst, alswelches jeden, der sich mit Sprachentwicklung, Etymologie und Bedeutungsverschiebungen bzw. -verengungen je beschäftigt hat, nicht sonderlich verwundern sollte, zumal in einem propagandistischen Kontext und zur Durchsetzung von Macht.

    Das stellt ja auch genau die von Ihnen angesprochene beabsichtigete Perfidie der Verwendung des Begriffes dar, denn wenn man “Grimms Wörterbuch” zu Rate zieht, so werden als lateinische Entsprechungen “abnuere, negare, diffiteri, inficari” genannt.

    Darin, wie in der genannten Grundbedeutung “verneinen, in Abrede stellen”, wird das “Abstreiten wider besseres Wissen” in keiner Weise per se deutlich, ist dieses jedenfalls nicht zwangsläufig gegeben.

    Man kennt auch heute noch die Wendung “Der Verdächtige (Angeklagte, Beschuldigte) leugnet die Tat”, ohne dass damit automatisch feststünde, er löge: Im Gegenteil leugnet er diese ja im Falle, dass er unschuldig ist, notwendiger- wie korrektermaßen und völlig reinen Gewissens.

    Das “Leugnen” als ein lügendes Bestreiten einer dem Leugnenden bekannten Tatsache stellt somit zunächst nur eine Nebenbedeutung des Verbums dar, im Grunde genommen bis heute.

    Man kann daher die menschengemachte Erderwärmung leugnen, wohl meinend zu wissen, dass es sie im behaupteten Sinne und Umfange gibt; man kann sie aber ohne weiteres auch leugnen, meinend zu wissen, dass es sie so nicht gibt; und zuguterletzt kann man sie auch leugnen, in Abrede stellen, ohne dass man sich in der einen oder anderen Richtung für einen Experten mit gesicherten Erkenntnissen hält, sondern schlicht, weil einen die bisherigen Beweise nicht überzeugt haben und man deshalb einfach nicht daran glauben mag, sie mit gutem Recht bezweifelt.

    Es gibt also drei sehr deutlich voneinander zu scheidende Arten des Leugnens und der Leugner.

    MfG

    Ihr

    MG

  4. Oliver Müller sagt:

    Die 20000 Sommer-Luxus-Durban-Touristen hätte man sich sparen können.

    Denn Klima-Wandel gab es schon immer………
    ….und wird es in den nächsten 4,6 Mrd Jahren auch geben!

    Nicht WIR sind es, die das Klima-manipulieren könnten – , nein, es sind einfachste, schon vor 88 Jahren erforschte Zusammenhänge.
    Die Milancovic-Zyklen, die 3 verschiedenen Kreiselbewegungen unserer Erde um die Sonne.
    Wen es interessiert, kann sich von der Uni Stuttgart die Klimazukunft audrucken lassen, klickst du hier:
    http://www.irs.uni-stuttgart.de/skript/GEO_neu/02%20Geophysik/11%20Kryosph%C3%A4re/07%20Milankovitch-Parameter%20und%20Pal%C3%A4oklima%20Eiszeit%20-%20Bahlburg%20+%20Breitkreuz%2004.jpg

    Und UPS, es wird KALT vorausgesagt, nein, berechnet, einfachste Mechanik des Kreisels mit Formeln, die schon Johannes Kepler, (Naturphilosoph, Mathematiker, Astronom, Astrologe, Optiker und evangelischer Theologe) kannte!

    Im Jahre 1598
    ;-)

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