Boshafte unter Decknamen im Netz

Der “Freitag”, jene linke Wochenschrift aus Berlin, die ich hier schon erwähnte, hat jetzt noch ein Problem weniger: mich.

Ich habe dort heute Nachmittag meinen Abschied als Kommentator erklärt, mindestens bis dass klare andere Sitten herrschten.

Diese spontane Entscheidung, meine Ausflüge nach dieser Seite hin einzustellen, hatte, wie im Fach Geschichte gelehrt, eine Ursache sowie einen Anlass.

Die Ursache lag darin, dass auf den – wie schon erwähnt mitunter auch niveauvollen Kommentarseiten der Netzausgabe des Blattes – teilweise Schimpforgien gegen vermeintlich nicht ganz Koschere gefahren wurden, die eigentlich schon länger unerträglich waren.

Schließlich traf es dabei eine sehr fleißige Bloggerin – von der zwischenzeitlich pikanterweise bekannt wurde, dass sie auch als reguläre Journalistin für das Blatt schreibt, was ich allerdings nicht wusste – mit Decknamen klara, welche es gewagt hatte, in einem sehr persönlich gehaltenen Beitrag ihr Unbehagen bezüglich Minaretten zu gestehen.

Hierauf wurde die Dame, obschon sie vereinzelt auch Zustimmung erfuhr, in einer derartigen Anzahl bösartiger linkskorrekter Kommentare, oft von Bloggerkollegen des Freitag selbst, so übel angegriffen, dass sie nach einigen Riposten schließlich das Handtuch warf und ihren Blog nach einer letzten entsprechenden Erklärung aufgab und löschte.

Ich empfand dies als so folgerichtig, dass ich ihr alles Gute wünschte und meinen Rückzug als Teilnehmer an der “Community”, wie das dort heißt, aus Solidarität und als ein kleines weiteres Zeichen anfügte, zumal sich das Bild in Nullkommanix umkehrte und neben wenige Nachtritte großes Bedauern trat, Grußadressen, linke Betroffenheit.

Jetzt aber zum eigentlichen Punkt an der Sache: Vor ihrem Aufgeben war ich – wenn ich mich nicht irre – der einzige Teilnehmer gewesen, der es gewagt hatte, sich mit K l a r n a m e n für klara einzusetzen, worauf ich meinerseits üble Tiraden erntete, welche ich dem geneigten Leser hier ersparen möchte.

Kurz: Die linken Blockwärter schlugen, bis auf die lobenswerte Ausnahme eines Herrn Rainer Kühn, den es wohl tatsächlich gibt, a n o n y m zu, so gut sie es eben vermochten.

Im Grunde machte mir das nichts aus, denn ich weiß mich ja zu wehren; aber irgendwann fragt man sich schon, ob des eignen Bleibens an einem Orte länger sein sollte, wo regelmäßig mit verbalem Fäzes nach einem geworfen wird, ohne dass dies von anderen moniert würde oder gar eine moderierende Redaktion wenigstens warnend eingriffe.

Insofern hat mich “klara” mittels ihres Rückzuges ungewollt ermahnt, es ihr gleichzutun.

Die lieben anonymen, supertoleranten Linken haben die gute Frau derartig fertiggemacht, dass sie sich am Schlusse selbst frug, ob sie eigentlich noch immer eine Linke sei, oder, wenn ja, weiterhin eine bleiben wolle.

Die namenlosen, politisch korrekt brutalen Sozialpädagogen und selbsternannten Hau-sie-nieder-Psychiater haben also wenigstens bei klara nicht erreicht, was sie sich wünschten, wenn sie meine Absenz wohl auch kaum bedauern werden, zumindest nicht in ihrer “Community”.

Immerhin soherum ein gutes Zeichen.

Das Spektakel (die Redaktion hat vermeldet, sie wolle alle von klara gelöschten Beiträge wieder hochfahren!) wird in eine weitere Runde gehen, welche ich aber nur noch aus der Entfernung betrachten und allenfalls hier kommentieren werde, wofern ich dazu Nutz und Frommen erkennen sollte.

Diese exemplarische Entwicklung hat zumindest mir aufs Neue gewiesen, dass man sich dreimal überlegen sollte, ob man mit anonym im Netz auftretenden Gestalten überhaupt ernsthaft diskutieren sollte.

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