“Der Freitag”, die linke Wochenzeitung aus Berlin, hat am 8.9. einen Aufruf einiger namhafter Intellektueller und Medienleute zum Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan binnen zwei Jahren veröffentlicht. Dann sollten “zivile Aufbauorganisationen” an die Stelle des Militärs treten: “Der Gegner ist keine Armee, sondern eine Kultur. Darum ist der Konflikt mit einer Verstärkung des miltärischen Engagements nicht zu lösen.”
Lassen wir die Frage, wie Aufbauorganisationen ohne militärischen Schutz dort überleben wollen, einmal beseite, ebenso wie jene, weshalb man, einmal die Sinnlosigkeit des Einsatzes erkannt, nicht so schnell als möglich abziehen sollte.
Der Gegner sei also eine Kultur, soso. In gewisser Weise stimmt das natürlich, denn die Moslems dort wollen die westlichen Wertevorstellungen nicht besatztermaßen übernehmen und wehren sich deshalb ganz gewaltig.
Andererseits ging es den federführenden USA nie um Kultur und Werte, sondern allein darum, eine geostrategische Kontrolle über das Gebiet zu erlangen, um Pipelines, um einen destabilisierenden Keil gegen Iran, Russland, China und Pakistan, gar Indien. Kultur ist den kriegführenden USA so wurscht wie einem Pferdemetzger eine zertretene Laus. Saudi-Arabien z.B. köpft lustig, steinigt Ehebrecherinnen und hackt Hände ab; da es aber sonst bisher gut mitspielt, ist das den USA völlig gleichgültig.
Nun frage ich mich, ob die hellen Köpfe Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dieses nicht gemerkt haben, nicht merken wollten, zu feige waren, es zu sagen, oder ob sie gar so hinterlistig (vermeintlich) klug agieren, hierzu im Sinne der guten Sache mal kräftig zu schwindeln (völlig falsch liegen sie im Sinne der Motivation der afghanischen Gegenwehr ja schließlich nicht).
Und man hat dem deutschen Michel ja auch jahrelang erzählt, er kämpfe dort nicht nur gegen den Terror und verteidige sich und seine Freiheit damit am Hindukusch höchstselbst, sondern natürlich auch für Demokratie und Menschenrechte und Mädchenschulen.
Ich bin gottlob nicht der einzige, der das nicht einen Tag lang geglaubt hat.
Weshalb nun reden diese vermeintlich Einsichtigen nicht Klartext, nämlich dass es sich um einen imperialistischen Krieg in Reinform dreht?
Haben diese (überwiegend linken!) Helden der deutschen Publizistik etwa Angst davor, als “antiamerikanisch” oder gar spinnerte Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt zu werden, wenn sie das sagen, was längst jeder weiß, der sich durch die billige Kriegspropaganda der Schafsmedien nicht völlig verdummbeuteln lässt?
Ich begrüße den Aufruf natürlich trotz dieses (kleinen?) schalen Beigeschmacks; in der Sprache heutiger Jugendlicher müsste ich ihn darob als leicht behindert bezeichnen.
Alleweil: Glückauf, dass der Aufruf dem gemeinsamen Ziel dienlich sein möge!
P.S.: Irgendein Kurzkanonier von einer Zeitschrift namens Perlentaucher hat den Initiatoren bereits vorgeworfen, sie seien reaktionär und rassistisch; für Linke natürlich eine bittere Pille; vielleicht hätten sie sich doch lieber bloß Antiamerikanismus vorhalten lassen sollen. Den Vorwurf bekommen sie jetzt wahrscheinlich bald noch als Zugabe obendrauf.
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Tags: Afghanistan, Der Freitag, Geopolitik, Krieg, Schafsmedien















