Merkel verkriecht sich und Lafo lacht

Jetzt scheint Merkel die ersten gravierenden Fehler zu machen. Am gestrigen Wahlabend, dem letzten echten Lackmustest vor der Bundestagswahl, ließ sich La Grande Dame einfach nicht blicken, als habe sie mit dem desaströsen Ergebnis ihrer CDU im Saarland und in Thüringen nichts zu schaffen.

Beim Militär nennt sich so ein Verhalten Feigheit vor dem Feind; in der Politik ohne Schießgerät verschafft man dem Gegner so verbale Munition und beste Gelegenheit zur Häme, allen Spöttern Oberwasser und Journalisten, die noch nach einem Angriffspunkt gesucht haben, eine geschenkte Steilvorlage. Ich glaube daher nicht, dass der Kanzlerin Schweigen gestern klug war.

Zumal der aufgekratzte Steinmeier vor dem tobenden Saal zum erstenmal richtig gut rüberkam, während sie sich nicht vor die Kameras traute: Nur ein Kanzlerkandidat im Ring, und der bester Laune… Jaja…dem Schröder wäre sowas nicht passiert: Merkel zaudert, laviert, taktiert und will nur ins bonbonfarbene Licht. Als Münterfering würde ich sie jetzt auch damit vier Wochen jagen.

Währenddessen lachen Lafo und die Linkspartei, denn die Sache sieht immer mehr nach einer Traumkonstellation für die sozialistischen Aufsteiger aus: Wenn es für Schwarz-Gelb nicht reicht, dann müssen die Grünen mit der Union und der FDP ins Bett, ins gemeinsame Tal der Tränen, also im Herbst gleich mal die Truppenaufstockungen in Afghanistan ihren Wählern schmackhaft machen, weil Lord Godbama das so will.

Oder die SPD macht es wieder mit der Union, und beide vernutzen sich noch ärger, verlieren bodenlos weiter. Daran kann die Linke nur erstarken. Andere können dies auch, aber für FDP und Grüne birgt die Gemengelage größere Risiken.

Ja, oder aber die Linke darf doch mitregieren, weil nach der Wahl wie immer alles anders ist, und Lafo sitzt zwar nicht in persona, aber de facto einem Wiedergänger gleich wieder mit am Kabinettstisch…

Vor die Wahl gestellt, unter Merkel weiter Außenminister zu bleiben und dabei die SPD um den Machtwechsel und sich um die Kanzlerschaft zu bringen, die Partei politisch vollends zu versenken, oder selbst Kanzler zu werden, egal wie sich die Springer-Presse erstmal mit Schaum vor dem Munde mehr Beine gegen die neue Regierung ausreißt, als ihre Journalisten Finger zum Sudeln haben, was wird Steinmeier tun?

Bleibt aber leider dieser Afghanistan-Krieg, und ich bin mir nicht sicher, ob die Linken so blöde oder so korrupt oder beides sind, für einen Regierungseintritt ihre Ablehnung desselben aufzugeben. So könnte dieser Krieg eben doch noch unmittelbar darüber entscheiden, wie die neue deutsche Regierung aussieht; das hat man dann davon, vor allem Steinmeier, wenn er sich und die SPD durch eine Fortsetzung der großen Kriegskoalition trotz Alternative in den Untergang reitet.

Bleibt natürlich auch noch die Möglichkeit, dass Heros Westerwelles schwulen Kühen doch noch Flügel wachsen und er mit seiner neuen Buhle Roth zur Lampel statt mit seiner alten Merkel stracks zur Schwampel fliegt, soherum das Vaterland vor den bösen Kommunisten zu erretten.

Ich habe mich noch nicht entschieden und werde hier auch keine Wahlempfehlung abgeben; ich kann aber sehr gut nachvollziehen, wenn ein Linker jetzt Linkspartei wählt, und selbst bei jedem nicht so Linken, der den Krieg ablehnt, ist dies aus politstrategischem Handeln heraus durchaus nachvollziehbar, zumal eine Stimme für die NPD sehr wahrscheinlich machttechnisch verschenkt wäre.

Fazit: Es wird doch noch spannend. Inhalte gibt es zwar so gut wie nicht – auch die Linke hält sich wegen Afghanistan ziemlich zurück – , dafür aber genügend verschiedene Machtoptionen, die wahrscheinlich, abgesehen vom gebotenen Personal, das Hauen und Stechen zum Schluss bestimmen werden. Eigentlich brennt bei allen das Dach, außer bei der Linkspartei. Und den Piraten natürlich, die das alles nicht anficht, da sie auf ihrem eigenen Orbit kreisen.

Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass die Wahlforscher mit ihren Prognosen so weit daneben liegen werden wie schon lange nicht mehr, und eine faustdicke Überraschung am Wahlabend für durchaus möglich.

Für eine Regierung aus Linkspartei, Nationaldemokraten, Piraten und dem Rest wird es zwar nicht reichen, doch die etablierten Parteien arbeiten mit aller kriegerischen Konsequenz daran, für ihre Konkurrenz wie fürs Nichtwählen erfolgreich zu werben.

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