Hitlers Hollywood: Der SS-Mann siegt

Nach der Durchsicht einiger englisch- sowie deutschsprachiger Filmbesprechungen des Nazi-Knallers “Inglourious Basterds” ergibt sich unter den Kritikern ein äußerst uneineinheitliches Bild.

Vom (Beinahe-)Totalverriss bis zur Hymne des Visionären der Tarantinoschen Filmkunst reicht der Bogen mit nur einer einzigen immer wiederkehrenden Gemeinsamkeit: Christoph Waltz, alias SS-Offizier Hans Landa.

Der österreichische Schauspieler wird selbst von denen noch mit Lob überhäuft, die kritische Fragen zum “kosher porn” des Deutscheschlachtens stellen, den zumal Eli Roth, einer der Basterds, wie auch die jüdischen Produzenten des Films in den Vordergrund gerückt haben.

Sagte ich “Deutscheschlachtens”? Ja, es heißt zwar normalerweise Nazischlachten, so drücken es außer Times-Magazine, das löblicherweise einmal darauf hinweist, dass für die Basterds damit alle Deutschen gemeint sind, auch alle sprachlich aus.

Besonders bemerkenswert fand ich bei meinem Stöbern im Netz, dass eine sehr renommierte konservative US-Seite den Film als antisemitisch bezeichnete und eine nach deutscher Lesart noch weiter rechts stehende andere den Film gar als den antisemitischsten interpretierte, den witzigerweise ausgerechnet ein jüdisches Hollywood-Studio in seiner überheblichen Blödheit je herausgebracht habe.

Interessant auch, dass Tarantino sein Verhältnis zu seinem Studioboss Weinstein ungefragt mit dem zwischen Goebbels und Hitler vergleicht, da ihm wie Goebbels im Film die Tränen in den Augen stünden, wenn der Chef seine Produktion überschwenglich lobe. Es heißt, er sei geradezu besessen von der Karriere und dem Wirken des Reichsfilmministers. Den Mann als etwas skurril zu bezeichnen, wäre wohl eine Untertreibung.

Aber zurück zur Ikone Waltz, alias Landa, der zum Schluss von Brad Pitt, alias Basterdchef, unter dem Kommentar, das möchte sein Meisterstück sein, ein Hakenkreuz auf die Stirn geschnitten bekommt.

Offenkundig kennt dieser Film nur einen Sieger. Er heißt nicht Alliierte oder Judenkommando oder die freie Welt, und er heißt auch nicht “kosher porn” oder Tarantino: Er heißt Christoph Waltz und ist – Hilfe! – ein Österreicher, der als SS-Mann siegt.

(Darf Waltz demnächst den höflichen, gebildeten, charmanten, charismatischen, kunstsinnigen,  Malerei- und architekturbegeisterten Hitler spielen? – Er kriegte sicherlich auch sympathische Dialekteinsprengsel Hitlers beim Besuch der österreichischen Heimat perfekt hin. Er sollte dafür von Hollywood eine Gage fordern, dass Brad Pitt sich fluchend wünschte, er hätte im deutschsprachigen Film lernen können, wie man zum teuersten Schauspieler des Planeten wird.)

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