Irdische Gnade

Ein deutscher Christ, ein arabischer Moslem und ein aschkenazischer Jude diskutieren im Fernsehen die Lage der Nation. Letztere beklagen sich im Wechsel über Antiislamismus und Antisemitismus. Der Christ gibt sich dazu schwer betroffen und leistet Abbitte.

Plötzlich kommt es trotzdem zum Streit. Der Moslem ärgert den Juden mit Gaza, dem Libanon, der Nakba (der Vertreibung und Ermordung der Palästinenser), nachdem jener den Moslem damit aufgebracht hat, die Muselmanen versuchten sich perfid in einer Opferrolle, die ihnen nicht zustünde.

Der entsetzte Christ bekennt sich sofort als an der Eskalation schuldig und versucht, damit die Lage zu beruhigen.

Nun aber hat er sich erst recht in die Nesseln gesetzt. Der echte Semit und der Vielleichtsemit gehen gemeinsam auf den Christen los und unterstellen ihm Heuchelei. Außerdem, was er sich denn einbilde, von ihren Problemen zu verstehen?

Dem Christen stehen die Tränen in den Augen, und er winselt um Gnade. Er sei ja auch für absolute Intoleranz gegenüber der Intoleranz. Er sei auch bereit, weitere Ablassgelder an Israel und die Palästinensische Autonomiebehörde zu zahlen und Förderprogramme für Juden und Muslime großzügig auszubauen.

Der Moslem und der Jude sind sich einig, dass es mit solchen Selbstverständlichkeiten nicht getan sei, was sich der Christ wohl einbilde, dass man etwa käuflich wäre? Für diese ungeheuer beleidigende Haltung, die den diskriminatorischen Charakter eines Großteils des Christentums beispielhaft bezeichne, wird eine sofortige umfässliche Entschuldigung verlangt.

Der Christ ist froh, dass er so glimpflich davonkommt, nimmt das großzügige orientalische Geschenk seiner Ehrenrettung dankbar an und wird hinterher in den Schafsmedien für sein vorbildliches Fingerspitzengefühl im Umgang mit unterdrückten Minderheiten begeistert gefeiert.

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