Wahlkampf: Nicht stören!

Die anderen lügen öfter als wir!

Deshalb wählt jeder Vernünftige uns!

Ich weiß, diese Einleitung ist keine sprachliche Perle, aber sie drückt den Stand des Bundestagswahlkampfes inhaltlich aus.

Alle wohltätigen Versprechungen aus dem Füllhorn, die gemacht werden, sind auf Sand gebaut wie nie, und das, was versprochen werden könnte, nämlich Kriegsbeendigung und ein wirksamer Umbau der Weltfinanzen, wird nicht einmal ernsthaft thematisiert.

Man bekommt diesmal den Verdacht, dass eigentlich keiner so richtig auffallen will. Jeder brät Kinkerlitzchen. Irgendeine Denkfabrik muss allen Parteien eingeflüstert haben, dass verliert, wer irgendetwas Vernünftiges oder gar Wichtiges sagt und das auch noch hörbar.

Man mag dabei jene Piratenpartei ein Stück ausnehmen, die zwar in der letzten Version, die ich dazu las, noch nicht viel Vernünftiges oder gar Konkretes zum Urheberrecht zu sagen wusste, aber immerhin mal so irgendwie gegen Zensur ist und für Netzfreaks und ‘nen Riesenhype aus einem Thema macht, zu dem man anscheinend nur technische, aber kaum wirtschaftliche, politische und soziologische Ahnung mitbringt.

Aber das scheint ziemlich egal, denn man ist laut. Die “Piraten” scheinen sich ihre Wahlkampfstrategie nicht bei demselben Thinktank gekauft zu haben wie der Rest.

Für diese Leute sind alle, die vor 1968 geboren wurden, totale Tattergreise, deshalb lesen sie deren Empfehlungen nicht.

Aber abgesehen von den vielleicht 2% der Stimmen, die sie den anderen von den ausgemergelten Rippen schaben, unterminiert die Piratenpartei das Gelände zusätzlich, als ob man nicht mit der Linkspartei und der NPD schon Pest und Cholera am Hals hätte.

Und erst die Nichtwähler! – Der Nichtwähler ist die Sorte Unperson, die man am liebsten ganz abschaffte, denn sie ist unberechenbar launisch und zahlreich und der Alptraum der Kriegsparteien.

Damit sehen diese sich gezwungen, sich gegen die Nichtwähler und die anderen Parteien regelrecht zu verschwören, sich vor allem nicht auch noch gegenseitig zu stören.

Daher dieser Wahlkampf, der zumindest bisher keiner ist.

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