Die Beischlafpsycho

Gestern sah ich den neuen Tatort “Mit ruhiger Hand” circa ab der 25. Minute. Der Böse (Starchirurg) ist ein Säufer, sein Sohn ein Säufer, und – wer hätte es gedacht – selbst der Kommissar Ballauf (Klaus J. Behrent) steht unter Verdacht, ein Alkoholiker zu sein, weswegen er zur Polizeipsychologin muss.

Die wiederum “therapiert” den armen Polizisten mit dem mangelnden Liebesglück, von dem sie genau weiß, wie scharf er auf sie ist, damit, dass sie ihn mit Beischlafangeboten quält, die sie dann flugs relativiert, sobald der arme Kerl das Gibbern anfängt, wofür sie ihn auch noch maliziös aufzieht.

Ob er denn meine, dass es ihm morgen besser ginge, wenn sie heute mit ihm schlafe, fragt sie ihn, nur um ihn für sein Ja trocken noch niedergeschlagener zurückzulassen. Eine Psychologasterin wie aus dem Bilderbuch.

Sollten wir tatsächlich solche Polizeipsychologinnen haben, die sich gegenüber Beamten in vermeintlicher oder echter Not einen Spaß aus ihrem professionell ausgeübten psychosexuellen Sadismus machen, dann steigert dies meine Bewunderung für männliche deutsche Polizeibeamte ins Unermessliche.

Sich mit solch einer erbärmlichen Geduld unter gelegentlichen lächerlichen Schreien “Ich lege mich nicht auf die Couch!” zum frühpubertären, feigen Idioten, der noch nicht einmal weiß, wie und wann ein Mann eine Frau anzugraben hat, stempeln zu lassen und dann noch erfolgreich Mörder zu jagen, ohne tatsächlich das Saufen anzufangen, das hat schon teutonische Tapferkeitsklasse.

Ich wusste jedenfalls nicht, mit wem ich mehr Mitleiden empfinden sollte, ob mit der Figur des Kommissars Ballauf oder mit dem Mimen Behrendt.

Oder mit dem deutschen Film.

Man könnte natürlich auch Mitleiden mit einer Psychotante bekommen, die solche Spielchen nötig hat. Allzu ausgeglichen kann ihr eigenes Beziehungs- und Sexualleben wohl nicht sein. Wahrscheinlich bildet sie sich noch ein, sie hülfe dem Kommissar mit ihren Fiesheiten tatsächlich, und sie habe ein persönliches Opfer gebracht, indem sie ihn nicht ranließ. Wahrscheinlich ist sie die Erste, die durchdreht, sobald der schon etwas angegraute Ballauf nicht mehr winselt, sondern als markanter Mann mit seiner nochmal zehn Jahre jüngeren Assistentin etwas anfängt und diese der gemeinsamen besten oder auch nicht besten Freundin erzählt, was der gute alte Balli im Bett für eine Granate ist. “Er trinkt nur so viel Kölsch, dass der Flüssigkeitsverlust ersetzt wird, ich hatte noch nie einen aufmerksameren Liebhaber.”

Das ist der Stoff, aus dem postmoderne deutsche Tragikomödien gewirkt werden; sechs Wochen nach der vermeintlichen mentalen und physischen Befreiung des Kommisars aus dem Terror seiner Psycho, sattelt sie mit nächtlichen Anrufen, Rütteln am Tor, einem üblen Gutachten, allerlei Gerüchtestreuerei usw. ihr Roß noch einmal höher, so lange, bis Ballauf begreift, dass er jetzt mit ihr ins Bett muss oder sie wegen Stalkings verklagen.

Was ist einfacher, die Kollegin hernehmen oder sie verklagen? Die Antwort ist leicht gegeben. Ballauf hätte nichts dagegen, die alte Scharte einmal ordentlich auszuwetzen, obwohl ihm schwant, dass einmal nicht reichen könnte, und seine neue Flamme diese salomonische Lösung nicht mit uneingeschränktem Wohlwollen betrachtete, zumal sie ohnehin schon ziemlich zickig ist.

Da fällt dem sturmerprobten Kommissar sein Kompagnon Schenk ein (Dietmar Bär), der sich bisher über das Ganze nur lustig gemacht hat, und er nötigt ihn zu einem Freundschaftsdienst.

Der dicke Schenk muss ihn retten, indem er seinerseits ein Liebesstalking gegenüber der Psychologin inszeniert, er hechelt ihr Tag und Nacht hinterher und sammelt dabei schonmal Beweise, wo dies noch notwendig wird.

Wenn er Glück hat, bekommt er sogar die Trophäe, und vor allem behält er seinen Freund und Kollegen.

Doch kaum ist die Sache abgemacht, folgt weder Gericht noch Totschlag, sondern die Sonne scheint wieder durch den Kölner Herbstdunst, denn der Himmel schickt einen Fernando.

Der Fernando ist ein gaaanz süßer Mittdreißiger-Philisophiestudent aus Kolumbien, der sich so rührend um die Polizeipsychologin kümmert, dass die überhaupt keine Zeit mehr hat, noch andere Männer zu schikanieren.

So starben sie nicht und leben noch heute.

P.S.: Ich suche nur noch einen Produzenten und kongenialen Regisseur zur Endausgestaltung und filmischen Umsetzung des Drehbuches.

Die Hintergrundmordstory könnte zum Beispiel so aussehen, dass der Bösewicht sich am Schluss selbst in einen Sack bindet, über die Brüstung der Kölner Eisenbahnrheinbrücke windet und einer Katze oder einem mittelalterlichen Gottesurteil gleich selbst ersäuft.

Auch eine etwas verruchte Astrologin ist denkbar, die ihrerseits die Psychologin betreut und dem Schenk zwischendurch eine Ladung Stechapfel verpasst, dass der aufs nächste Revier rennt und im Brustton der Überzeugung eklärt, er, der Kommissar, habe gerade 333 zerstückelte Frauenleichen unten am Rheinufer gezählt, grauenhaft, und sich, als man keine findet, noch drei Tage darüber wundert, wer die so spurenlos in der kurzen Zeit weggeschafft haben könnte.

Von dem Durst, den der Schenk auf diesen Trip hin bekommt, wollen wir gar nicht erst reden. Indem er halbwegs klar wird, sitzt er zwei Tage auf der Bierkiste direkt neben der EDEKA. Er schafft es schon bis ins Gebüsch und zurück.

Oder die Astrologin besinnt sich und wird selbst liebestoll und mischt dem ahnungslosen Bären den Spitzkegeligen Kahlkopf in die Pilze, von dem die Kunde geht, dass er bei jedem Gesunden nach circa einer Stunde als ein gewaltiges Aphrodisiak wirkt, und vernascht den Schattenmann On the Spot.

Ballaufs neue Flamme könnte natürlich auch noch vernünftig werden und anfangen, nebenher nochmal Psychologie zu studieren, um ihren teutschen Helden fürderhin ein für allemal wirksam von allen Furien, Xanthippen, Medusen, Hetären, Hühnchen und sonstigem störenden Weibsgezücht freihalten zu können.

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