Nazi-Knaller

Brad Pitt, der Skalpjäger in Tarantinos “Inglourious Basterds”, schmäht inzwischen “Operation Walküre” mit Tom Cruise als Stauffenberg als lächerlichen Film, während Meister T. sich über die britischen Schauspielergrößen, darin Nazis mimend, lustig macht.

Im morgigen Stern schwadroniert Pitt gar davon, Tarantinos Film habe dem Thema Zweiter Weltkrieg im Kino “jetzt einen Deckel auf den Topf gesetzt”. Weiter: “Mit den Basterds ist zu dem Genre alles gesagt. Der Film zerstört alle Symbole. Die Arbeit ist gemacht, Ende der Geschichte. ” Überdies sei der Film unerhört fortschrittlich, in drei Sprachen, das habe Kraft, und er sei “der erste Schritt in die Zukunft des Filmemachens”.

Jetzt wird es richtig lustig. Brad Pitt hat soeben das Ende der Geschichte des Zweiten Weltkrieges und damit des Dritten Reiches im Kino behauptet. Das wird all denen, die weiterhin an Nazi-Geschichten verdienen wollen, nun aber so gar nicht recht einleuchten, Mr Pitt, und ich glaube kaum, dass die rechnenden Herren sich an Ihre Vorgabe halten werden.

Des weiteren solle der Film im Ernst alle Symbole zerstört haben. Das Kreuz etwa? Das Hakenkreuz? Den Davidstern? Das Yin und Yang-Symbol? Das I-Ging, das Futhark und die Flammenschrift, diese wollen Sie mit Ihrem Film zerstört haben?

Zum Glück, lieber Mr Pitt, verfügen Sie als ein Schauspieler von der eher traurigen Gestalt (der SS-Mann kommt besser weg…) nicht über die Macht, Ihren von Hybris berauschten Worten Durchsetzung verschaffen zu können.

Ich freue mich vielmehr inzwischen auf den nächsten durch Ihre Arbeit inspirierten Nazi-Knaller, der, in Ihrer Heimat wiederum von einem Landsmann ersonnen, die unrühmlichen Bastarde in seiner Propaganda- und Kassenwirkung noch übertreffen soll.

Nach einem Durchschnaufen kommt er so sicher, wie irgendwo in Tibet eine Gebetsmühle und in Mexiko ein Rosenkranz sich dreht.

Der neue Streifen könnte “Moische’s Maiming Monsters” heißen oder “Cutting Goehrings Balls” oder “Hitler Hindfuckt” oder “Nazi Pimps Squared” oder “Gassing the Fuhrerbunker” oder “Nazi Antarctica Armageddon” oder “The Cutters of the Rheinwiesen” oder “Funny Dresden Holocaust” oder “Heavy Metal Denazifirers”, “Where is Hitler?” (soll immerhin von Stalin stammen) oder “My Gay Pal Eichmann” usw. (Alle Titelrechte bei mir, außer “Where is Hitler?” Diese sind entweder frei oder mit den Stalin-Erben abzuklären.)

Vielleicht sollte der Film auch einfach “Blitz Castrators” genannt werden oder “SS-Gals Laid” oder…

Immerhin ist der Filmreklameschriftzug von “Inglourious Basterds” im gerade geprüften internationalen Trailer noch mit Hakenkreuz im ersten “o” unter dem Reichsadler zu sehen, während die deutsche Zensur bereits eingegriffen zu haben scheint.

Auf der offiziellen deutschen Netzseite des amerikanischen Studios bekommt man einen Trailer ohne werbewirksames Hakenkreuz eingespielt.

Ich bin mir also ganz sicher, dass die Amis es unter den wachsamen Augen des Innenministers nicht wagen werden, die Dinge mit den Nazi-Knallern gar zu doll zu treiben.

Man ist dort wohl aunahmsweise mit mir einer Meinung, nämlich dass Tarantino und Pitt nicht alle Symbole zerstört haben.

Deshalb müssen sie, meint man dann nur dort, immer noch abgesägt, getilgt und herausgelöscht werden.

Wie wär’s drum, wenn die beiden amerikanischen Oberbastarde offiziell bei der Bundesregierung Protest einlegten, dass sie sich doch von solchen Provinzdenkern wie z.B. des Verfassungsschutzes kein Hakenkreuz aus dem Klasse-Logo herausätzen lassen, so dass der einst fesche Adler nur noch eine Art kreisförmiges rotumrändertes “o”-Ei verhuhnt, als habe man ihm etwas geklaut?

“Schiet nochmal, der ganze Film ist voller Hakenkreuze, fuck it, ihr habt sie uns geliefert und aufgehängt, alles habt ihr damit vollgepappt, aber jetzt wollt ihr uns den Kinostart versauen? Mein Adler über meinem Film soll in Deutschland ohne Hakenkreuz gackern gehen? Tickt’s bei euch Deutschen schon wieder nicht mehr richtig? Ich schenke euch die Freiheit, und dafür kratzt ihr mir mein Hakenkreuz unter meinem Reichsadler weg?”

P.S.: Selbst das Hakenkreuz unterm Stahlhelmadler im Trailer-Auftaktbild ist in der deutschen Variante durch ein aufgespleißtes Loch ersetzt. Wie elegant. Man kann das Hakenkreuz sogar erschießen.

Welcher Banause hat das Hakenkreuz auf Tarantinos Stahlhelm erschossen? – also lautet die kunsthistorisch entscheidende Frage, wurde so doch der Sinn des Helmes, seine Symbolik, fast ins Gegenteil verkehrt.

Aber es ist den Grafikern deutscher Aufpassdienste durchaus einmal zu gönnen, einen anspruchsvollen Zensurauftrag zu einem amerikanischen Großprojekt so elegant und geradezu als Hilfskünstler mitgestaltet haben zu dürfen, damit den Enkeln dereinst aus der guten alten Zeit noch etwas zu erzählen bleibt.

“Obwohl der ganze Film mit einem Riesenaufwand von den Amis in Deutschland gedreht wurde, waren wir noch in der Lage, den deutschen Schriftzügen, Filmplakaten und Vorschauen die Hakenkreuze aus dem Adler zu pinseln und unser Material durchzudrücken, indem wir das Scheißding am Stahlhelm einfach wie durchgeschossen pixelten, Mensch, das war eine Sause, das sag’ ich dir.

Danach ging’s dann leider bergab. Die Amis sind mit so vielen Hakenkreuzen gekommen, dass wir irgendwann mit unserem Latein am Ende waren.”

“Wie das?”

“Alle die deutschen ‘Kids’, wie das damals hieß, haben sich Amibilder runtergeladen und aufgehängt. Dagegen waren wir dann machtlos.”

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