Münte

Endlich hat es Müntefering gesagt.

Er meint, Kanzlerin Merkel gehe es nur um ihre Karriere, die Leute seien ihr wurst.

Der alte Mann mit der vierzig Jahre jüngeren Freundin ist die lebende Legende, der Eiserne Ritter der SPD.

Ich gönnte es ihm, wenn er noch wenigstens ein Jahr Notkanzler werden dürfte, die Standhaftigkeit dieses Mannes ist bewundernswert.

Auch wenn er in zehn Jahren der letzte noch lebende Sozialdemokrat sein sollte, ich glaube nicht, dass er deshalb aufgibt.

Und, rechts betrachtet, muss es noch nicht einmal so ausgehen, da die Union über keinerlei Konzepte verfügt, jüngere Wähler an sich zu binden (ich weiß, ich wiederhole mich).

Außerdem könnte eine schwarz-gelbe Koalition das Elixier sein, das die SPD wieder zur Jugendfrische erweckt: Die Merkelin mit dem Westerwelle betrachten, wie sie an die Schuldenwand wie die Volksunzufriedenheit rasseln und dabei in Ruhe im Parlament herumblöken können, wie als ob man’s besser könnte, kann gut kommen.

Dass nämlich die FDP und die Grünen durch ihre gläubige Sockelklientel ewig am Leben gehalten würden, ist nicht ausgemacht; den kurzfristigen 5%-Tod müssen beide Gruppierungen zwar nicht fürchten, aber Auszehrung ob ihrer disparaten, in sich widersprüchlichen Programme allemal.

Und in der Opposition könnte die SPD Stück um Stück anfangen, am Afghanistan-Krieg rumzumeckern, den sie jetzt mitragen muss (und sie verliert am meisten daran), weil sie von US-Gnaden mitregiert.

Am besten aber ginge es vielleicht der SPD, wenn die Unionskoalition mit der FDP und den Grünen Wirklichkeit würde: Man könnte sich in der Krise aufs Trefflichste raussuchen, wie man die Regierungsparteien in der Reihe herum quält.

Vielleicht verliert mittelfristig sogar automatisch jede Partei, die das Pech hat, mitregieren zu müssen.

Vielleicht hat Münte, der alte Stratege, am 27. September Gelegenheit, einen besonderen Tropfen aufzumachen, weil seine SPD genauso achtbar verloren hat, wie der Altmeister sich das wünschte.

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