“Tod…!” (dem Friedensnobelpreis?)

In der heutigen Ausgabe des SPIEGEL wird die Teheraner Rechtsanwältin und Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi, 62, zu den Ereignissen in ihrer Heimat befragt.

Zur jüngsten regierungskritischen Freitagspredigt und deren Bedeutung für die “Reformbewegung” äußert sie sich eingangs wie folgt: “Es war ein geradezu historisches Ereignis, und zwar nicht nur für Iran, sondern für die ganze islamische Welt, weil so viele Menschen aus der Protestbewegung an diesem Freitagsgebet teilgenommen haben. Auch die Parolen waren wichtig. Die Versammelten riefen erstmals ‘Tod China!’ und ‘Tod Russland!’, sie verdammten damit die beiden wichtigsten Länder, die Teherans Führung unterstützen, zum Beispiel in den Vereinten Nationen. Die Bevölkerung hat durchschaut, wer auf der Seite dieses Regimes seit Jahrzehnten steht – zwei Länder, die selbst massiv die Menschenrechte verletzen.”

Eine atemberaubende Aussage.

Man darf mir wohl glauben, dass ich noch nie etwas für islamistische Eiferer übrig hatte, auch nicht für ihre Parolen “Tod Israel!” oder “Tod den USA!”, wo und von welchem gesteuerten oder spontanen Mob auch immer skandiert.

Auch die Menschenrechtsverletzungen durch Israel und die USA rechtfertigten solches für mich nicht!

Aber “Tod China!” und “Tod Russland!” soll ich jetzt etwa gut finden? Geht’s noch?

Erfreut zitiert aus dem Munde einer Friedensnobelpreisträgerin?

Den Mob, die edle “Reformbewegung”, welche solches von sich gibt, sollen wir als unterstützenswert erachten???

Aber erst einmal langsam.

Wie viele das waren, die derlei absonderten, ist zunächst nicht geklärt. Für vierhundert Millionen Dollar Schwarzgeld (bewilligt von Bush für allerlei Operationen gegen Iran) gelänge es wohl auch mir, ein paar Krakeeler zu kaufen, selbst ohne die Logistik der CIA.

Und dass “die Bevölkerung” Irans plötzlich China und Russland als die Hauptfeinde des Landes ansähe, erscheint bei aller gebotenen Vorsicht, was die tatsächlichen Vorgänge in Persien anlangt, als nachgerade lächerlich.

Als kaum lächerlich, eher äußerst peinlich, wenn nicht gar bewusst komplizenhaft, sehe ich die publizistische Leistung der befragenden SPIEGEL-Journalisten an, die zu diesen Völkerhetz- und Hassparolen mit keinem Worte nachfragten.

Ich weiß nicht, ob es die Statuten von Stockholm erlauben, jemandem einen Nobelpreis zweimal zu verleihen, aber ein gewisser Zbigniev Brzezinski hätte sicher keine Probleme damit, wenn diese so besonders couragierte Rechtsanwältin (!) doppelt mit jenem für Frieden ausgezeichnet würde. Abgesehen davon sind Statuten dazu da, im Sinne einer unzweifelhaft guten Sache geändert zu werden…

Ich jedenfalls wünsche den Iranern fürwahr mehr Freiheit (mehr als zumindest die Saudi-Araber haben sie immerhin schon), aber die grüne, schimmelige Spaltpilzsoße, welche Frau Friedensnobelpreisträger und Konsorten da anrühren, verbreitet einen brechreizmäßigen Jauchegeruch: Ich hoffe sehr, dass das persische Volk diese nicht auch noch bis zum Grunde der Schlangengrube auslöffeln muss.

Wer es vergessen haben sollte: Die USA und Großbritannien stürzten nicht nur die demokratische Regierung Irans in den fünfziger Jahren, um den Schah als ihnen genehmeren Diktator einzusetzen (der Demokrat wollte mehr von dem Ölgeld haben, als BP lieb war, also einen halbwegs fairen Anteil); hernach, als der Diktator vom Volk vertrieben war, gaben sie Saddam Hussein nicht nur grünes Licht, den Iran zu überfallen, sondern unterstützten ihn in einem extrem blutigen achtjährigen Krieg auch massiv mit Waffen (und wohl noch mehr).

Von einem chinesischen oder russischen Überfall auf Persien  ist unseren Geschichtsbüchern dagegen nichts zu entnehmen.

Kann natürlich auch noch sein, dass es diesen Hussein nie gab und auch keinen Rumsfeld und dass all diese Bücher von chinesischen und russischen Geheimdiensten gefälscht wurden.

P.S.: Über das über alle Zweifel erhabene Nobelpreiskommitee werde ich hier natürlich kein kritisches Wort anzusetzen wagen. Aber vielleicht existiert es ja, meinen manche, zumindest was die Entscheidungsfindung zur Verleihung des Friedensnobelpreises anlangt,  in Wirklichkeit gar nicht? – Die Idee ist natürlich ein klassischer Paranoiker-Humbug; es tagt in dem Falle nur unter dem besonderen Kürzel CFR.

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