Ich habe den Makramee-Kurs jetzt hingeschmissen.
Eine der Teilnehmerinnen (ich war der einzige Teilnehmer und deshalb keineswegs der Hahn im Korb, sondern eher der Depp der eifrigen Runde) fragte mich, weshalb ich denn immer so sauertöpfisch dreinschaute, und überhaupt wirkte ich ein bisschen crazy und sei eine echte Spaßbremse.
Das gab mir den Rest. Seit Wochen hatte ich mir das Geschnatter dieser Schranzen angehört, zwei Abende die Woche, versucht, gute Miene zu einem Spiel zu machen, in dem ich mich wie in einem Horrorfilm von lauter Knoten knüpfenden Claudia Roths mit Kinderwunsch eingekreist sah, und jetzt das.
“Crazy” und “Spaßbremse” hätte ich mir ja noch so reingetan und hinterher einen Fernet extra reingegossen, aber, verdammt nochmal, woher kennt so eine Abtörntante den Begriff “sauertöpfisch”?
Mir wurde klar, dass sie den eigens in einem Synonymwörterbuch nachgeschlagen haben musste, um mir eins reinzudrehen, und bei so viel fürsorglicher Makramee-Kollegialitat war das Maß bei mir voll.
Ich schaffte es gerade noch an mich zu halten, über ihr sabberndes Schafsglotzen eine entsprechende Riposte loszulassen, und dass sie keine Spaßbremse sondern eine Spaßtotschlägerin wenn nicht -mörderin sei mit ihrem frühdebilen Gesabbel, aber ich blieb ganz Gentleman, jedenfalls soweit ich’s vermochte.
“Werte Frau Hochwohlgeboren von und zu Triefaugental, Ihr treuer Diener ist Ihnen zu ewigem Danke verpflichtet, dass Ihr ihm hiermit huldvoll Dispens erteilt habt, Euch und die anderen hier anwesenden edlen Burgfräulein nicht mehr mit seiner Präsenz belästigen zu müssen.”
Ich strich mein verkrumpeltes Knotwerk noch so würdevoll glatt, wie dies eben ging, legte alles parallel und akkurat auf meine Arbeitsfläche, prüfte noch einmal akribisch, ob diese letzte Operation bei Hofe allen gebotenen Anstand wahre, machte noch einen Diener mit ausladender Armbewegung, und wandte mich hoffnungsfroh, dieser Schlangengrube mit einem guten Vorwand vor meinem Therapeuten, der sich Coach nennt, entrinnen zu können, da zeigte sich, wer hätte es gedacht, dass mein Martyrium so einfach nicht zuende gebracht sein sollte.
Denn es geschah nicht, womit ich gerechnet hatte, nämlich, dass die Kur(s)leiterin mich noch in ein Gespräch zu verwickeln trachten würde, dass man so mirnichts dirnichts nicht das Handtuch würfe und den beleidigten Macho spiele, nein, wie aus dem Linoleumboden herausmaterialisiert, stand plötzlich mein Coach höchstselbst vor mir, gestrengen Gesichtes.
Ich dachte kurz, die Knie könnten mir weich werden, doch Merkwürdiges geschah. Mein Körper und mein Geist strafften sich, und ich durchbohrte ihn mit einem Blick, der ein Medusenhaupt hätte zum Zittern bringen können.
Er begann zu stammeln. “Abababer Herr Göllerer, dadadas könnönnen sie doch nicht mahachen!”
“WACK!!!”, schrie ich (das ist Baustellenunterfränkisch für “weg!”), dass der Saal bebte, und indem mein Coach einen Schwächeanfall zu erleiden schien und er von den anwesenden Schrampeln sogleich hingebungsvoll gestützt wurde, verließ ich denselben stracks.
Ich kam so gut gelaunt nach Hause, dass ich nicht nur meinen Kindern ein Rieseneis spendierte und ihnen ihre selbstgemachte Lieblingspizza im Holzofen buk, sondern von ganz hinten im Keller noch ein Fläschchen Sauternes herauszog, um den Rest des geretteten Abends also goldgelb wie süß zu beginnen.

Tags: Abtörntante, crazy, sauertöpfisch



















