G8-Gipfel: Die Sonne nicht gefragt

Die Rechenkünstler vom Weltklimarat (IPCC) haben festgelegt, dass die Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts gegenüber der vorindustriellen Zeit maximal zwei Grad betragen dürfe und gleich dazu durchkalkuliert, wie sehr der Kohlendioxidausstoß durch den Menschen begrenzt werden müsse, um diese kritische Marke nicht zu überschreiten.

Als Unterüberschrift eines Artikels der ersten Seite der FAZ gewahrte ich denn heute auch bezüglich der Klimahelden des G8-Gipfels im italienischen L’Aquila: “Industrie- und Schwellenländer setzen der Erderwärmung eine verbindliche Obergrenze.” (!!!)

Ich habe nur deshalb nicht platsch rausgelacht, weil ich das Silentium-Gebot in einem Bibliothekslesesaal altmodisch ernstnehme.

Nicht erwähnt wurde im folgenden leider, wie unsere fürsorglichen Staatenlenker Terra in zähen nächtlichen Verhandlungen bis zum entgasten Sekt früh um Fünfe zum Einlenken bewegten, alle ihr auferlegten Verpflichtungen verbindlich zu erfüllen, indem sie unter anderem keine Vulkanausbrüche dulden, Pflanzen das Mehrwachstum durch erhöhte Kohlendioxidkonzentration per sonstigem Nährstoffentzug verunmöglichen werde, damit diese nicht von noch mehr klimakillenden Wiederkäuern gefressen werden können, sowie verschiedene weitere schwierige Punkte des Kontraktes.

Dass Sol Invictus, unsere liebe Sonne, sich nicht mit an den Verhandlungstisch bitten ließ, vielleicht auch aus Rücksicht auf den Gastgeber Berlusconi, dem sonst wohl wirklich einmal überheiß im Schritt geworden wäre, ist natürlich bedauerlich; wenn man unserem Zentralgestirn noch den Verzicht auf größere Sonnenfleckenbildung in den nächsten neunzig Jahren hätte abringen können, wäre das Abkommen noch einen Tick verlässlicher ausgefallen.

Ob allerdings wenigstens eine eindringliche Petition an den Haupterderhitzer geschickt wurde, das Scheinen nicht zu übertreiben, wurde bisher nicht bekannt (Gerüchte, die bewährten Menschheitsretter Henry Kissinger und Alan Greenspan führten im Namen Godbamas Geheimverhandlungen und hätten massenweise AAA-Schuldverschreibungen, Top-Insider-Zertifikate, Optionsscheine auf Verschmutzungsrechte und todsichere Credit-Default-Swap-Papiere geboten, wurden bisher nicht bestätigt).

Terra soll übrigens in den Verhandlungen auch darauf hingewiesen haben (teilte mir ein betreuender Geologe auf Anfrage telefonisch mit), dass Antarktika ihren Vorgaben nicht immer wie gewünscht folge, sowie dass sie nur begrenzte Macht über die auf ihr herumschwappenden Ozeane, deren Gaslöslichkeits- und Verdunstungslaunen habe.

Was darüber hinaus und in diesem Zusammenhang die Wolkenbildung und deren Folgen anlangt, wollte Terra keinerlei Garantien abgeben, unter dem Hinweis, sie sei krustigerseits eben überwiegend ein Feststoff und kenne sich mit den komplizierten Verhältnissen zwischen den flüssigen und den gasförmigen Aggregatszuständen in der Atmosphäre deshalb auch nur marginal aus.

Eine etwaige saftige Klima-Konventionalstrafe, die die promovierte Physikerin Angela Merkel gegen Terra ins Spiel gebracht hatte, sollte diese nicht adäquat liefern, lehnte unsere kluge Erde daher rundweg ab.

Etwas näher und im Ganzen betrachtet also doch nicht der grandiose und eindeutige Erfolg der Klimaantimörder und Welt-Wetterpolizisten, wie man auf den ersten Blick glauben möchte; allerdings doch schon ein sehr beachtlicher und vernünftiger Anfang.

Vielleicht nehme ich die Sache als aufrechter Demokrat und mündiger Bürger doch noch in die eigene Hand und schicke der Sonne einen elektromagnetischen Brief mit der Bitte, sie möge sich etwas anständiger und zumal berechenbarer benehmen als der erwähnte heißblütige Romane.

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