Rad ab?

(Die im vorigen Artikel angekündigten FAZ-Geschichten muss ich vorläufig vertagen, weil bezüglich einer relevanten Sache zunächst noch fremdtextnutzungsrechtliche Fragen zu klären sind.)

Da ich gerade keine Lust habe, mich darüber aufzuregen, dass die EZB den europäischen Banken soeben 442 Milliarden Euro zu einem Zinssatz von 1% geliehen hat, also unterhalb des Wertes der Inflationsrate, um dass sie vielleicht wenigstens einen Teil des Geldes wieder an die sogenannte Realwirtschaft zu 6-8% verleihen mögen, also mit je nach Rechnung 300-400% Gewinn, während die Citigroup, Wohltatenempfänger aus dem Säckel des amerikanischen Steuerzahlers in Höhe von offiziell 45 Milliarden Dollar, die Festbezüge ihrer Leute mit eben diesem Geld um bis zu 50% erhöhen will und Goldman Sachs, der wundersame Hans im Glück der Finanzkrise, plant, Rekordboni zu verteilen, während es für die Quelle nicht einmal 25 Millionen Euro Kredit gibt usw. usw…rege ich mich lieber über etwas anderes auf.

Nämlich über die Dreistigkeit des bereits erwähnten Wehrbeauftragten Robbe (SPD), der in sich in der Bildzeitung erregt darüber zeigte, dass von der Wirtschaft, den Gewerkschaften und den Kirchen (!) so wenig öffentliche Unterstützung für den Feldzug in Afghanistan aufgebracht werde.

Alswelchen die SPD nie Krieg nennen wollte, jetzt aber plötzlich so nennt und – das brachte Ex-Verteidigungsminster Struck (SPD) in die Fehde mit ein – von dem sie jetzt will, dass die Kanzlerin ihn endlich auch so heißen solle.

Wirkt in der Tat wie ein koordinierter Angriff: Zunächst Robbe gegen den CDU-Verteidigungsminister, dann Struck gegen die CDU-Kanzlerin.

Aber sollen der Arbeitgeberpräsident, der Verdi-Boss, jener ohnehin schon peinliche Katholiken-Lehmann und, wie hieß er noch, dieser Huber von den Lutheranern, uns Deutschen den Krieg da drüben jetzt im Sinne unserer Wirtschaft als gewinnträchtig, dem Arbeitnehmer als lohnenswert, den jeweiligen Christen als einen heiligen oder immerhin gesegneten oder wenigstens einen im Sinne der göttlichen Ordnung und Liebe ans Herze legen?

Hat der Robbe ein Rad ab?

Ich habe den Mann wohl überschätzt, da ich ihn einmal persönlich als äußerst gewieft und beredt erlebt habe.

Immerhin, da diese Hybris zunächst vielleicht mal wieder fast nur von mir öffentlich gegeißelt wird, wirkt der SPD-Schachzug, dem der Kanzlerkandidat Steinmeier höchstwahrscheinlich zugestimmt hat, wenn er ihn nicht gar ersann oder sein Mentor Gerd, höchst professionell: Die SPD sagt dem Bürger die Wahrheit, während die Union wie immer zu feige und verlogen ist, stets nach Wählerstimmen schielend zumal, den Menschen reinen Wein einzuschenken.

Der Schuss könnte trotzden noch nach hinten losgehen für die Sozis.

Denn die Union könnte erwidern: Was? Wie bitte? Ihr Sozen wollt Krieg? Seit wann denn das denn, bitteschön? Ihr wart doch immer gegen Krieg, und jetzt wollt ihr ihn auf einmal?

Sollten die begrifflichen Vorstöße der SPD allerdings einer Strategie folgen, sie durch Benennung des Krieges als Krieg den Grundstein gelegt haben, wie allein Steinmeier noch mit einer guten Wahrscheinlichkeit Kanzler werden kann, nämlich durch Ankündigung der Beendigung einer deutschen Kriegsbeteiligung im Falle seiner Wahl, so könnte aus dem döbbeligen Badelatschen noch ein zackiger Wahlkampfstiefel werden, dessen Absatzklappern die Union und leicht auch den Rest zum Falsettstottern triebe.

Vielleicht hat er mich ja doch erhört, ich habe es immerhin nicht nur hier geschrieben sondern auch ihm persönlich gewidmet nochmal an seine Zentrale, die den Erhalt des Ebriefes bestätigte und sich artig dafür bedankte.

Allein mir fehlt noch der Glaube an soviel Einsicht und Mut bei einem derzeit wichtigen deutschen Politiker.

Und er müsste sich inzwischen gewaltig sputen, sich es mit den Amis wissentlich nochmal granate verscheißen, um damit die Deutschen statt an die Kriegsgräber für sich an die Wahlurnen zu bringen.

Dass sein Parteifreund Robbe gerade noch mehr gesellschaftliche Unterstützung für den Waffengang einwarb, macht eine solche plötzliche Volte auch nicht eben wahrscheinlicher.

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