Clowneske

Wie ich eben las, will die Union den doofen Deutschen für nach der Wahl umfangreiche Steuersenkungen versprechen, die von den Liberalen natürlich postwendend noch als bei weitem zu mutlos und gering bekrittelt werden.

Wann diese Wohltaten erfolgen sollen, wird ganz bewusst nicht festgelegt: Man hat insoweit dazugelernt, dass immerhin eine Opposition sich an ein gebrochenes Wahlversprechen erinnern könnte, wenn die Wähler sich schon wie gewohnt gar nichts merken können, was sie betrifft.

Vielleicht ist man auch schon so weit einzukalkulieren, dass die Stimmzettler ohnehin nichts mehr glauben und jeden möglichen Bruch politischer Versprechen antizipieren und sich deshalb auch schon gar nicht mehr über solcherlei Petitessen aufzuregen vermögen.

Allerdings – horribile dictu – , wenn ich die SPD wäre,  sähe ich hierin doch eine Chance, den Gegner noch zu packen.

“Wann denn konkret, ihr Lummelhelden, und von welchem Geld bitteschön?”, also oder ähnlich lautete mein Schlachtruf in allen Bierzelten der Republik, so lange und so proletarisch laut, bis der politische Kontrahent das Eiern und Seiern anfängt.

Das träfe dann zwar die FDP nicht sonderlich, denn deren Wähler sind meist ebenso realitätsresistent wie jene der Grünen, aber bei denen der Union könnten die Sozis teilweise landen, indem sie deren Stimmzettler immerhin zum Zuhausebleiben verführten (was man ja als guter Demokrat als eigene Strategie nicht eingestehen muss), manche vielleicht gar für sich gewännen und zumal das eigene Potential besser mobilisierten (Millionen von Hartzis und Kleinrentnern wissen genau, dass Steuersenkungen bei ihnen nicht ankommen werden, sie indirekt höchstens belasten, selbst wenn sie tatsächlich stattfinden sollten).

Die Strategen in der SPD-Baracke (sagte ich “Baracke”? – : “Yes, we can Barack?”) wissen ganz genau, dass der CDU/CSU schlichtweg nichts für den Bundestagswahlkampf eingefallen ist und diese deshalb jetzt einen der ältesten, abgedroschensten Kalauer aus der politischen Mottenkiste holt.

Solange keine der etablierten Parteien, der Schafsparteien, substanzielle Änderungen, zumal das Banken- und Kriegsunwesen betreffend, vornehmen will, noch auch den Arbeitsmarkt sanieren, kann ich die ganze Unternehmung nur als ein Schmierentheater wahrnehmen und als veritable Farce kommentieren.

Der Unterhaltungswert des aufgeführten Stücks ist zwar begrenzt, aber, wie jemand mir wider meine sanguinische Natur kürzlich schrieb, man soll immer zufrieden sein mit dem, was man hat.

Lustigere Clownesken als die gezeigte muss der Unzufriedene sich wohl selbst schreiben und auf die Bühne bringen.

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