666: Das Tier

Aleister Crowley, der verrufene Poet, Bergsteiger, Magier, Spion, Heroinsüchtige – manche nennen ihn überdies einen “Satanisten” – schrieb einmal: “Spende nie an eine Organisation, die in einem größeren Haus wohnt als du selbst.”

Der Mann war nicht nur ziemlich krass – er hielt sich für das Tier (666) der Johannes-Offenbarung (Apokalypse) oder machte sich selbst daraus noch einen Spaß, wer weiß – , er sagte eben auch eine ganze Menge sehr Intelligentes.

Seine neue Religion des Wassermann-Zeitalters, die das Christentum ablösen sollte, blieb bis heute in den Kinderschuhen stecken, seine Offenbarungen unter dem “Thelema”-Siegel, die er in Kairo diktiert bekommen haben will, interessieren nur wenige.

Festzuhalten ist jedoch, dass seine “Class A”-Texte, die er für direkt geoffenbart erklärte, einen poetischen Duktus aufweisen, der keinen Vergleich scheuen muss.

Leuten aber, die mit solch merkwürdigem Zeugs nichts anfangen können, die auch keine Lust haben, sich seine Schriften über Yoga und Meditation zu Gemüte zu führen, die wenig Neigung verspüren, sich eingehend mit der Kabbalah zu beschäftigen, will ich bei dieser Gelegenheit doch immerhin drei seiner Werke zur Beachtung bringen.

Am bekanntesten, verbreitetsten ist zweifelsohne das Crowley-Tarot-Deck, welches eine Lady Frieda Harris nach seinen Vorgaben zeichnete und heute zu den beliebtesten Kartensätzen dieser Richtung gehört. Alleine es einmal anzuschauen, bringt höchsten ästhetischen Genuss.

Des weiteren will ich seine Autobiographie “Confessions” hervorheben, die ein kurzweiliges, echtes literarisches Erlebnis darstellt und voller witziger Gedanken und geistreicher Betrachtungen ist.

Schließlich bleibt da noch ein kleines, kaum bekanntes Büchlein zu erwähnen, welches in seiner philosophisch-esoterischen Tiefe seinesgleichen sucht: “Little Essays Toward Truth” (Der Text ist unter diesem Suchbegriff im Netz zu finden.)

Jedenfalls war das Wirken dieses schillernden Charakters, einer der interessantesten Persönlichkeiten des zwanzigsten Jahrhunderts, von solcher Strahlkraft, dass sich manche Esoterik-Geschädigten spontan bekreuzigen, wenn sie nur den Namen Crowley hören.

Gerade solchen, aber auch vielen anderen Zeitgenossen, täte es einmal gut, auf den Meister zu hören: “Spende nie an eine Organisation, die …”

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