Vielleicht zum Guten

“Ich habe mir meinen Arm gebrochen, vielleicht zu meinem Guten”

Dieses Sprichwort, übersetzt aus dem spanischen Original, gehört seit langem zu meinen Lieblingen.

Da diese Seite wohl selten von halben Analphabeten oder ziemlich Begriffsstutzigen besucht wird, muss ich nicht grundsätzlich erklären, welch starke Metapher hier vorliegt.

Deshalb komme ich gleich zum daran anschließenden Nächsten: dem Irrealis.

“Wenn ich damals dem Chef gesagt hätte, dass…dann…!” “Wenn meine damalige Freundin nicht so stur gewesen wäre…dann…!” “Wenn ich damals nicht das Pech gehabt hätte, dass…dann…!”

Allerlei solche Konditionalsätze in der Form der “impossible condition”, der unmöglichen Bedingung, hören wir täglich.

Merkwürdigerweise aber meist soherum in Spekulation, außer mal böswillig gegen andere, dass der Betreffende davon redet, anders wäre es ihm Pechvogel besser ergangen und er heute der größte Held.

Davon, dass selbst etwas Schiefgegeganes andernfalls hätte noch viel dümmer ausgehen können, nämlich statt Arm gebrochen Kopf ab, hört man dagegen höchst selten.

Ich selbst beispielweise wurde zweimal in meinem Leben ausgeraubt; einmal wurde ich so dilettantisch-heftig mit Chloralhydrat betäubt, dass ich es wohl nur meiner hervorragenden Konstitution zu verdanken hatte, nach 16 Stunden Blackout im Krankenhaus noch einmal aufzuwachen (Neapel). Das zweite Mal schlug mir ein kleiner mexikanischer Lumpengesindelbandenchef die Nase blutig, und ich ließ winselnd die Tränen rinnen, denn sie waren zu Fünft, aber ich kam davon (Acapulco).

Bei einem dritten Mal wurde ich zwar nicht ausgeraubt, aber mir geschah quasi buchstäblich das, was das obige Sprichwort (auch) aussagt.

In meinem jugendlichen Übermut (28) legte ich mich mit dem Türsteher einer Diskothek an, nur in Worten wohlgemerkt, aber da diese jenem wohl ausgingen, zog mir der Schwarzgurtkarateka plötzlich mit solcher Gewalt den Fuß gegen die linke Schläfe, dass ich wahrlich von Glück sagen kann, die linke Hand noch reflexhaft dazwischen bekommen und damit statt eines wahrscheinlichen Totschlags nur ein gebrochenes Handgelenk mitgenommen zu haben, welches ich nur bei Wetterumschwüngen noch ab und an zur Erinnerung oder auch Ermahnung ein bisschen spüre (Würzburg).

Ich will damit natürlich nicht sagen, dass ich den fahrlässigen Fehldosierern aus Neapel, dem Dumbo aus Acapulco oder dem Unmäßigen aus Würzburg für die erteilten Lektionen im Sinne des Lernerfolgs nachgerade dankbar wäre, aber ich bin sehr wohl dankbar dafür, dass ich alle drei Situationen ohne bleibende Schäden überlebt habe.

Und wenn mein Handgelenk nicht gebrochen gewesen wäre – wer weiß? – vielleicht wäre ich die Woche darauf gerade “deshalb” aus 15 Metern Höhe vom Baugerüst am Kirchturm abgestürzt und hätte mir das Genack darob in Fraktur gebracht.

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