Für “Alle und Keinen”

Ich versuche, es noch einmal ein wenig zu präzisieren.

Wer “für den Leser” schreibt, ist entweder Werber oder Journalist oder Kinderbuchautor oder jemand, der seine Bücher unbedingt verkaufen will.

Hier findet etwas anderes statt.

“Ungeniert – Unzensiert”: Die Idee stammt nicht einmal von mir, aber sie gefiel mir, weshalb ich das Motto annahm.

Aber was heißt das?

Dies bedeutet, dass ich mir hier keine Klientel zu züchten suche, die, ob Moslem, Jude, Christ, Heide, Agnostiker, Atheist, Hindu, Buddhist oder sonstnochwas sich erwarten kann, stets durch das Erwartete und in verschiedener Form verlässlich Aufgegeigte darin befriedigt zu werden, dass wieder einer geübt etwas schreibt, was sie hören will.

So ist es sonst Usus, und das in der Regel, wenn der Schreibende einigermaßen begabt ist, auch erfolgreich.

Ich habe aber in einem Alter, das jenes von jenem zuvor von mir gelobten Moslem Navid Kermani nur um drei Jahre übersteigt, schon so viele Verbohrte in allen genannten und auch nicht genannten Reihen gesehen, dass ich mich bewusst außerhalb solcher Kategorien stelle, wie auch außerhalb derer von “links” und “rechts”.

Ich schätze in der Tat den verständigen Juden mehr als den törichten Heiden; den Christen, der Liebe als eigentlichen Grundwert begriffen hat, mehr als den Moslem und umgekehrt; ich versuche, ganz einfach eine Stimme zu erheben, die über diesem ganzen erbärmlichen Geschrei steht.

Wo ich darin fehlen sollte, bitte ich um Kommentare.

Ich mache ansonsten keinen Hehl daraus, dass mir das abrahamitische Grundkonzept des einen strafenden Gottes intellektuell wie gefühlsmäßig zuwider ist; immerhin sage ich das, im Gegensatz zu anderen, auch deutlich.

Brächte einmal irgendeiner gute Argumente, weshalb ich meine Kinder entlang einer solchen Leitschnur erziehen sollte, ich ginge bestimmt darauf ein und überlegte darob.

Das kam aber noch nie in meinem Leben vor.

So, genug bezüglich all der Abrahamiten, die sich doch nur allemal in ihrer vermeintlichen Alleinheiligkeit gegenseitig an die Gurgel gehen.

Ergibt sich denn gar kein Grundwertekanon aus jeder Art menschenwürdiger Weltanschauung, dass z. B. der Einsatz von Uranmunition ein katastrophales Kriegsverbrechen darstellt?

Ist nicht jeder anständigen Weltanschauung zwangsläufig inhärent, dass diese plutokratische Weltordnung aller Gerechtigkeit Hohn spricht?

Wozu setze ich mich hier hin und schreibe?

Wahrscheinlich noch für Alle und Keinen.

— Anzeigen —


Tags: , , , , , , , ,

Eine Antwort hinterlassen