Gesang

Heute Nacht im Traume sah ich das Geldvirus.

Es schimmerte rot-gelbgrün und hatte schwarze Tupfer auf seinem anmutig verschwurbelten Genom.

Es sagte nichts.

Allein die Eingebung der Traumschau sagte mir:  ”Schau, das ist es, schau!”

Doch selbst in Träumen kann Misstrauen aufkommen, und also geschah es.

“Was, dieses niedliche Ding soll uns d a s beschert haben?”, fragte sich mein Traumhirn.

“Ich sehe nichts Schleimiges, nichts Grindiges, keine Gicht, keine Blutflecken, keine Abschabungen, nicht einmal Pusteln oder auch nur eine Orangenhaut! Das soll das Geldvirus sein?”

“Genau deshalb, weil es so lieblich aussieht, ist es so ansteckend, mein lieber Magnus”, sagte ein anderes Selbst, das ich nirgend ausfindig machen konnte, und es sagte dies dauernd.

Ich versuchte, dagegen anzubrüllen, aber meine vermeintlichen Schreie entwichen nur gleich kleinen Luftbläschen aus einem aufs Land geworfenen sterbenden Fische heraus.

Der Traum ging weiter.

Das Virus fing an, sich zu drehen. Es tanzte sozusagen, wenn auch Schritte und Schrittfolge fremd erschienen. Es fühlte sich sichtbar wohl, und plötzlich lachte es sogar.

Das Lachen sirrte mir durchs Rückenmark gleich einer Säge.

Dazu begann es in einer Weise einen Sprechgesang, dessen Vieltonigkeit mir den Magen krampfte, und es sang “Du bist auch noch dran” im ewigen Rundgesang.

Ich versuchte, selbst zu lachen, blieb doch starr und regungslos, einem dürren Baumstrunke gleich.

Doch dann fing ich an, in mich hineinzusingen.

Und mein Gesang wirkte, dass ich das Virus im Schlafe vergaß.

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