Gift aufs Papier!

Indem der Kapitalismus gegen die Wand fährt, müssen wir auch sprachlich einiges ertragen. Wo man früher noch von wertlosem Papier sprach, wenn ein Titel nicht einzutreiben war, da ist jetzt die Rede von “toxischen Wertpapieren”, “finanziellem Giftmüll” und was da noch an unsinnigen Neuschöpfungen so verbreitet wird.

Sie wissen ja schon, dass ich nicht viel von Verschwörungstheorien halte.

Diese merkwürdigen Kreationen erregen aber doch meinen Argwohn, denn sie muten an, als ob wir alle hier als Erdenretter gefragt wären, als finanzielle Umweltschützer sozusagen, und wer nicht mitmacht, ist eine Geldklimasau. Taugliche Autos “wrackt” man jetzt ab, die man vor kurzem noch verschrottet hätte, wenn man hätte; gleichzeitig werden “Schrottpapiere” aufgekauft, die man früher für rückwärtige Zwecke endvernutzte.

Der “Giftmüll” in den Bankenbilanzen muss natürlich “entsorgt” werden. Es gibt eine große Messe namens “Entsorga” zu Köln am Rhein, bin gespannt, wann die Deutsche Bank dort mit der FAZ und den Grünen einen Gemeinschaftsstand aufmacht, umderivatierten Wortmüll mit Öko-Siegel zu vertreiben. (“Wir machen aus roten Zahlen schwarz-grüne!”)

Merkwürdigerweise habe ich aber von “Müllbanken”, “Schrottbanken”, “Giftbanken”, “toxischen Geldhäusern” etc. noch nichts gehört, noch weniger von “Müllmanagern”, “Schrottvorständen”, “toxischen Politikern”, “Giftagenturen” usw.

Das verstieße dann ja wohl auch gegen die Menschenwürde, welche bekanntlich nur von jenen angetastet werden darf, die sich ihre eigene kaufen können und die anderer auch.

Also drauf ihr Pressehelden, wofür wart und seid ihr hier?

Gift aufs Papier!

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