Arg

Meine geschätzte Kollegin Friederike Beck regte an, ich könne doch mal den Fachwortschatz unserer überaus geachteten Oberfinanz-”Neocons” noch etwas näher unter die Lupe nehmen, da sie sich gerade mit der Vita des neuen Wirtschaftsministers zu Guttenberg umfässlich beschäftige.

Also:  “Shareholder Value”, “Outsourcing”, “Lean Management”, “Credit Default Swaps”, “Derivate”, “Stop-Loss-Option”, “Short-Selling”, “Master of Business Administration”, “Chief Executive Officer”, “Key Account Manager”, “Market Analyst”, “Art Director”, “Creative Director”, “Sales Manager”, “Auditor”, “Bachelor”, “Senior Partner”, “Trendscout”, “Trainee”, “Win-Win-Situation”, “Consultant”, “Equity”, “Underperformance”, “Broker”, “Rating-Agenturen”, “Human Capital”, “Risk Manager”, “Franchisenehmer”, “Hedgefonds”, “Crossborder-Leasing”, “Privatinsolvenz”.

Ich gebe unumwunden zu, dass mir so relativ einfache Begriffe wie z. B.  Wert, Gewinn, Verlust, Bankrott, Verkaufsleiter, Aktie, Praktikant,  Händler, Leerverkauf, Auslagerung, Berater, Vertragshändler, Mitarbeiter, Vorstand, Geschäftsführer, Buchprüfer, Bargeld und Besitz leichter eingehen, obschon ich des Englischen leidlich mächtig bin.

Allerdings weiß ich jenseits aller Freude, meiner Muttersprache, zumindest wenn ich Deutsch reden oder schreiben will, den grundsätzlichen Vorzug zu geben, dass genau mittels dieser angelsächsischen Nebelkerzen nicht nur mancher Betriebswirtschaftsstudent auf den Pfad des Machbarkeitswahnes von “High Finance” geführt wurde sondern auch Politiker, Landesbänker und Stadtkämmerer republikweit.

Man fühlte sich “hip”, “in”, “cool”, “trendy”,  ging zu “dates” bei “events” und “cancelte” die “downgeloadeten” “tickets” “online” per “e-mail”, wenn man seinen “cash” lieber woanders bei “house” oder “rap” beim “chillen” “abloosen” wollte, um nicht “downzuturnen”.

Vielleicht wird man jetzt plötzlich zum Hartzi ohne “Loft”, “Beck’s Lemon Light” und “Golden Card”.

Und der Hartz wird nur gezahlt, nicht “eingecasht”, wenn man jede Woche “qualifizierende Maßnahmen” nachweist und  auf  Stapler und Besen als Handwerkszeug statt auf  ”Account Mangement” am “Notebook” auf “Meetings” bereit ist,  sich ernsthaft bewerbend einzulassen.

Dass man sich keine nervigen “Kids” angeschafft hat sondern lieber “Business” gemacht, “castet” den “Portfolio-Specialist” jetzt keineswegs mehr in die finanzielle “Pole-Position”, denn die “Community” ist jetzt die ARGE, und die heißt vielleicht mit unbewusster Absicht so, wie sie auf einmal daherkommt.

So logiert man denn nicht mehr in der “Park Avenue”, “canceled”  die “Vanity Fair” übelst “unrelaxt”  und übt künftig  “Fit For Fun” und “Wellness” und “Men’s Health” neben Victor aus der Ukraine an der Stanzmaschine.

Dummerweise bringt der genau dafür den besseren “Body” mit, denn er “traineet” schon lange, und zumindest von Victor weiß der schwäbische Kapo, dass er fleißig und ordentlich arbeitet und nicht nur  zum Schein ein bisschen  “herumjobbt”, um für lau “cash” abzugreifen.

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