“Der Schaden der Guten ist der schädlichste Schaden”

Also sprach Zarathustra – Friedrich Nietzsche. Diesen Spruch habe ich jetzt erst – ich hoffe wenigstens zur Hälfte – angesichts der Finanzkrise begriffen.

“Think positive” – denke gut, war die Basis des gesamten Pyramidenspiels, welches uns jetzt im Ergebnis in den wirtschaftlichen Niedergang reißt. Der Teufel höchstselbst hat den Optimismus erfunden, die darob gestrauchelten, gefallenen Seelen umso leichter abzuholen. Der Optimist ist der Steigbügelhalter jeder noch so perversen Macht, der Opportunist, der Illusionist, der willige Mitläufer. Die kleine Seele, die vor dem Abgrunde treibend noch die kleinste Klippe freudig herankommen sieht.

“Ich denke grundsätzlich erst einmal positiv” – sagte mir eine Mutter dreier Kinder, als ich sie auf die Finanzkrise und mögliche Folgen derer ansprach. Wahrscheinlich denkt solch ein Hühnchen noch positiv, wenn der Hunger bereits als Dauergast ins Haus gezogen ist. Oder, dann, auf einmal, fühlt sich Hühnchen von allen Seiten verraten, wenn kein positives Denken mehr gegen leere Mägen hilft. Dies sind die Puppen. Solchen Leuten dreht man Kredite an bis zur Restsubstanz. Die Optimisten bilden das Anzuchtbeet für die Geldbetrüger. Deshalb wird deren Denken uns als vorbildlich in Werbung und Medien dargebracht. Optimisten sind Mist. Die meisten Psychotherapeuten sind also auch Mist.

Man denkt so positiv, dass man aus Afghanistan nach nur sieben bis dreißig Jahren eine schöne Demokratie machen will, durch nur ein bisschen positiven Krieg. Man denkt so positiv, dass allgemein der Islam seine Wesenszüge vergäße. Man denkt so positiv, dass man glaubt, Schulden durch Schulden ablösen zu können. Man denkt so positiv, dass man meint, perfekte Kinder gehörten eben auch zum notwendig Guten.

“Der Schaden der Guten ist der schädlichste Schaden!”

Man denkt so positiv, dass man selbst das Lügengespinst der Großmeierei für gut hält, denn es bessere ja immerhin den Menschen. Der ja belogen werden müsse, zu seinem “Guten”. Man denkt positiv bis zur Phosphor- und Streu- und Napalmbombe. Der sichtbare Gipfel der Positiv-Denkerei heißt USA. Dort ist das Positiv-Denken Bürgerpflicht bis zum Untergang, dabei Vorbild für die restliche Welt.

“Schlecht, das ist feige!” – also lautet eine weitere Sentenz. Der heutige Optimismus ist nichts anderes als ein Ausdruck der Feigheit.

Etwas anderes bedeutet ein Optimismus, besser ein frohgemutes Angehen, auf einer realistischen Grundlage. Wo Glaube – zumal mal an sich selbst – sich auf vernünftige Einschätzung des Möglichen gründet, wird man positive Wachstumsgrundlagen vorfinden; Optimismus dagegen bleibt ein “Ismus”.

Ich gehe soweit zu behaupten, dass dieser Optimismus eine Tochterideologie des Kapitalismus, der Zinsherrschaft, darstellt. Schulden machen ist optimistisch.

Rede ich dem Pessimismus das Wort? Keineswegs. Weltuntergangspropheten sind mir nicht weniger zuwider denn die Machbarkeitsphantasten: nur hatten Letztere lange die verhängnisvolle Oberhand. Was nun?

Die Dummheit des “grundsätzlich erst einmal positiven Denkens” des Optimismus gehört als solche nackt- und bloßgestellt. Eine Kulturgrundfertigkeit des Bezweifelns und Unglaubens gehört von Kindesbeinen an gefördert. Jeder Kredit muss als von Natur aus fragwürdig gelehrt werden.

Die Kraft des negativen Denkens muss als beförderndes Regulativ ins Bewusstsein der Menschen dringen. Die Herbeiwünscher, sei es der Mainstream- oder Esoteriksorte, gehören dem ihnen gebührenden Spotte ausgesetzt. Lehren aus dem Rausch des Optimismus gehören jetzt gezogen.

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