Archiv für die Kategorie ‘Sprachwissenschaft’

Fundsache zum Nichtphilosophen N.

Freitag, 27. August 2010

In seinem Nachwort zu meiner Zarathustra-Ausgabe schreibt Giorgio Colli: “Dieses Buch scheint daher dem Bereich der archaischen Ausdrucksformen zu entstammen, und es lässt sich nur schwer als philosophisches Werk bezeichnen. Eine Philosophie besteht in der Regel aus Manipulation von Begriffen, welche der Ausdruck von sinnlich wahrnehmbaren Objekten sind, während hier Bilder und Begriffe weder Begriffe noch konkrete Dinge ausdrücken; sie sind Symbole für etwas, das kein Antlitz hat, sie sind keimende Ausdrucksformen.”

Nun, da haben wir’s, und falsch, Signore Colli: Wenn Philosophie aus Manipulation von Begriffen besteht, so lässt sich Nietzsche im Zarathustra nun wahrlich nicht lumpen; (weiterlesen…)

Dumme Leser, dumme Texte

Donnerstag, 26. August 2010

In “Macht uns Google dumm?” vom 12. Januar erwähnte ich bereits Nicholas Carrs Essay im Atlantic; jetzt hat er ein Buch vorgelegt: “The Shallows: What the Internet is Doing to Our Brains”.

Der Beitrag “Is the internet ruining our minds?” greift die Sache auf.

Im Kern dreht es sich darum, dass Millionen Menschen erst recht auf dem Gebiete mental verkümmern, wo viele von ihnen sowieso noch nie sehr stark waren, dem konzentrierten, vielschichtigen in die Tiefe Denken.

Carr prognostiziert gar, dass auch die Schreibenden sich anpassen werden an ihre vertwitterten Leser, als Texthäppchenschleudern, (weiterlesen…)

Nietzsches Metrik

Donnerstag, 26. August 2010

Gestern Nachmittag las ich ein wenig in Nietzsches Zarathustra herum, und wieder fiel mir die einzigartige sprachliche Rhythmik auf, die einen da umfängt.

Sicher: Hier herrscht kein einfaches, klassisches Silben-, Hebungs- und Senkungsschema; doch ich bin davon überzeugt, dass hier wiederkehrende, gleichwohl komplexe Zahlenverhältnisse, gerade was die Verteilung stark- und schwachtoniger Silben anlangt, vorliegen.

Wer etwas vom Programmieren versteht und Interesse an der Materie hat, den lade ich hiermit ernstlich ein, sich zwecks gemeinsamer Forschung in diese Richtung bei mir zu melden.

Während klassische italienische Renaissancedichter, Dante, Petrarca, Boccaccio (weiterlesen…)

Viele Sachen zu machen

Mittwoch, 18. August 2010

Die Arbeiten an einem Dreiteiler, in dem die Klarnamendebatte noch einmal andersherum erweitert wird, an einer Kafka-Betrachtung sowie der technischen und konzeptionellen Vorbereitung einer Nietzsche-Exkursion haben diese Seite leider für ein paar Tage verwaisen lassen.

Das sollte sich bis spätestens Samstag Abend ändern.

Mit der Bitte um Verständnis,

Ihr/Euer Magnus Wolf Göller

***

Zur Überbrückung einen kleinen Aphorismus:

Hätte er geschrieben, so hätten sie nicht gedacht, sondern gelesen; hätte er nicht geschrieben, hätten sie auch nicht gedacht, anstatt zu lesen. Betrifft niemanden, der dies liest und begreift.

Wikileaks: Der Name

Dienstag, 10. August 2010

Da fänden sich wohl noch so ein paar Urlaubsnotizen im Rückenfach des kleinen Rucksacks, doch ich will mich der Sache noch einmal spontan stellen, dem Markenzeichen “Wikileaks”.

Der zweite Teil des interessanten Kunstwortes, “leaks”, also “Lecks”, erscheint auf den ersten Blick nachvollziehbar und harmlos.

Also erstmal zu “Wiki”: Da ist die Anlehnung an “Wikipedia” nur allzu leicht auch für den Laien zu erkennen.

Nur, was soll es hier bedeuten?

Etwa, dass da jeder mitmachen kann?

Oder dass das Medium zuverlässig um desto unzuverlässiger wird, je heikler die Materie, jemand darin löscht und humst und manipuliert?

Dass es da alles gibt, so wie gleichzeitig auch nichts? (weiterlesen…)

“Corexit” in Feinanalyse

Sonntag, 25. Juli 2010

“COREXIT”

(So heißt das Supergift, das BP ausbringt, um Milliarden zu sparen)

Machen wir uns mal den tödlichen Spaß:

Was liegt dem Produktnamen zugrunde?

“Core” plus “exit”, also Kernausgang, Kerntod?

Oder “Co” plus “rex” plus “it”, also “Es mit dem König”?

Oder die Company ist König über das Es, also alles?

Oder “C” plus “ore” plus “x” plus “it”, also die Company ist erzmäßig mal informationstechnologisch? (weiterlesen…)

Ölquelle noch nicht ermordet

Sonntag, 25. Juli 2010

Gerade hörte ich es wieder: “…until the well is killed…”.

Bis die Ölquelle getötet, ermordet ist?

Was für eine merkwürdige Sprache, dieses Englisch: oder vielmehr, was für merkwürdige Sprecher sie sprechen.

Es war ja auch schon die Rede vom “top kill”, als man mit Bohrschlamm und Ichweißnichtwas versuchte, das Steigrohr zu stopfen.

Also vom “Schopftod” oder “Mord von oben” oder…

Man scheint zu meinen, dass martialische Begriffe irgendwie hülfen, wenn es ein echtes Problem gibt.

Natürlich ist ähnliches unter Handwerkern, (weiterlesen…)

Der, Die, Das: Wie, Wo, Was?

Mittwoch, 14. Juli 2010

Das grammatische Geschlecht im Deutschen gehört also dringend wie zwingend abgeschafft.

Wieso heißt es, z.B., ausgerechnet DER Unfug, aber DIE Weisheit?

Als modernes, maskulinoides Humanoid bin ich nicht mehr bereit, derartige sprachliche Diskriminierungen hinzunehmen.

Sodann DAS Unglück!

Wie muss sich ein anständiger androgyner Hartzi fühlen, wenn er DAS Wort liest und schon DIE ARGE am Hals hat? (weiterlesen…)

Aufsprecher

Samstag, 10. Juli 2010

Wenn es ein Geschwätz gibt, das mich nervt, so ist es dasjenige davon, ein Autor oder Befragter (wäre “Interviewter” jetzt “more sophisticated” gewesen?) habe ganz besonders gewichtige Kunde von – selbstverständlich nicht genannten – “Insidern”.

Egal ob es um den Euro oder die Ölkatastrophe oder sonstwas geht, der gegelte Herr verfügt über erlesenste Informationen von “Insidern”, womöglich – nein oft – gleichzeitig beklagend, dass sonst praktisch nichts an die Öffentlichkeit dringe, und wenn, dass keiner Quellen angäbe (höhö!), da alles hinter verschlossenen Türen abliefe.

Sodann werden kräftig die Backen aufgeblasen, dass man selbst Zugang zu solch Erlauchten – gleichzeitig Verruchten, Bösen? – habe, natürlich ohne wirklich zu ihnen zu gehören, einfach weil man ein derartig toller Hecht sei. (weiterlesen…)

Männer spielen, Frauen schwatzen

Freitag, 09. Juli 2010

Wäre ich ein Gleichvergenderer, ich müsste mir die Haare raufen vor Wut über die Menschheit.

Jahrzehntelange Umerziehungsprogramme, Puppen und Sticken für Buben, Ölverschmierkurse (sehr modern und überdies aktuell) für Mädchen auf “Girl’s Days”, subventioniert und durch die Schafsmedien gedrückt wie Bolle, haben nicht geholfen: Wie weiland im Kral, der Jurte oder der Freien Reichsstadt, daddeln die Jungs und labern die Mädels.

Bei ersteren dominieren traditionell die Kriegs- und Waffenspiele, Haschen und Fangen, das Herumspielen am eigenen Puller, auf der Trommel und Flöte, Pokern und Zocken, Schach, Go und Würfelbecher, heute das Computerspiel.

Bei letzteren war es früher der Schwatz an Feuer und Herd, beim Waschen am Fluss, beim Zeckenziehen und Läusevernichten, beim Robbenauskauen und Hanfbrechen, beim Kartoffelauslesen und Hagebuttensammeln, beim Schafsmelken und Butterschlagen.

Heute ist es das Handy und der Chat, (weiterlesen…)

Esophilologen

Mittwoch, 07. Juli 2010

Wer nennt die Erde dauernd “Terra” oder “Gaia”?

Oilbama: “Yes, we ran!”

Sonntag, 04. Juli 2010

Auch im Zusammenhang mit dem vorigen Artikel “Giftgolf: Atombombenlösung billig” wird immer klarer, weshalb die US-Regierung so gut als möglich alles BP überlässt: Sie will am Ende für nichts und niemanden, der dort verreckt, verantwortlich gewesen sein.

“Yes, we ran!”

Diese Strategie ist in einer Weise niederträchtig, dass ich persönlich sie für Hochverrat am amerikanischen Volk halte (in Deutschland wird Hochverrat mit nicht unter zehn Jahren Gefängnis bestraft; ich weiß nicht, was in den USA darauf steht).

Natürlich auch für Hochverrat an der gesamten Menschheit, die dafür bitter bezahlen wird.

Obama hat in diesem Zusammenhang sein wahres Gesicht gezeigt: Er ist ein wandelnder Teleprompter, eine gepushte Puppe, gemanagt von Rahm Emanuel im Sinne der Interessen von Goldman Sachs und dem Rest der Wallstreet- und Bankstergilde.

Dieser Mann ist schlimmer für den Planeten als George Bush, (weiterlesen…)

Aphorismen 141

Dienstag, 29. Juni 2010

Wenn ich glücklich Engländer wäre, könnte ich selbst zu einem gebildeten Erwachsenen “Tu nicht tun das!” sagen, ohne dass mich der Angesprochene darob seinerseits mitohne Sinn und Verstand zur Ordnung rüfte.

Jugendlichensprache

Dienstag, 29. Juni 2010

“Emo”, “aggro”, oder “depri”, das ist hier die Frage.

Logik für Totalsimpel

Samstag, 26. Juni 2010

Jetzt sei ich mal wieder mitschuldig, heißt es.

Aber Sie auch.

Wir alle, höhö.

Denn wer Energie braucht, z. B. Nudeln vom Aldi, also mindestens indirekt auch Öl, der kann Fahrrad fahren, so viel er will, der ist so eine Art Mini-BP, Hilfsbush, Halbobama, Viertelsstalin oder Zweidrittelshitler.

Damit hätten wir dann mal wieder unser Fett weg; ich bin Mit-KZ-Wächter, meine Kinder Mithenker, Mitgenitalverstümmler, Mitlebende.

Am Arsch!

“COIN”

Donnerstag, 24. Juni 2010

Normalerweise im ersten Lernjahr schon erfahren Klein Erna und Klein Otto, dass “coin” auf Englisch “Münze” bedeutet.

Etwas fortgeschrittener mögen sie dann noch “to coin” lernen, also “prägen”.

Doch erst gestern, nach über 35 Jahren des mal mehr mal weniger intensiven Studiums dieser merkwürdigen Sprache, erfuhr ich eher zufällig, was “COIN” neuerdings auch noch bezeichnet.

“COUNTERINSURGENCY”!

Also ungefähr “Gegenaufstand” auf Deutsch.

Ein anständiger Germanist sagte natürlich, (weiterlesen…)

Sind wir alle Hitlers?

Mittwoch, 09. Juni 2010

Eben las ich bezüglich der Ölkatstrophe im Golf von Mexiko unter dem Titel “Yes, Obama Is ‘Engaged’ – in a Colossal Crime” folgendes:

“The federal government is fully engaged and I am fully engaged,” said Obama, last week. OK, we’ll accept that he has been engaged in furthering the oil industry’s plans to drill at depths at which current technology makes mistakes irreparable — as the damage from the current ecological holocaust is already irreparable.

In dem Artikel von Glen Ford wird auch der Vergleich zu Tschernobyl gezogen, aber:

“ECOLOGICAL HOLOCAUST” ??? (weiterlesen…)

Bundespräsidialamt bald “Gauck-Amt”, “Wulff-Amt” oder gleich “Atlantik-Brücke-Amt”?

Dienstag, 08. Juni 2010

Die Stasi-Unterlagen-Behörde hieß in der Zeit des Wirkens des aktuellen Bundespräsidentschaftskandidaten von SPD und Grünen merkwürdigerweise bald fast nur noch “Gauck-Behörde”.

Dies erschien mir schon damals merkwürdig, da in einer Demokratie doch sehr ungewöhnlich, wenn nicht als prinzipiell fragwürdig oder gar untragbar anzusehen.

Die reine Silbensparerei kann es jedenfalls kaum gewesen sein; (weiterlesen…)

Gendrifikanten

Samstag, 08. Mai 2010

Die Gentrifikanten sind eine Plage unserer Zeit.

Sie haben sich im Ernst zum Ziele gesetzt, die Geschlechter zu zerstören.

“Gender Mainstreaming” lautet ihre Losung.

Sie versuchen das biologische, soziale, geistige Leben, wie es sich natürlich in der Gesellschaft ausdrückt, mit allen Mitteln zu zerstören; und sie fühlen sich noch erhaben und edel dabei.

Es sind, fast alle, Puppen.

Kein Sinn liegt darin, sie persönlich hart anzufassen, denn fast alle von ihnen wissen nicht, was sie tun.

Aber es gibt die Strippenzieher; und diese wissen genau, was sie tun und wozu.

Wer einmal in Ruhe darüber nachdenkt, wozu diese Agenda dienen könne und wer sie wohl eiskalt betriebe, kommt sicherlich darauf.

No pasarán!

Runen und ein Standhafter

Samstag, 24. April 2010

Ein alter Sprachwissenschaftsprofessor, schon lange Emeritus, den ich selbst in seiner vollen Pracht und akademischen Gnadenlosigkeit noch genießen durfte, erzählte mir vor ein paar Tagen, da ich ihn ob Recherche im Zusammenhang mit meiner auf zeitgeist-online.de inzwischen erschienenen Buchbesprechung (Karl-Heinz Göttert: Deutsch – Biografie einer Sprache) anrief, es gebe geradezu eine Renaissance des Interesses an der Runenkunde.

Als ich erwähnte, dass ich von erheblichem Fleiße auch in Japan beiläufig mitbekommen habe, meinte er, die Japaner kümmerten sich in der Tat mit großer Ernsthaftigkeit geradezu rührend.

Mich rührte dabei an, wie ein wohl schon über Achtzigjähriger mir Rede und Antwort stand, gleich bereit war, den Herd herunterzuschalten, sein Bücherregal anzusteuern und mit mir auch noch einen Plausch über deutsche Dialekte zu beginnen, einer, bei dem ich als Gaststudent (ich war damals nicht in der Germanistik eingeschrieben) vor zwanzig Jahren gerade mal ein Seminar besucht hatte.

Sicherlich nicht mehr auf dem Zenit seiner körperlichen Kräfte, redete da ein immer noch hellwacher, selbstbestimmter Geist, den jene Alzheimersche Krankheit wohl nie wird erreichen können, da er die entscheidenden Gegenmittel in seiner mentalen Hausapotheke hat (weiterlesen…)

Kriegspropaganda, Lohnschreiber des Krieges

Montag, 19. April 2010

Das Folgende las ich gestern auf der Netzseite freitag.de (der Autor ist der Leiter des Politikressorts der Berliner Wochenzeitung):

“Lutz Herden schrieb am 19.04.2010 um 11:42
Gestern abend war bei der Sendung Anne Will eine erwartbare Variante im medialen Umgang mit dem Thema Afghanistan zu beobachten und zu erfahren. Da Gregor Gysi geladen war, wurden Gegner des Krieges und des deutschen Truppeneinsatzes kurzerhand als nützliche Idioten der Taliban hingestellt. Nein, nicht die Bomben von Kunduz am 4. September 2009 würden die Aufständischen zu Aktionen veranlassen – vielmehr sei es die von Leuten wie Gysi angezettelte Debatte. Die ermuntere die Taliban, die Bundeswehr anzugreifen und die Diskussion in Deutschland von außen zu beeinflussen.
Es ließ sich heraushören, wie eine neue Dolchstoß-Legende ausfallen könnte und tatsächlich schon gärt. Es war spürbar, wie Stimmungen geschürt werden, die gern den Verräter ins Visier nehmen, der letzten Endes für den Tod von Bundeswehrsoldaten verantwortlich ist, weil er den Taliban die Hand führt. Nicht nur in Afghanistan herrschen Krieg und kriegsähnliche Zustände, auch in den Medien. Die Heimatkrieger sind unter uns.”

Ja: Die Heimatkrieger sind unter uns. (weiterlesen…)

Rabää!

Donnerstag, 15. April 2010

Der dümmste Anglizismus, der das deutsche Medienwesen, zumal in Netzforen, in letzter Zeit erreicht hat, ist “thread”.

Den Roten Faden, den Gesprächsfaden, den Gedankenstrang, man sagte auch einfach schon Thema, Gegenstand, die Frage, die Sache dazu, schreibt natürlich dann auch noch mancher Netizen-Großkasper in gewisser Weise besonders trefflich hin, nämlich als “threat”, mithin Drohung oder Bedrohung.

Aber “thread” ist halt “cool”, das finden die “downloadenden” “user” der “community” “chilled”, da “stalken” sie dann so richtig los, “posten”, was das “Display” hergibt, “scrollen” sich einen runter, auf dass das “feedback” komme, stets hoffend, dass der “Webmaster” es mal ganz easy takete…

Aber es gibt andere, einer davon heißt Göller.

P.S.: Ich wette eine Flasche Sternburg-Pilsener, dass die meisten dieser “Poster” das Wort “thread” auch noch nicht einmal richtig auszusprechen vermögen, denn das englische “r” nach anfänglichem “th” fällt vielen Deutschen besonders schwer.

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