Archiv für die Kategorie ‘Schönes’

Vom Blogger zum Laller und Loller

Sonntag, 26. Mai 2013

Es gibt kaum etwas Idiotischeres als einen Artikel, der einen eigenen Artikel zu erläutern trachtet.

Erstens aber ist der zu erläuternde Artikel gar kein richtiger Artikel, sondern eher ein Beinaheaphorismus. (Aphorismen darf man bekanntlich gar nicht erläutern.)

Ich schrieb unter dem Titel “Vom Blog zum Lall”:

“Blog ist blöd. Drum heiße er Lall.”

Hier geht es um souverän und nachhaltig angewandte Soziolinguistik als seriöse notwendige Defendolinguistik, rigide punktgenaue Bellolinguistik.

(Man  beachte dazu auch den folgenden Kommentarstrang: http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/05/23/verlogene-obergranatenerzarschlocher-ii/#comments)

Überdies grundsätzlich um ein wichtiges, oft zu wenig beachtetes Strategem. Jenes nämlich, das lautet: “Lächerlich gemacht? Setze mehr als einen drauf!” (weiterlesen…)

Vom Blog zum Lall

Sonntag, 26. Mai 2013

Blog ist blöd. Drum heiße er Lall.

Konstantin in Stuttgart

Freitag, 24. Mai 2013

Unangekündigt klingelte Konstantin – er wusste, dass das hier bei seinem guten alten Freunde völlig in der Ordnung – an Magnus’ Türe.

“Ja heidenei, Konschtantin, Bua, dass du oifach so reischneisch!”, also begrüßte jener ihn, “lang et gseha, Sakrament!”, indem man sich herzlich umarmte.

“Komm rei, hogg die erschdmol noh. Willsch a Bier, odder en Woi? Hosch Honger? I han noh a guede Leisasubb doh. Die isch glei gwärmed. Odder en Breggel Käs, a Schengabrod?”

“Na, so ein Kännchen Bier wäre schon recht. Lass uns später essen. Tun wir erstmal was gegen Gevatter Durst.”

Indem die beiden Krüge flugs gefüllt, man angestoßen und einen guten Schluck genommen, sagte Magnus: “Ja, verzähl, wia kommsch off oimol doher? I han dengd, du wärsch vo Wirzburg offm Wäg zu dera Hamborger Seggel.”

“Ja nun, Magnus, du weißt, wie es ist. Ich war dann zuerst in Freiburg, auf dem Feldberg, zudem in Rottweil, hernach ein paar Tage auf der Alb, mir den Trübsinn ein wenig aus dem Kopfe zu wandern.”

“Jo wa, bisch en Freiburg bei dr Gerlinde gwä? Wie gohd’s rer noh? Driabsenn, Kerle, wa sechsch do, wa isch los?”

“Gerlinde hat inzwischen einen Hans. Der sorgt für sie. Und er ist schwer in Ordnung.”

“Oh je. Scheiße abber au.”

Beide schwiegen eine Weile. (weiterlesen…)

Konstantin weiß nicht Weibs

Montag, 20. Mai 2013

Konstantin war von Rottweil in Richtung Schwäbische Alb gewandert, und er wollte erstmal nichts als wandern.

Hie und da stieß er auf einen kleinen Flecken, wo er Weinschlauch und Brotbeutel füllte und sich eine Lammbrust oder ein Huhn, am abendlichen Feuer zu braten, besorgte.

Und immer wieder dachte er an die seiner harrende Hamburg; doch überkam ihn für die nächste Zeit nicht die geringste Lust, obzwar er viel von der Schönheit der Hamburgerinnen gehört hatte, sich jetzt im Nieselregen mit Kaufmannsstenzen, hochnäsigen Gecken und anmaßenden Kokotten herumzuschlagen, allda ihm, auf der herrlich sonnigen Alb, wo ihn derbe Holzknechte und brave Schäfer grüßten, noch seine Erlebnisse zu Würzburg, Freiburg und Rottweil durch den Kopf gingen.

Wenn, ja, wenn…

Die kecke Gitte, er sahe sie noch in der verlöschenden Glut, mit der er zu Würzburg einen gar köstlichen Abend verbracht, wollte ihm alswie ein vor lauter Dummheit schnöde verschmäheter Engel nicht aus dem Sinn. So gut und lustig hatte er sich nun leider selten mit einem Weibe unterhalten.

“Teufel aber auch, du wirst dich doch nicht etwa an einem Abend in eine freche Gelahrte verguckt haben, dessen nicht einmal merkend, meinend, dein Lieb warte deiner noch in Freiburg?  Du wirst ihr jetzt doch nicht gleich Hals über Kopf hinterherrennen? Außerdem war sie zwar schließlich gar freundlich, die Umarmung zum Abschiede herzlich, und, ja, sie lud dich auf den Reiterhof ihrer Eltern ein, doch mehr schien nicht im Schwange. Aber, sie ist ja eins von den wenigen gelahrten Weibern mit Herz und Sinn: Spürte sie vielleicht, dass du sie weiland gar nicht ernstlich begehrtest, da eine andere sein musste? Teufel aber auch, was reimst du dir da alles zusammen.” (weiterlesen…)

Hartholtz vor der Dunkelbütt

Sonntag, 19. Mai 2013

Gestern gab es in Freiberg einen Zwischenfall, den viele Südschwitzer mit gemischten Gefühlen betrachten. Manche lachen sich einen Ast, andere warnen.

Jeder in Südschwitz weiß, wo in Freiberg der Verfassungsschutz seinen kleinen Ableger betreibt, nämlich in einem zweistöckigen Haus im Regierungsviertel, das selbst einem Fremden auffallen muss alswie ein Kakerlak im Kartoffelkuchen. Nicht nur die vergitterten, von außen undurchsichtigen Fenster, sondern auch die massive Stahltür sind absolut landesuntypisch.

Mächtig genervt waren die Bewohner bzw. Insassen schon davon, dass Benno und Heike, die seit einiger Zeit Stadtführungen für Touristen anbieten, das Domizil der Schlapphüte nicht nur in ihre Tour eingebaut haben, sondern dort auch – nicht selten unter Gelächter, manchmal gar Gejohle der Teilnehmer, auch nicht selten schaulustiger Einheimischer – ein kleines Rezitativ vortragen, die besondere Verbundenheit der Südschwitzer mit dieser Spielart Abgesandter aus Norddoof zu verdeutlichen:

Dieses Haus, dieses Haus, sieht schon von außen dunkel aus

Keiner weiß genau, was all darinnen

Nur der Wodka-Ede, nunmehro abgezogen

Als er war noch mehr als sonst von Sinnen

Hat

Schnapses satt

Wohl darob nicht gelogen

Bevor ihn einer mit der Schubkarre

Ede trug nie keine Knarre

Nächtens vor dieser rostroten Panzertüre abgekippt

Indem jener mal wieder zuviel genippt.

So war der Ede schwer frustriert

Dass da in jener Kate

Nur Kaffee, Tee und Mate

Nie Bier ward serviert. (Der Chef sei ein arger Blaukreuzler, so Ede.)

Er lallte noch was

Von seinem Hass

Auf nichtmal Kwass.

Und etwas von Rechnersinken

Deren und andrer dülpichter Codes

Er immerzu nots

Vor sich tät sehen blinken.

Ja, liebe Gäste

Schmieriger Weste

Was sie gewahren dort

Ist des Verfuselungssschatzes traurige Hütt’

Allwo man trielt in der Dunkelbütt’

Ein verwunschener Ort.

Hinterher, man empfiehlt dann einen kleinen Umtrunk bei Olli, Durst ist hier ja immer gewiss, fragen die Leute, ob es den Wodka-Ede denn wirklich gab, wes ihnen alle Alteingesessenen bestätigen, wohl noch die eine oder andere Geschichte von ihm zum besten geben.

Das stößt, wie gesagt, logischerweise bei allen, die am Tropf von Norddoof hängen, auf wenig Wohlwollen; zumindest muss von denen jeder so tun, als ob; jetzt aber folgte eine weitere Eskalationsstufe. (weiterlesen…)

Vom Gegengifte für die Menschheit

Donnerstag, 16. Mai 2013

Wie ich bereits in einem Kommentar zu “Gründerzeit in Südschwitz” erwähnte, meinte R. vor ein paar Tagen zu mir, die Menschheit bedürfe eines “Gegengifts”.

Vom Grunde her sehe ich das schon lange so; doch hat der klare Begriff weiteres Nachdenken bewirkt.

Aus was müsste das Gegengift bestehen, wie wäre es zu gewinnen, wie einzusetzen und zu dosieren?

Ich war mir mit R. einig, dass wir jetzt nicht davon sprächen, allfällige Lügen der globalen Finanz-, Medien- und Kriegstreibermafia zu entlarven, so notwendig, lobenswert und wichtig diese von vielen unter großem persönlichen Einsatz verrichtete Arbeit auch ist, sondern von einem kulturellen Entwurf, einem Schaffen, welches nicht gegen, sondern setzend, positiv, gerade junge Leute mitreißend, allerlei Resignierte und Verzweifelte wiedererweckend, von einer Kraft, die das Gift zersetzender gleichmacherischer Afterkratzdekadenz nach und nach wirkungslos macht.

Nähern wir uns der Sache behutsam.

Vier Dinge, wenigstens und zunächst diese vier, müssen zusammengeführt werden: Geist, Liebe, Schönheit und Freude. (weiterlesen…)

Gründerzeit in Südschwitz

Montag, 13. Mai 2013

Die Hintlinge bauen Zisternen wie die Gedopten.

Seit der Buschpflanzen-Roland ihnen gezeigt hat, was man auch mit wenig Wasser, über Pionierpflanzen, mit Halbverschattung durch Akazien, den richtigen Sorten, Dornbuschhäckselgut, mondgebundener Aussaat und Ernte, Wasweißichnoch, alles erzielen kann, ist im Wilden Westen von Südschwitz eine neue Gründerzeit ausgebrochen.

Unter den Hintlingskindern ist ein veritabler Kamel- und Ziegendungsammelwettbewerb entstanden, denn durch die expandierende Landwirtschaft ist die Nachfrage groß, und so bringt ein Sack getrocknete Scheiße zuhause oder am Markt in Buschhausen kein schlechtes zusätzliches Taschengeld.

Etwas Anstoß erregte lediglich, dass einer meiner Schüler, der ein rechter Spaßmacher (ich half auch noch mit, nicht ahnend, was ich da anrichte), im Kurs für kreatives Schreiben das Scheißesammlerlied nicht nur erdichtete, sondern auch sehr schnell populär zu machen wusste. (Nicht wenige fanden nicht nur den Text erstmal gar nicht witzig, sondern auch, dass er überdies zur Melodie der deutschen Nationalhymne gesungen wird. Es hat schon im Original bislang nur eine Strophe.)

“Scheiße, Scheiße über alles,

Über alles auf dem Feld,

Wenn sie stets zu Nutz und Putze

Säuberlich beisammgekellt

Von der Geiß bis ans Kamele,

Von der Quetsch bis ran ans Geld -

Scheiße, Scheiße über alles,

Über alles auf dem Feld!” (weiterlesen…)

Konstantin: Rats und Rede in Rottweil

Sonntag, 12. Mai 2013

Indem Konstantin nach seinem ersten vergnüglichen Abend in Rottweil erst einmal gut ausgeschlafen, sich gereckt, ein angemessenes Frühstück eingenommen, Stadt und Umgebung ein wenig durchstreift, wobei er zunächst den Eindruck hatte, dass die Rottweilerinnen etwas vierschrötiger denn die Freiburgerinnen daherkämen, was er vorderhand dem rauheren Klima zuschob, wofür er sich dann aber schalt, da sein Urteil diesbezüglich vielleicht doch noch etwas getrübt sein mochte, begab er sich, wie vereinbart, um zwei Uhr, an jenen vereinbarten Ort, etwas oberhalb der Stadt, wo er vom Ratsherren zur verschwiegenen Zusammenkunft ein gemütliches Bänklein, mit herrlichem Ausblicke, leichthin fand, diesen schon daselbst auf ihn wartend sitzend.

“Ha no, schee, dad kommschd, setz die erschdmol noh!”, ward er feundlichst begrüßt.

Also setzete er sich, und erst einmal schwiegen beide ein paar Minuten, der Frühlingssonne und der herrlichen Landschaft genießend.

“Wie kann ich Euch helfen, werter Rat?”, hub Konstantin schließlich an.

“Wir haben arge, streunende Rottweiler, wissen uns derer nicht mehr zu helfen.”

Zunächst verstund Konstantin nicht, dann aber ward ihm schnell klar, dass es sich hier wohl um Vertreter der so genannten Hunderasse handeln müsse, derer er schon welche als selbst für einen wackeren Burschen, wenn in Wut, wofern der kein gutes Messer griffbereit, als eine möglicherweise nicht unernsthafte Prüfung erlebt hatte.

“Ja seid ihr Rottweiler nicht manns genug, ein paar streunender Rottweiler Herr zu werden, und sei es, dass der Knüttel sausen muss, bis dass sie Ruhe geben?”

“So einfach ist die Sache leider nicht. Nicht nur, dass wir Rottweiler Rottweiler lieben, es geht auch um das Ansehen unserer Stadt in aller Welt. Was soll man denn von uns halten, wenn wir, uns nicht anders zu helfen wissend, beginnen, Rottweiler totzuschlagen? Was denkst du, wie man nicht nur in Tuttlingen und Villingen, nein gar in Stuttgart und darüber hinaus, über uns lachen und spotten wird? Der Ruf der ganzen Stadt, aller Rottweiler, steht auf dem Spiele.”

“Wie kam es denn, dass die Hunde wild und bös wurden?”, fragte Konstantin.

“Es gibt hier drei große Züchter. Jeder versuchte die anderen darin zu übertreffen, dass er noch größere und schärfere Rottweiler habe. Bei der jährlichen Schau sind dann plötzlich, unvermittelt, von jedem vier Tiere ausgebrochen, die stärksten; seitdem holen sie sich Hühner, Jungsauen, Kälber, Schafe, Ziegen: was sie nur finden. Dem Breitgwann Karl haben sie sogar seinen Zuchtbullen niedergemacht und zusammengefressen.”

“Hat denn keiner versucht, mit den Hunden zu reden?”

“Natürlich haben wir das versucht. Sie greifen ja auch keine Menschen an. Jedenfalls noch nicht. Aber wer sich hinstellt, der bekommt ein Geknurre und Gefauche, dass er sich nicht weiters versuchen will, wann er nicht doch einmal rottweilermäßig gebissen wird. Du weißt, wie Rottweiler beißen können?”

“Ich habe es mir sagen lassen. Gründlich. Kann der Knochen schnell ab sein. Das wünsche ich keinem.”

“Eben.”

“Das Beste also, wenn ich das richtig verstanden, wäre, wenn ich mit den Tieren mal vernünftig redete.”

“Genau.”

Konstantin dachte eine Weile nach und sagte schließlich: “Gut, ich will mich dessen unterfangen. Aber ich brauche Hilfe.”

“Welcher Hilfe?”

“Ich bedarf der zwölf stärksten Männer Rottweils, die es mit bloßen Händen je mit einem Rottweiler aufnehmen können, Hunde lieben, je gerne einen guten Rottweiler hätten.”

Der alte Rat wog seinen Kopf hin und wieder, sagte schließlich: “Ich werde dir die Männer schaffen. Wir treffen uns morgen Abend in der Rottweiler Stube, allwo ich dich kennengelernt. Um die Zeche mache dir schonmal keine Gedanken.” (weiterlesen…)

Konstantin in Rottweil

Freitag, 10. Mai 2013

In den zwei Tagen, die Konstantin brauchte, Rottweil zu erreichen, endlich durchs Schwarze Tor zu schreiten, dachte er immer wieder an das Gesicht mit dem Männlein auf dem Feldberge, zumal dieser Spruch, den es ihm gesagt, wollte ihm nicht aus dem Sinne:

“Was weißt du denn schon davon, was du gelernt!”

“Wie soll ich, Heidenblitz aber auch, wenig oder gar nichts von dem wissen, was ich gelernt? Heißt das, ich kann allerlei Sachen, dachte nur noch nie daran? Wie lernt man etwas so, dass man nichts davon merkt? Was könnte es denn alles sein, das ich schon gelernt, aber noch nichts davon weiß?”

Inzwischen waren Brot, Zwiebel, Käs, Schinken und Wein aus Freiburg aufgebraucht, und Konstantin brachte einen guten Wandererhunger und -durst mit in die schmucke kleine Stadt am Neckar, die für ihre Fasnet, also auch für keinen Mangel an Narren, wenigstens zeitweis im Jahr, weithin berühmt. (weiterlesen…)

Was alle gerne könnten: Schwäbisch

Dienstag, 07. Mai 2013

Ich darf nicht anders, kann nicht anders, es ist schlicht meine Pflicht, einmal wieder geradezurücken, was in der Welt schief.

Heute geht es um die verachtete, verleumdete, allfällig unter großen, um desto hilfloseren Mühen Herabsetzungsversuchen ausgesetzte schwäbische Mundart.

Woher dieses Ressentiment, diese Wut, die manchmal sogar – in Berlin inzwischen endemisch – in offene Feindseligkeit mündet?

Man kennt die üblichen Argumente: Das Schwäbische sei unverständlich, in seiner revoltierenden Primitivät einzigartig, es beleidige gar das Ohr von Südhessen, Leipzigern, Oberpfälzern.

In Wirklichkeit ist es der Neid, der aus diesen Unflatwürfen ersichtlich.

Denn das Schwäbische ist die aristokratischste Mundart aller. (weiterlesen…)

Erfreuliches aus Südschwitz

Montag, 06. Mai 2013

Es war ganz schön haarig, doch hat Norddoof (Berlin) den Finanzabschakalen in Südschwitz die Geschäftsgrundlage endlich entzogen. Wir sind sozusagen nicht mehr offshore.

Ollis beinahe schon randalierende Rentner, eine gute Koordination der Prostestaktionen der Hintlinge, Zenzis beherzter Einsatz, schildernd, welch kinds- und sittenverderbliche Elemente da unerträglicherweise nach Südschwitz hereingebrochen seien, dass sie, selbst, wofern dieser Unfug nicht bald ein Ende gesetzt bekomme, sich einem Hintlingshag anschließen wolle (die Hintlingshage, also in diesem Zusammenhang auch Widerstandsgruppen, werden, die Hintlinge meinen, das sei schlagkräftiger, geschlechtergetrennt geführt), und zwar zackig, zudem meine subtile Katastrophetie in Wort und Schrift, sollte der Pest nicht entschlossen gewehrt werden, taten ihre Wirkung.

Die Finanzabschakale sind gutteils schon weg, und der Rest sitzt auf gepackten Koffern.

In Freiberg war es schon vorgekommen, dass junge Burschen nachts, kaum zu bändigen, bis zum Morgengrauen skandierten:  ”Gesindel, Geldschwindel, raus!”

Abgesehen von dieser unser Gemeinwesen in Südschwitz überaus förderlich betreffenden Entwicklung ist Mona, nachdem der BND das zwar freiwillig, aber im Ergebnisse doch eher unfreiwillig, dabei sehr gut bezahlt, eingefädelt hat, jetzt fast schon wieder ganz richtig bei Olli. Sie ziert sich noch ein wenig, aber das hat ja auch seinen Reiz. (weiterlesen…)

Konstantin auf dem Feldberge

Montag, 06. Mai 2013

Konstantin wusste aus Freiburg nur noch eins: Hinauf! – Also erstieg er, fast wie als ob blind und taub, der Landschaft kaum achtend, kaum, dass er zwischendrein einmal rastete, den Feldberg, wo er zum Sonnenuntergang ankam. Unter ihm alles sichtbare Land, über ihm nur der klare Maienhimmel.

Nachdem er einen Platz für die Nacht ausgemacht, wo es nicht zu zugig werden sollte – an manchen Stellen lag noch Schnee – , setzte er sich auf einen einsamen Stein, schaute allumher, trank einen Schluck von jenem vortrefflichen Riesling, den Gerlindes Hans ihm mitgegeben, und schließlich, da er den ganzen Tag nichts gegessen hatte, nicht einmal ein Konstantinsmagen sich vom langen Wandern füllt, griff er, zunächst zögerlich, dann immer zupackender, auch zu Brot und Schinken.

“Haltloser Vagabund du!” – rief er in die Abenddämmerung, alsda sich in den Tälern schon feine Nebelschleier bildeten.

Venus zeigte sich schon am Horizonte, die Nacht versprach kristallklar und kalt zu werden.

“Kann ich nicht ein anständiger Mann sein, so wie Hans?”

“Will ich immerzu unstet wandern, bis dass ich als Greis, allein, gebrechlich, von einem dunklen Stege in ein rauschendes Wasser rutsche, erbärmlich, felsenzerschunden, einsam ersoffen?”

“Was treibt mich noch, wozu immer irgendwohin?”

Da hörte Konstantin ein seltsames feines Zischen, es schien, als dränge es von unten, aus dem dichten Tann herauf, und nach und nach begann die Luft um ihn zu sirren. Endlich ein Rascheln, er wand sich um, und gewahrte ein winziges Männlein, gerade eine Handspanne lang, das mit fröhlichem Gesichte einen fingerhutgroßen Becher hob, freundlichen Gesichtes, gebärdenmäßig, einen Schluck vom Rieslinge begehrte. (weiterlesen…)

Konstantin und der Abgender (II) und mehr

Mittwoch, 01. Mai 2013

Konstantin hat sich gemeldet. Noch aus Würzburg. Er zog gleich am Schnürchen und erzählte, was er Mister Pete Reuben Randolf Dooley zum Thema “The Genes Of Gender Studies” an der Uni öffentlich gefragt habe:

“Dear Mr Dooley, I am appalled by my detection of the veraciousness of Your benign words, and, to keep it short, would endeavor to pose You just one brief, thoroughly benevolent, even if it be a dire one, humble question.”

Dooley guckte ein wenig überrascht, schien aber Herr der Lage und entgegnete, höflich-kühl, plotzlich sehr traditionally English in Mimik und Gestik: “Go ahead, Sir.”

“Then, well, I just don’t get it. The rams, for their own good, abducted from their natural mates to live duly in their own republic of 100% gender equality, how then will they procreate, to make this fine state not only stable, but thrive to eternal light?”

Nur etwa 5% im Saale hatten die Frage gleich zur Gänze verstanden, und Mr Dooley gehörte, auf seine Weise, dazu. Sein Gesicht verfärbte sich rot, und er rang nach Worten. Schließlich fand er sie. Totenstille im Saale.

“Mr Buffoon, whatever be Your name, I want You to leave the premises. I shall not answer to vile slanderers.”

Alle waren gespannt, was Konstantin nun seinerseits tun werde. Der ließ sich etwa sieben Sekunden Zeit, worauf er sehr leise sagte: “But, Mister Pete Reuben Randolf Dooley…” – woraufhin Dooley den Ausraster bekam und als wie ein Eastender, dem man das letzte Bier mutwillig vom Tresen geschüttet, brüllte: “Git aout bastird!” Alle waren etwas entsetzt ob der Verschärfung der Veranstaltung und ob der sich überschlagenden Stimme des Vortragenden.

Konstantin erhob sich gemessen, warf sich mit einem Lächeln in seine lederne Joppe, und entgegnete beim Gehen (er saß ja direkt an der Saaltür) nur noch: “You are definitely, if only temporarily, the landlord here, Sir. And an astounding one at that.”

Wenige Minuten später hatten alle den Saal verlassen. Dooley hatte die Veranstaltung stammelnd als beendet erklärt – wie Konstantin gleich draußen erfuhr, von einem wackeren Österreicher, gerade in Würzburg studierend, der ihn lachend kurz bestürmte – , und Konstantin war es erstmal recht zufrieden.

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Nun muss der Abspann der Geschichte von Konstantins erstem Entmüßigungstage in Würzburg, der ja auch noch in einen längeren Abend mündete, erstmal zurückgestellt werden, da es noch Wichtigeres zu berichten gibt.

Konstantin sagt dazu fast nie etwas, aber seine Gerlinde, die tapfere Wirtin zu Freiburg, mit ihrem Söhnchen, sie fehlen ihm gar sehr; er habe so ein Gefühl, dass er mal wieder bei ihr sein müsse, er besser ganz überraschend komme, zu sehen, wie die Dinge wirklich liegen, die sie, ihn nicht zu beunruhigen, ihm vielleicht nicht gleich oder zur Gänze offenbaren werde.

Es wird also weiterhin erstmal nichts mit Hamburg: Freiburg ruft.

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Es war, nach dieser Genderei, es war gerade mal halbert Zehne, klar, dass der kurze Hinanstieg zur schlafenden Erholung auf der Festungswiese (man findet dort auch allerlei stille Bänkchen, mit Blick auf die illuminerte Stadt) noch nicht angezeigt, also da es recht lenzenskühle geworden, noch ein Wirtshaus etwas Weines zu ersuchen. Aber nicht eilig, eher schlendernd, denn er hatte die Würzburger Innenstadt, all der Studenterei halber, noch keineswegs insgesamt durchstriffen, und nicht lange, da gewahrte er einer Weinstube, die sich “Weinhaus zum Stachel” heißt.

Er lachte zuerst, drang auch kurz ein, doch die Stadtratsgesichter, derer er dort sahe, zogen ihn auch gleich wieder hinaus.

(Er hat mir aufgetragen, nicht zu verraten, in welche Studentenkneipe, die auch guten Wein hat, was selbst zu Würzburg leider nicht selbstverständlich, Konstantin dann geriet.)

Siehe da, wie es der stets lauernde Zufall wollte, dorten wieder eine, diesmal, Doktorandin, die auch auf dem Vortrage gewesen, mit ihm zum Nachgespräche zu sitzen kam, eine, wie Konstantin es benamte, “recht Ansehnliche”, mit der die Unterhaltung freundlich anhub, wobei sie aber zunächst recht fahrig war, bis Konstantin ihr schließlich nach und nach ihre Unsicherheit nahm, sie mehrfach beruhigt hatte, dass mit ihm durchaus vernünftig zu reden sei, sie solle doch sagen, was sie beunruhige, kurzum, bis sie fragte: “Warum machst du sowas?” (Sie heißt wohl nicht Direkta, aber immerhin, zwar auch nicht Margarete, Gitte.)

“Weil es Spaß macht”, versetzte Konstantin.

“Haha. Weil es Spaß macht. Selten so gelacht. Wat’n Kalauer. Du bist kein gewöhnlicher Spaßmacher oder Clown. Außerdem hat es den meisten im Saal gar keinen besonderen Spaß gemacht. Und dass das so sein werde, wusstest du im vorhinein genau. Du hast eine Agenda.”

Konstantin merkte auf. Er habe also sogar eine Agenda. Gitte hatte selbst irgendwo einen Plan, das war klar.

“Darf ich mal kurz fragen, in was du promovierst? Entjokundologie etwa?”

Das war natürlich, mit dem Zusatze, recht frech, wenn nicht gar unhöflich von Konstantin, und er wusste das. Gitte aber ließ sich nichts anmerken, brauste nicht ein bisschen auf, sagte nur knapp, in ihrem klar norddeutschen, wenn nicht Hamburgerischen Tonfalle: “Es ist ein psycholinguistisches Thema, man könnte es auch pragmalinguistisch nennen, das hier zunächst nichts zur Sache tut.”

Nun war Konstantin klar, dass kein weiteres Geflunkere mehr durchgehen werde. Er musste Farbe bekennen.

Also erzählte er Gitte, dass er schon immer ein unsteter Geselle gewesen, es ihn nicht lange an einem Orte hielt, er daraus, aus all dem, was er auf seinen Wanderungen gesehen und gelernt, schließlich versucht habe, eine Tugend zu machen, indem er sie mittels seiner eben auch fragwürdiger Possen und Streiche im Sinne seines älteren Bruders Till nicht nur zum Vergnügen zu bringen, sondern auch zum Nachdenken anzuregen trachte, ja, eine zweifelhafte Gestalt abgebend, in der Tat mit einer Agenda, wie Gitte das nenne, dem Plane, Menschen sowohl zur Freude einzuladen wie zur Besinnung.

Hernach, so Konstantin, war das Eis gebrochen, und sie fachsimpelten mitsammen immer wieder so hellen Gelächters, dass der Wirt nicht nur einmal mahnte; und indem sie sich gut nach Mitternacht und guter Zeche – Konstantin bekam zum Sommer hin noch eine Einladung auf den Reiterhof von Gittes Eltern – züchtig verabschiedet hatten, wird es wohl geschehen sein, dass Konstantin erkannte, erstmal gen Freiburg zu seiner Gerlinde ziehen zu müssen.

 

 

 

Heute wird walpurgt

Dienstag, 30. April 2013

Heute wird walpurgt.

Ich walpurge, du walpurgst

Er und sie und es walpurgt

Wir walpurgen, ihr walpurgt

Und sie: walpurgen.

Krise in Südschwitz (II)

Sonntag, 28. April 2013

In Südschwitz ist die Lage etwas eskaliert, einerseits, indem die OFH (“Organisation Freier Hintlinge”), deren meiste Rädelsführer ich das zweifelhafte Privileg habe, persönlich zu kennen, einen Pritschenwagen voller bereits brennnender Hanfstrünke nachts am Fuße von Freiberg abgekippt haben, jeder sahe die Lohe, drumrumtanzende Hintlinge, nackte Oberkörper, kurze Hosen, aber alle fest gestiefelt, also, dass die Stadtverwaltung wenig begeistert von dieser unangemeldeten Demonstration, Hartholtz reichlich beunruhigt, mancher Kiffer in der Hauptstadt befürchtete das Schlimmste, nämlich Rauchstoffknappheit, andererseits habe ich es geschafft, in Norddoof, in höchsten Kreisen in Berlin, immerhin schonmal für angestrengtes Nachdenken zu sorgen, ob die Dinge in Südschwitz eben doch nur dadurch zu lösen seien, dass man der Schweiz diskret einen Abstand bezahlt, die Briefkastenfirmen wieder untersagt, woraufhin den Geldbanditen die Geschäftsgrundlage entfiele, diese ob Arbeitslosigkeit sodann ohne jede weitere nötige Maßnahme eine freiwilllige Auswanderung vorzögen, also, dass der soziale Friede in Südschwitz wiederhergestellt werden könne, eine Entwicklung abgewendet, die das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland insgesamt weltweit zu beschädigen zu drohen nicht auszuschließen, kurzum, man gibt sich in Berlin kooperativ.

Mit irgendeiner fiesen Finte ist dabei natürlich noch jederzeit zu rechnen. Man sagt hier: “Wer Norddoof traut, wird von der Wüstenratz gefressen.” (weiterlesen…)

Voller als ein Volumen

Samstag, 27. April 2013

“Ich bin voller als ein Volumen!”

(Ein Spruch meines jüngeren Sohnes nach einem ihm geschmeckt habenden Mahle. Auf Anfrage vom Bruder für sich ebenfalls bestätigt. Alles weg.)

Konstantin und der Abgender

Samstag, 27. April 2013

Konstantin, dem nach seinem ersten dionysischen Abende zu Würzburg klargeworden war, dass der dortigen Universität ein also schicklicher wie nachhaltiger Besuch abzustatten sei, durchstreifte zunächst ein wenig die Räumlichkeiten, indem er sich als wie ein Altstudent oder Doktorand führend, am Röntgen- und Sanderring, stadtaus am botanischen Institut wie am Hubland umtat, den richtigen Ansatz- und Angriffspunkt auszuerspähen.

“Oha!” – Was fand er da?

Einen kleinen, fast unschuldigen Aushang des Inhalts, dass am heutigen Abend um 19.30 Uhr im Zuge des Studium Generale am Sanderring ein berühmt schwuler Gastdozent, Mister Pete Reuben Randolf Dooley, zum Thema “The Genes Of Gender Studies” im großen Hörsaal einen englischsprachigen Vortrag mit anschließender offener Diskussion abhalten werde.

Das gefiel Konstantin natürlich, indem er den Entenbraten doch schon ziemlich abspaziert hatte, gar wohl, denn also würde er sich nur nochmal über einen Gerupften mit zwei oder drei Brezeln, einen geruhsam dazu genossenen Silvaner im rechten Biergarten, hermachen müssen, den Kamm zwischendrein mal angewendet, einem womöglich also lustigen wie zielführenden Abend entgegenzusehen.

Dummerweise, so schien es zunächst, sozusagen, redete sich Konstantin mit einem theoretischen Physiker und dessen Freundin, einer philosophisch sehr bewanderten Altphilologin, deromaßen fest, dass er doch zwei Silvaner trank und auch noch eine gute halbe Stunde zu spät beim Vortrage eintraf, alswo er sich ganz schräg hinten oben diskretest noch dazusetzte.

Er kam genau richtig. Das Männlein da unten hatte sich in eine Art der merkwürdigsten Ekstase geredet, es war, wirr wie alles war, klar, dass es sich binnen kurzem zu einem Entscheidungssatze hinansteigern werde, einem Schlachtrufe, einem Mantra, zur Quintessenz seiner Blödheit hin. Und natürlich kam der Satz schließlich auch. (Es setzte noch ein etwas extrapeinliches retardierendes Moment an, kam dann aber doch, wie zu erwarten, zum Hauptergusse.)

“Gender mens, gender means you are somebody!” (weiterlesen…)

Krise in Südschwitz

Samstag, 27. April 2013

Seit Zenzi die Schule leitet und wir Tisch und Bett teilen und keiner etwas dagegen hat, außer vielleicht einer, der zwar keine Schule leiten möchte, aber vielleicht anderes mit Zenzi teilen, ist die Welt für mich so schön und erbaulich wie seit langer Zeit nicht mehr, also, dass ich über diesen Himmel auf Erden auch nicht weitere unnötige Worte verlieren will.

Leider aber häufen sich extern, in ganz Südschwitz, auch hier in Buschhausen, die Probleme.

Die Schweiz hat mit der wie immer klammen Regierung in Norddoof ein Sonderabkommen ausverhandelt, demgemäß Schweizer hier zu Sonderkonditionen allerlei Geschäfte tätigen dürfen, sich auch ansiedeln, allerlei Briefkastenfirmen eröffnen und Abschakalskapitalgeschellschaften einrichten. Das Gesocks, das da hereinbricht, will Blödbloß, da es nicht nur Sitte und Moral verdirbt in Südschwitz, sondern auch noch die Preise, in Freiberg schon arg, selbst in Buschhausen schon merklich, so dass es bei meinen Hintlingen, um es ganz vorsichtig auszudrücken, nicht eben sonderlich beliebt. Allzumal es ja nicht nur die korruptesten aller Schweizer sind, die hier aufschlagen, sondern auch noch all die Sonderschweizer, also jene Geldbanditen aus aller Welt, die mit Sondergenehmigung für eine Schweizer Sonderbriefkastenfirma tätig sind. Ein übleres Gesindel (sie machen bestimmt 70% jener Schmarotzer aus) wird die Welt, wenn je, nicht oft gesehen haben.

Es droht also ein veritabler Volksaufstand in Südschwitz. Hartholtz, der Standortkommandeur der Bundeswehr, das sagt mir Olli, ist schon ziemlich nervös. Er weiß genau, dass schon ein vierzehnjähriger Hintling drei bis fünf von jenen enddekadenten Hänflingen mit bloßen Händen binnen Sekunden niederzuwerfen wüsste, ihre Pistolen, haben sie welche, wegbeißend.

Es sind grade mal schätzungsweise dreitausend, aber sie sind bei einer Bevölkerung von irgendwo über hunderttausend (keiner weiß genau, wie viele Hintlinge es wirklich gibt) trotzdem unerträglich. Olli meinte zu mir, und etwas Vernichtenderes kann man von einem so gewetterten Wirt kaum vernehmen, sie seien die verdammt nochmal schlechtesten Dummsäufer, die er je erlebt habe. Sie wüssten nichtmal, wie man halbwegs anständig vom Barhocker fällt. Ihr Geschwätz sei so unerträglich verblödet, wie das nicht einmal in der heruntergekommensten rheinischen Trinkhalle im Puffviertel sich je anzuhören hätte, da dort selbst Paule Penner mehr verbale Originalität aufbrächte, und wenn er sich den Rüsel grade mal wieder am Tresen angehauen. Ich hätte nie gedacht, dass Olli so über seine eigenen, auch noch sehr solventen Gäste ablästern könnte. Manches von dem, was er sagte, kann ich hier nicht hinschreiben, da diese Seite keine Volljährigkeitssperre reingewickelt bekommen soll, das Vokabular eines Altprofis seines Gewerbes manchen Fluch und Schimpf umfasst, also ausgeübt ward, wie ich es nun eben Ihrer geneigten Phantasie überlassen muss.

Wer die Geschichte von Südschwitz ein wenig genauer kennt, wird jetzt unschwer erraten, was Olli, als er sich wieder abgeregt, meinte, wir sollten auf diese ganze Scheiße jetzt erst einen alten Vintage Port nehmen, dann zu mir sagen wollte, was ich aber zuerst sagte, um ihm da mal ein Schnippchen zu schlagen, dass ich wisse, was er jetzt gleich sagen werde: “Oh je. Olli. Ich soll also den Oberkommissar und den Hartholtz irgendwie belatschern, den Hintlingen erklären, ich hätte alles im Griff, nebenher brav weiterunterrichten, wie als ob nichts wäre, schonmal beim Schweizer Oberattaché ein wenig auf den Busch klopfen, sozusagen nochmal nebenher die entsprechenden Schreiben an Medien und Politik in Norddoof also listig wie geschickte geschrieben, wie die Adressaten ausgewählt, recht zügig und eifrig versenden. Stimmt’s, oder habe ich recht?”

“Es stimmt natürlich, und du hast recht, aber das reicht nicht”, versetzte Olli, nach kurzer, leicht erstaunter Pause, sehr trocken. “Du musst überdies Tuchfühlung mit den übelsten von diesen Banditen selber aufnehmen. Was sonst.”

“Ach nee, Olli. Da lasse ich einen Punkt aus, und Du hast ihn sofort.”

“Deshalb sind wir so gute Freunde.” Wir tranken noch einen Port und berieten uns in Ruhe.

(Das war vor einer Woche. Hartholtz ist vorsichtig kooperativ, hat aber selbstverständlich schwer die Hosen voll. Der Schweizer Obermufti hat mich kurz empfangen, meine etwas verschwurbelt vorgetragenen Bedenken angehört, ohne allerdings viel dazu zu sagen. Und einen Abend musste ich mit einigen von den fettesten dieser Vollidioten trinken. Dabei ergab sich ein gemischtes Bild. Einige von ihnen lachen nur über den Widerstand gegen ihre Präsenz, anderen aber ist doch schon mulmig. Das sind die mit den besseren Instinkten. Den einen oder anderen von denen werde ich wohl nochmal treffen müssen. Die Briefe gen Norddoof sind in Arbeit. Ich brauche mindestens drei verschiedene gute Briefe, richtig gute. Eine verdammte Scheißarbeit. Ich darf keinen Fehler machen. Nicht einmal daran denken, dass ich einen machen könnte. Es muss alles wie von Zauberhand geschehen.)

Meine Wirtin (Vom Menschsein) II

Freitag, 26. April 2013

Ich erzählte meiner Wirtin, dass ich von ihrer Klugheit geschrieben habe, anonym, auch davon, wie hart sie arbeite, nicht erwähnend, dass sie uns allen ein zweites Wohnzimmer biete, aber dessen, dass sie sich wohl kein anderes Leben als dieses wünsche.

Sie freute sich, fast beschämt ob der Ehrung, und sagte: “Ja, Magnus, die Leute hier sind doch meine Familie!”

(Sie hat einen Mann, zwei erwachsene Töchter und ein Enkelchen.)

Jenseits von Bill und Unbill

Donnerstag, 25. April 2013

Der Nachhall kurzer, einfachster Sätze von Verstorbenen, die man liebte, kann gewaltig sein. Immer wieder kommen sie zurück, entfalten sich nochmals neu, wie als ob zum ersten Male gehört.

Es ist, wie als ob der oder die einen verließ einem nicht nur ein sich stets erneuerndes Geschenk mitgegeben hätte, sondern auch noch ein immer wertvolleres.

Kaum je wird das demjenigen zum Zeitpunkte der Äußerung bewusst gewesen sein, was er da hinterlassen werde.

“To live in the hearts of those we leave behind is not to die.” (Thomas Carlyle)

(“In hinterbliebenen Herzen leben heißt unsterblich sein.”) (Meine freie Übersetzung)

Diese Sätze sind keineswegs nur in Augenblicken der Niedergeschlagenheit, des Gefühles des Verlustes da; sie sind auch Wegweiser zur Erneuerung, zu neuem Glücke.

Sie sind ein Erbe, von daher das wertvollste denkbare, dass man es nicht durchbringen kann, solange man nicht gänzlich den Verstand verliert.

Es ist, wie als ob der Verstorbene sich stets erneuernde Welten in einen gepflanzt.

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Gestern traf ich den Weinschlumpf (auch einen etwas überdrehten Ami und eine neugewonnene Freundin, mit denen ich mich dann unterhielt). Er trug im Schummerlicht eine dunkle Brille, derer ich ihn, verwundert, befrug, war gestürzt, das verletzte Auge aber schon etwas besser. Der Weinschlumpf hat meinen Freund James, der angelegentlich lästerte, der Weinschlumpf söffe zuviel, schon souverän um ein paar Lebensjahre übertroffen.

Ich glaube nicht ans Trinken. Aber auch nicht ans Nichttrinken oder mäßig Trinken. Letzteres allerdings in dem Sinne schon, dass man Frauen oder gar Wirtinnen nicht unmäßig angrapschen solle. Und nicht nur trinken, sondern auch etwas schaffen.

Der Weinschlumpf lacht fast immer (ich habe ihn nur einmal traurig erlebt, er gab freimütig zu, heute etwas niedergeschlagen zu sein; er war verheiratet und hat zwei Kinder, also nicht nur Trollingererfahrung), sein Deutsch ist noch beim letzten Weine makellos, kann Französisch “comme une vache espagnole”. Er macht nie Ärger und findet immer allein seine Bahn in den Westen.

Er ist ein begnadeter Zeichner, verdient sich damit, bald 70, noch ein Weingeld dazu, dabei sicherlich nicht, was man landläufig als glücklich bezeichnet, aber gewissermaßen schon jenseits von Bill und Unbill.

Ich will den Weinschlumpf noch in fünf und in zehn Jahren weinschlumpfen sehen.

(Hoffentlich lacht er sich vorher nicht tot, weil ihm ein Arzt empfohlen, er solle weniger trinken. Aber auf so einen Rat hin sagte er wohl, dass es die Natur ja schon dahingehend gerichtet habe, indem er weniger vertrage als früher.)

 

 

Keine Dulcinea bitte!

Mittwoch, 24. April 2013

Grade sah ich mich (nur um zu sehen, ob ich so das Haus verlassen könne, sonst mache ich das aus guten Gründen, außer beim Rasieren, nur sehr selten) im Spiegel an und dachte spontan: ‘Mein Gott, guck dir den an, mindestens eine Rasur und etwas mehr Contenance könnte nicht schaden.’

Wie bringt es einer, der doch am Abend vorher keine zwei Flaschen Absinth getrunken, fertig, noch am Nachmittage so auszusehen?  (Ich hätte wirklich nicht – bin ich ein Weib? – in diesen blöden Spiegel sehen sollen.)

Zuerst kam ich auf den Gedanken, dass Denken die Schönheit (selbst die s e h r relative) nicht befördere, verwarf diesen dann aber, zuwenigst aus Trutz.

Den Spiegel verantwortlich zu machen, verwarf ich noch schneller.

Sodann kam ich auf die Idee, dass es mir der Lust fehle.

Das erklärte die Sache aber auch nicht. Es mag mir zwar nicht selten der Lust fehlen, zu spülen, putzen und aufzuräumen, grundsätzlich aber leide ich nicht an Lustfehl.

Da ich von gestern auf heute kaum zehen Jahre älter geworden sein kann, mir in dieser Zeitspanne keine üblere als die übliche Unbill zuteil ward, kann es fast nur noch daran liegen, dass ich (abgesehen von den zu stutzenden Barthaaren) zu schlecht, zu pessimistisch hinschaute.

Keine allzuüblen Träume, Mephistopheles, dessen ich mich ja gerade, den Faust erklärend, wieder mehr beschäftige, als ihm wohl lieb, traute sich erst recht nicht an mich heran, sich noch mehr meines Spottes einzuhandeln, womit normalerweise nur noch eine andere vernünftige Erklärung bliebe, nämlich jene, dass ich unglücklich (oder überhaupt) verliebt sei.

Davon weiß ich aber auch nichts.

Bin ich jetzt schon in eine verliebt, ohne dass ich das mitbekommen hätte?

Bei näherer Betrachtung wird man wohl eingestehen müssen, dass es selbst derlei idiotisch-tragische Fälle wohl schon gab.

Hülfe es mir jetzt, herauszufinden, wie sie heiße?

Meist schadet es der Genesung, wenigstens dem Arzte, der ja auch von etwas leben will, nicht, zu wissen, woran der Patient leidet. Sollte ich aber tatsächlich verliebt sein, so wäre ich mir da nicht so sicher.

Wäre es nämlich so, so wäre es sehr wahrscheinlich besser, ich vergäße es einfach, was weitaus schwerer fiele, wüsste ich, in welche konkrete Dulcinea.

Also gut: Ich weiß es nicht und will es auch lieber nicht wissen.

Alles war nur eine momentane psychische Belastungsstörung, ich gehe nachher zum Lidl, rasiert, wie als ob nie etwas gewesen wäre.

Meine Wirtin (Vom Menschsein)

Mittwoch, 24. April 2013

Meine Wirtin ist mit Sicherheit eine der klügsten Frauen, die ich je kennengelernt. (weiterlesen…)

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