Archiv für die Kategorie ‘Schönes’

Zeitreisen: Wie soll das funzen?

Freitag, 12. Juli 2013

Ausgehend von einer Erörterung der Reinkarnationslehre mit dem ungläubigen Thomas Magnus hat mich Leserin Lisa mal wieder in ein neues Thema hineingestolpert. (Ich bitte darum, mir zu verzeihen, dass ich hier zunächst schon Gesagtes “wiederverwerte”. Das Thema ist aber einen eigenen Beitrag wert. Und so ist es einfacher.)

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/07/08/der-goller-glaubt-und-ein-reinkarnationist-weis/

Sie schrieb, indem wir auf das Thema Zeit gekommen waren:

‘Ja, tatsächlich gehe ich davon aus, dass es nur die Gegenwart gibt. Alles ist jetzt. Aber die menschliche Wahrnehmung ist (noch) zu träge, um diese Komplexität zu erfassen. Deshalb “schreiten” wir die Ereignisse ab und das generiert die Zeit. Eigentlich ist es eher ein Springen von Parallelrealität zu Parallelrealität, die jede für sich eine vollkommen neue Realität ist. Das erklärt auch, warum der Wahl eines anderen Glaubens auch eine andere Realität folgt. Und da alles in der Gegenwart ist, sind natürlich auch “Zeitreisen” möglich.’

Der letzte Satz dieser Passage ist wohl der wichtigste. (Ich sah es auch so, dass es nur eine Zeit gibt.)

Ich schrieb bislang dazu:

‘Eine interessante Schlussfolgerung. Ich kann sie allerdings aus irgendeinem mir noch nicht so recht klaren Grunde nicht gleich unterschreiben. Es haftet ihr jedenfalls etwas Paradoxes an.

Der “Reinkarnationist” ist übrigens auch von der Möglichkeit von Zeitreisen überzeugt. Ich werde ihn bei nächster Gelegenheit mal fragen, was er von Deiner diesbezüglichen Logik hält.

Ich selber kann es jedenfalls bislang nicht sortieren, wie der Kosmos physische Zeitreisen aushalten solle. Wenn es da keine Zeitreisepolizei gibt, wie viele meinen, dass die Sache, damit kein totales Chaos ausbricht, reguliert sein müsste, was nicht gerade ein erhebender Gedanke, weiß ich auch nicht, wie das funktionieren solle.

Man könnte natürlich auch postulieren, dass nur die Leute in der Lage sind, physische Zeitreisen anzutreten, die geistig so reif, dass sie keinen Unfug treiben.

Den Schuh zöge ich mir dann schon lieber an.’

In der Tat habe ich immer, wenn ich über das Thema nachdachte oder es mündlich diskutierte, meine Schwierigkeiten gehabt, egal, welches Modell einer verfocht, wie es da nicht den ganzen Laden auseinanderhauen möchte, es sei denn, man hätte nach jeder Zeitreise einen Gedächtnisverlust, was die Sache ja auch nicht sehr verlockend machte. Da war ich mal in der Zukunft, und dann weiß ich nichts mehr davon und denke, ich hätte die Zeit im Gartenstuhl verdöst. (weiterlesen…)

Beinahe ein Berliner

Mittwoch, 10. Juli 2013

Berlin hat wahrlich einen morbiden Charme. Trotzdem kann man dort gut leben. Manche leben gerade deshalb dort.

“Schimmeln ist in Berlin Bürgerpflicht”, sagte mir mal ein Berliner, mit Schimmeln meinend, dass man jederzeit und immer irgendwo möglichst angenehm herumgammle.

Beinahe wäre ich dort gelandet.

Irgendwo in einem Park oder nächtens auf einem Kiez mit der Bierflasche in der Hand herumgammeln gefällt mir nämlich sehr. Das liegt daran, dass ich so sehr zum Schaffen neige, der endemischen Schwabenkrankheit, dass mir diese Art des Ausgleichs sehr behagt.

So habe ich mir denn mein Klein-Berlin, wo ich fast völlig gnadenlos schimmeln und gammeln kann, in meiner Stuttgarter Stammkneipe eingerichtet.

Da schwatze ich dann mehr oder weniger sinnlos oder sinnvoll heraus, wie es sich grade ergibt, oder ich lese, weil ja sonst nichts Unerhebliches zu tun, derzeit, meinen Montaigne.

Für Berlin hätte ich wohl nicht getaugt. So viel Schimmeln, wie dort Bürgerpflicht, das schaffe ich nicht.

Ich erinnere mich an einen Abend, na, es ward schon der Morgen, da hatte ich die ganze Nacht lang, zu Kreuzberg, keinen einzigen Schnaps getrunken, nur brav mein Bier. Ich wollte frühe, ungeschlafen, ich vertrinke mein knappes Geld lieber, denn dass ich es verschliefe, zumal in Berlin, bahnweis, gen Neustrelitz. (weiterlesen…)

Der Göller (glaubt!) und ein Reinkarnationist (weiß!)

Montag, 08. Juli 2013

Gestern hatte ich eine interessante Diskussion mit einem, der an die Reinkarnationslehre glaubt, nun, er selbst habe Gewissheit, dass diese richtig sei, meinte er, was ich nicht länger in Zweifel stellte, denn das hätte kaum Sinn ergeben.

Es ging sodann darum, dass mein Gesprächspartner weiterhin anführte, Leute, die daran glaubten, sie verlöschten nach diesem ihrem einen Leben gänzlich, seien generell brutaler und skrupelloser als jene, die an die karmischen Gesetze glaubten bzw. davon wüssten. Ich bezweifelte das.

Leider kam mir in dem Moment nicht wieder die Geschichte in den Sinn, die mir mein verstorbener Freund James, der viele Jahre in Indien zubrachte, erzählte (die ich in einem anderen Beitrag auch schon erwähnte).

Durch einen Zufall, der Sohn des irischen Botschafters war sein Kumpel geworden, hatte James eine Einladung zu einer Maharadscha-Hochzeit erhalten, die über drei Tage in unvorstellbarem Prunke gefeiert ward.

James nutzte die Gelegenheit, den Maharadscha selbst darauf anzusprechen, wie sich das denn mit all den Siechen und Verhungernden, die in Scharen gleich vor den Palasttoren in ihrem Kote vegetierten, vertrüge.

Jener antwortete nur, etwas verwundert ob der dummen Frage: “It’s their Karma.”

Keinerlei Empathie, keinerlei Gewissen, völlige Gleichgültigkeit bei diesem reinkarnationsgläubigen Hindu, der, das darf man vermuten, seine adlige Geburt wohl seiner erlesenen Lebensführung in vorigen Inkarnationen zuschrieb.

Und: Wenn einer glaubt, dass er nur dies eine Leben habe, wieso sollte er es nicht gerade deshalb besonders gut und sinnreich erfüllen wollen? (weiterlesen…)

Aufruf zum Boykott der Bundestagswahl (VII)

Sonntag, 07. Juli 2013

Sollte jemand, außer dem Wählen einer nicht im Bundestag vertretenen Partei und Strafanzeigen wegen Grundgesetzbruchs und Landesverrat, ein besseres Mittel wissen, als den von mir geforderten aktiven Bundestagswahlboykott, Souveränität wenigstens als Einzelbürger deutlich und wirksam zu zeigen, so stelle er bitte seine Idee, die ja durchaus auch ergänzend umgesetzt werden könnte, bitte hier zur Diskussion.

Was sonst können wir Deutsche jetzt tun?

Affengleich auf Bäume klettern, dabei hoffen, dass ein Hochwasser alles Gesindel wegspült?

Spottverse dichten? (Das wäre schon sinnvoller; vielleicht fällt mir noch einer ein.)

Jegliche Kommunikation über Telefon und Netz einstellen? (Das ruinierte leider unsere Wirtschaft, wäre also nicht zielführend.)

Endlich doch zum großen Pissdrauf zum Reichstag? (weiterlesen…)

“nsa deutschland scheiß nsa”

Mittwoch, 03. Juli 2013

Eben landete einer durch der Welt größte Suchmaschine bei mir über die Kombination

“nsa deutschland scheiß nsa”

auf dem Artikel

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/07/01/nsa-skandal-deutschland-von-lugnern-oder-von-vollpfosten-regiert/.

Ich hoffe, dass es ihm hier gefällt.

(Ich grüße Sie herzlich. Sie verstehen offensichtlich etwas von intelligenter Weltnetznutzung.)

“Ein Gau für den Rechtsstaat”: Welcher? Wieso bloß einer?

Mittwoch, 03. Juli 2013

Anlässlich des Vorgängerartikels “Heribert Prantl über die wahren Großterroristen“, in dem ich dessen Videobeitrag “Ein Gau für den Rechtsstaat” würdigte, kam mir eben trotz der tristen Thematik das Lachen.

Welchen deutschen Gau hat sich Prantl eigentlich ausgesucht, dass der für den Rechtsstaat stehen solle? Weser-Ems? Hessen-Nassau?

Und warum sollte eigentlich nur ein Gau für den Rechtsstaat stehen?

Dieser arme eine Gau wäre im Handumdrehen derart von deutschen Zuwanderern aus anderen Gauen überrannt, dass das nicht einmal Sachsen oder Bayrisch Ostmark ordnungsgemäß bewältigen könnten.

Nein, Herr Prantl, ein Gau für den Rechtsstaat, das wäre zwar ein Anfang, aber hier muss ich doch in Anlehnung an Meister Ché sagen: Schafft zwei, drei, viele Gaue für den Rechtsstaat!

Ich hätte auch gar nicht gedacht, dass der Bayer Prantl sich noch so wohlwollend der Bayern-Hymne erinnert, die er wohl in Kindestagen auch einmal gesungen haben mag:

1. Gott mit dir, du Land der Bayern,
deutsche Erde, Vaterland!
Über deinen weiten Gauen
ruhe Seine Segenshand!
Er behüte deine Fluren,
schirme deiner Städte Bau
Und erhalte dir die Farben
Seines Himmels, weiß und blau!

2. Gott mit dir, dem Bayernvolke,
dass wir, uns’rer Väter wert,
fest in Eintracht und in Frieden
bauen uns’res Glückes Herd!
Dass mit Deutschlands Bruderstämmen
einig uns ein jeder schau
und den alten Ruhm bewähre
unser Banner, weiß und blau!

Ja, da gaut und bruderstammt und deutschlandet es noch richtig rechtsstaatlich. (weiterlesen…)

Konstantin hamburgt ins Alte Watt

Samstag, 29. Juni 2013

‘Nein, am Kaufmännischen wirst du die Hamburger nicht so leicht packen’, sagte sich Konstantin, indem er das zweite Fischbrötchen verdrückt und sein Flens geleert hatte, wobei sein Blick auf ein hässliches Hochhaus fiel, auf dem in großen roten Lettern stund: DER SPEICHEL.

‘Oh’, dachte er bei sich, ‘nun bist du also unversehens visavis vom Speichel gelandet, und das, indem in Hamburg mal die Sonne scheint. Ein Zeichen.’

Konstantins Jagdinstinkt erbob. Dorten, in diesem scheusäligen Palaste der Buchstabenschändung und -verschleuderung, allwo so viele nutzlose aufgeblasene Fanten dem Werke der Volksverdummung, ihrem alleinigen Auftrage, täglich nachgingen, war der Ort, dass er den Hamburgern das Lachen über die dummen Münchner verderben werden müsse.

Ein Plan musste her. Die Sache wollte gut bedacht sein.

Da sahe er unweit eine Frittenbude, allwo er meinte, sich nähere, zielführende Kunde über die Insassen jenes Mentalasyls verschaffen zu können, was ihm umso wahrscheinlicher erfolgreich bewerkstelligen zu können deuchte, sintemalen er, indem er sich näherte, daselbst einiger Gestalten gewahrte, die genau so aussahen, wie man sich jene Sorte Schmierfinken und -finkinnen vorstellt, die noch den letzten Vorteil aus dem Elbschlick lesen.

Also ganz hin, ein Jever bestellt, ein bisschen einen auf dumm und Zufall gemacht. (weiterlesen…)

Konstantin lernt Hamburg

Donnerstag, 27. Juni 2013

Konstantin erwachte recht frühe, richtete sich einigermaßen, machte am Rezeptionsrechner noch ein paar Zweithandläden aus, begab sich durch Hamburg, geeignete Garderobe für einen auszumachen, der in der Kaufmannsstadt zum Hoch-, Tief- und Normalstapeln geeignet sein möchte.

Der erste Laden, Connies Butze, war von eher allzu geckenhaftem Sortiment; doch fand er daselbst nach einigem Stöbern immerhin einen preiswerten Schottenschal, alswie ein Paar lila Lackschuhe, von denen er zwar noch nicht wusste, wozu sie taugen sollten, doch sagte ihm eine innere Stimme, dass die ihm bei seinen Unternehmungen noch zupass kommen könnten.

Hernach, im Hanse-Bestpreis-Knaller, allwo eine jener unvergleichlichen blonden Hamburger Schönheiten, etwa sein Semester, Dienst tat, dass er sich kaum auf die Hosen- und Sakkosuche allein zu bedingen wusste, widerfuhr’s ihm wie folgt.

“Daaf ich döhm Herrn helföhn?”, frug sie ihn schließlich freundlich in wunderschönstem, hellem, norddeutschem Singsang, in schwarzen Stiefeletten, knielangem lindgrünem Rock und glanzdunkelblauer Satinbluse, also, dass Konstantin sahe, wie schönste Knospen eben nicht nur im sonnenverwöhnten Breisgau gedeihen und erblühn, sondern auch unter meist nieselregnerischen Himmeln.

“Äh”, sagte Konstantin – er hasste es, einen Satz also zu beginnen – “wofern mir Frau Chefin dabei hülfe, sicherlich darin erfahren, einem kleinen Geschäftsmanne zu geeigneter Behosung und Bejackung zu raten, wäre sie meiner Dankbarkeit und umgehenden artigen Bezahlung angemessenen Kleides allergernst gewiss.”

Konstantin war sofort klar, dass er mit seinem aufgeblasenen Geschwätz deutlich übertrieben hatte, rechnete mit einer saftigen Riposte, doch die Hamburger Kauffrau, wo eine Münchnerin wohl zwei Sekunden verdutzt geguckt hätte, vielleicht gar etwas Unprofessionelles vor sich hingegrummelt, ließ sich, außer einem kurzen, aber doch sehr adrett wirkenden hauchfeinen Stirnrunzeln, nichts anmerken, musterte des Patienten Art und Größe ruhig und meinte: “Wenn der Herr sich einen Moment setzen möchte, ich werde ihm ma’ ‘n büschen wat beisammentun.” (weiterlesen…)

Krabbelikrabbela: Der liebe Magnus ist da!

Donnerstag, 27. Juni 2013

Ich dächte zuviel, sagte mir vorgestern beim Biere eine gute Bekannte, ich möchte das lassen, stattdessen mehr fühlen. Abgesehen davon zu dieser Anweisung erstmal die Klappe halten. Ich hielt sie, devot, so gut als möglich.

Das war lustig. (Es war auch sonst lustig. Ich durfte später, es war nicht nur ein Bier, auch noch ein bisschen was sagen.)

Ja, genau: Ich werde mir schonmal meine unnötigen Traktate hier nicht mehr erdenken, sondern einfach erfühlen. Klappt bestimmt obersander. Krabbelikrabbela: Der liebe Magnus ist da.

Meine Kinder konnte ich mir jedenfalls nicht einfach erfühlen, so wie all die Oberfühlanderen ohne, auch nicht erdenken, indem ich sie machte, allerdings sehr wohl mit Gefühl, und, ja, zudem gemeinsam beschlossen vorsätzlich, also mit Bedacht. (weiterlesen…)

Jesl, Heinz, Rudi und Gulgi (und Magnus)

Samstag, 22. Juni 2013

Mein lieber Herr Gesanksverein.

Ich war eben kurz auf einer Eso-Seite, wo es vor “verschmutzten Chakren” und (im Gegensatz zum Autor natürlich) unfähigen “Channelling-Lehrern” nur so wimmelte.

Jetzt muss ich unbedingt auch mal wieder ein bisschen aufgeblasenen Scheißendreck herausschwätzen, wenn auch etwas konventionelleren, damit ich nicht ganz aus der Übung komme.

Ich traf im Traume Jesus, Rudolf Steiner und meine letzte Inkarnation, den Heinz, schließlich auch Gulgi.

Jesl war recht aufgeräumt und freundlich, schien aber, im Gegensatze zu Rudi, der seine grundgriesgrämige Miene doch nicht ganz unter Kontrolle bekam, obschon er sehr aufgekratzt, etwas bedrückt, während Heinz fast ohne Ende damit nervte, er habe sich ja so angestrengt, dass aus mir mal etwas Besseres werde als aus ihm, und doch sei aus mir, nachdem er sich vierzig Jahre in einem buddhistischen Kloster für mich jedes Unfugs enthalten habe, ebenjener notorische Zwunzlallbacken geworden, dessen er jetzt angesichtig werden müsse.

Indem Rudi in einen sanktifikanten Stupor verfiel, ehe ich ihn noch zu fragen vermochte, ob Heinz mir da nicht etwas unrecht täte, tauchte unvermittelt Gulgalinetta auf, lediglich eine gemäßigte Stichflamme auf dem linken Epauletten-Amulett, sahe mich mit ihren lindwurmgrünen, kurzgestielten, wie immer gut gepflegten Schauodromen an und meinte: “Magnus, lass’ den Sauerkrautsaft nicht kippen.” (Sie nennt mein Bier immer so; sie hat was gegen Hopfen.) (weiterlesen…)

Harte Opfer für Volk und Vaterland

Freitag, 21. Juni 2013

Die Dinge in Südschwitz überschlagen sich gerade ein wenig.

Oberst Hartholtz bestellte mich unmissverständlich ein.

Er habe von meinem Gespräch mit “Sonderführer Rüb” (er nannte ihn wirklich so; welchen militärischen Rang Rüb nach heutiger Bundeswehrnomenklatur hat, mag Hartholtz wissen) Kunde; Rüb habe getobt, dass jetzt schon Kolonialdorfhilfsschulunterstmeister meinten, in Wehrbelangen, gar ungefragt, einen auf dicke Hose machen zu können, sich meinten verwagen zu dürfen, die deutsche Staatsräson auf die Probe zu stellen.

“Göller (schon wieder sprach er mich so präponderant an, wie ich es gar nicht gerne verputze), Sie wissen, dass ich Ihre Courage alswie Ihre Lehrtätigkeit alswie angelegentlich gar Ihr zur Überlosigkeit tendierendes Mundwerk schätze; ich weiß natürlich auch, mit welchen Kräften Sie hier eifrig zu konspirieren pflegen; auch davon, dass Sie darinnen ein von Ihren Grundabsichten her lupenreiner südschwitzer Patriot; das Ergebnis Ihres Auftritts im Goldenen Ochsen ist aber, dass ich jetzt Frau Stabsfeldwebel Ariane Nagel beigeordnet bekommen habe, die hier überall herumschleicht und dumme Fragen stellt, wie als ob sie diesen ganzen Standort an einem Tage furienmäßig mit bloßen Händen aus dem Sande gehoben hätte. Dass sie meinen Schreibtisch nicht schon auf vielleicht auszuerfindenden billigen Weinbrand kontrolliert, ist alles.”

Irgendetwas musste mir einfallen, das war klar.

“Wie sieht sie denn aus, die Frau Stabsfeld?”, fragte ich, einer spontanen Eingebung folgend.

“Was soll das denn, Sie abverkopfter Halbschwachmat?”, bellte Hartholtz, sichtlich nicht im Plane.

So schwer hatte mich Hartholtz noch nie beleidigt. Doch ich nahm es als ein gutes Zeichen und sagte erst mal nur, dass ich Durst hätte, ob es denn zu einer Unterredung dieser Tragweite nichts zu trinken gebe, also, dass einem die Zunge im Schlunde verkleben müsse.

Hartholtz war zwar immer noch schier am Platzen, aber er merkte, denn dumm ist er nun wahrlich nicht, dass ich eine Art Plan zu haben schien, plärrte also schließlich: “Pils oder Weizen?” – woraufhin der Stiefel-Manne zwei der letzteren, gut eingekühlt, zu bringen Befehl erhielt, alswelcher, schnelle ausgeführt, zum ersten Beruhigungsschlucke sinnig ward.

“Herr Oberst, mal ehrlich, ganz ruhig, wie sieht sie aus, die Frau Stabsfeld?”, insistierte ich.

“Es geht schon so”, grunzte Hartholtz, “wenigstens nicht schlechter als Sie”.

“Na, das ist doch schonmal was. Wie wäre es da mit ein bisschen Sororisierung? Es wird hier ja auch schon um Siebene dunkel.” (Hartholtz hat zwei schon erwachsene Kinder in Norddoof, muss also mal gewusst haben, was eine Frau, ist 45, zwar nur einssiebzig, aber seine blaugrauen Augen bohren durch Titan, und er ist ein Bild von einem Mann, zieht, wenn er mal wieder Lust dazu hat, die jungen Landser beim Leistungsmarsch ab, dass die nicht mehr wissen, woher sie zusammengewürfelt oder auch nur noch, wie sie heißen.)

“Göller, Sie sind ein übelst durchtriebener schwäbisch-hinterfotziger Hundsfott! Was wollen Sie mir da ansingen!”, meinte der Oberst noch sichtlich erregt, trank dabei aber sein Weißbier aus.

“Aus Ihnen hätte aber deshalb ein nicht untermittelmäßiger Soldat werden können, hätten Sie sich nicht nur in Ihre Bücher und die Nutzlosigkeit der Philosophei vergraben.”

“Nun, Herr Oberst, ich denke, wir haben uns verstanden. Intelligente diplomatische Lösungen sind immer die besten. Was spricht, in höchster Not, ganz altruistisch, ganz Offizier, die eigenen Mannen zu schützen, zur reinen Erfüllung des militärischen Auftrages, gegen eine horizontale Adjutantin? Der Stiefel-Manni bringt es ja wohl nicht so.”

Hartholtz schwieg. Für seine Verhältnisse lange. Schließlich meinte ich auf meine extreme Insubordination und Frechheit hin gar, ein halbes Lächeln um seinen linken Mundwinkel spielen zu sehen.

“Für heute werde ich mir den klassischen Genickschuss sparen. Eine Neunmillimeter ist zu schade für Sie, Herr Göller.”

“Na dann ist für heute wohl alles besprochen”, meinte ich noch, und Hartholtz wunk mich, etwas versonnen, aus seinem Dienstzimmer.

 

 

 

Deutsch-Südschwitz: Von der ersten Runde mit Rüb

Donnerstag, 20. Juni 2013

Nachdem die Erste Kifferkrise in aller südschwitzerischen Vernunft gütlich beigelegt worden, ging zunächst alles seinen Gang; unsere Schule – äh, Zenzis Schule – in Buschhausen hatte gar eine Belobigung aus Norddoof eingeheimst für “Außerordentliche Leistungen in der Pflege der deutschen Klassik an weiterführenden Schulen”, was uns zwar erstaunte, da die Werke der Freimäurer Goethe und Lessing bei uns nicht einseitig lobessatt besprochen werden, so dass wir fast geneigt waren, zunächst, eine Hinterlist befürchten zu müssen, womöglich dahingehend, dass man uns eine klimaunverträgliche Studienrätin anverspenden wolle, oder sonst eine Unbill wider uns setzen, was sich bisher aber zum guten Glücke nicht unter irgendwelchen Vorwänden ablehnen zu müssen als nötig erzeigte.

Doch dann rief Olli an.

“Magnus, der Busch brennt.”

Dieser Ausdruck entspricht hier dem, was man auf gemeinen Raumschiffen Alarmstufe Rot nennt.

“Der OK?”, fragte ich. (Das ist der Oberkommissar aus Norddoof, sozusagen der Statthalter hier, neben dem Obersten Hartholtz.)

“Nein. Dreimal darfst du raten.”

“Was denn jetzt? Wir lassen den Verfassungsschutz in Ruhe, der BND macht seit langem praktisch keinen Ärger, das BKA hat eh keinen Bock auf uns, was brennt denn jetzt schon wieder an?”

“Magnus, nicht am Telefon. Wann kannst du da sein?”

Mir wurde klar, dass der Busch wirklich brannte.

“Wenn ich den Nachmittagsunterricht absage, in etwa zwei Stunden.”

“Also.”

Knapp zwei Stunden später war ich in Ollis Villa bei Freiberg, er servierte erzstarken Mokka.

“Nun, was gibt es?”, frug ich, mir dazu eine drehend.

“Der MAD dreht durch. Und der Hartholtz ist deswegen kurz davor.”

“Wie, was wollen diese Nachtwächter denn auf einmal?”

“Irgendein Schwachkopf in Norddoof meint mitbekommen haben zu wollen, dass Hartholtzens Landser schon im Dienste Bier tränken und überdies allzugute Kunden vom Kanten-Kurt und seinen Leuten. Man scheint ernsthaft anzusetzen, unsere Schutztruppe nicht nur schon tagsüber in den Staub von Südschwitz zertrocknen zu wollen, sondern ihnen auch noch, zum Endhieb, den Mittagspausen-  wie den Feierabendjoint nicht nur mieszumachen, nein, bei Androhung unehrenhafter Entlassung ernsthaft zu verbieten. Diese Wahnsinnigen.”

Das war natürlich harte, unerwartete Mär. (weiterlesen…)

Wie Tunwörter entstehen

Mittwoch, 19. Juni 2013

Ich gebe zu, dass ich schon – oder noch – leicht betüttelt war, wie der Norddeutsche (der, dem ich also antwortete, war nur rein zufällig ein Nordostküstenstämmiger) das vornehm auszudrücken pflegt, zumal wenn derer ein Weib schon ein wenig einen im Tee hat, als ich kürzlich nächtens, es ward schon hell, beim Nachhausescherze noch auf meine kurze, also robuste wie über viele Jahre eingespeckte bayerische Gamsbockslederhose angesprochen ward und dazu vermeldete, an ihr zupfend, ja reißend, zur Unterstreichung meiner Rede deutlich händisch werdend: “DIESE Hose host. Wenn auf der ganzen Welt überhaupt je eine Hose hoste, dann die. Diese Hose host, wie nur irgendeine Hose hosen kann.”

Konstantin halb in Hamburg

Freitag, 14. Juni 2013

Konstantin, kaum im Zuge von Stuttgart nach Hamburg, begann sofort eifrig darauf zu sinnen, wo sich welcherart dorten zunächst einzuquartieren, wie er sich zu kleiden und wo zunächst aufzutreten er sich’s unternehmen solle, den Puls der Stadt zum Herzen hin zügig sich zu erfühlen.

Es widerte ihn sehr an, aber ihm ward bald klar, dass er nur als ein Kaufmann oder ähnlicher Aufschneider werde auftreten können, sei es auch als einer von den eher besonderen.

Er würde sich zuerst neu einkleiden müssen. Da biss die Maus kein Faden ab. Ordentliche Jeans, anständige Polohemden und Sakkos waren nebst gepflegten Stadtschuhen angezeigt: es ging nicht zu den Rottweilern oder zum Wandern auf die Alb.

Da in der Geldkatz zwar noch was drin, Hamburg aber mindestens zunächst teuer zu werden versprach, ward der beste Spätgebrauchtkleidhändler nach Ankunft besucht, schon in der neuen Kluft, noch mit den guten Stiefeln, eine diskrete Absteige ausgemacht, der Halbschuhe und ersten Erkundungen morgen nachzugehen.

Zwei Bier wollte sich Konstantin noch gönnen und ging am Kiez entlang.

Es fing an zu nieseln. Die Abendwärme Stuttgarts lag wie unter Neapel. Zum Glück hatte er seinen Regenumhang nicht geopfert. Es nahm zu. Es wurde wilder. Schließlich peitschte es zwar noch nicht, wurd aber auch seitweis schon ziemlich garstig. Da war die Pinte erreicht. (weiterlesen…)

Jede Pflanze eine Blume

Montag, 10. Juni 2013

Für meinen einst besten Studienfreund war im Grunde jede Pflanze eine Blume.

Zwar sprach er im Würzburger Ringpark nicht von Blumen, wenn wir vor einem Gingko oder einer stattlichen Buche standen, doch waren sie für ihn, der später Doktor der Pflanzenphysiologie mit Summa cum Laude werden sollte, eben doch Blumen.

Und da ich eben an meinen Freund D. zurückdenke, der sich, zeitweise, aufgrund einer Fehldiagnose, dem baldigen Untergange geweiht sah, was er wahrscheinlich wirklich nur mir irgendwann offenbarte, woraufhin ich ihm sagte, er solle einen Scheißendreck an die Drecksgeschichten von irgendwelchen Ärzten glauben, wieder anständig essen, wozu ich ihn rege einlud, fällt mir auch wieder ein, wie er sich über das Gros der Zimmerpflanzenliebhaber lustig machte: “Die meisten Leute machen aus ihren Pflanzen Unterseeboote.”

Ebenso spottete er über jene, die ihre Pflanzen ständig düngten, wie als ob sie Turbokühe züchten wollten, über zu große Pflanzlöcher, zu viel Substrat, das die Gärtner eifrig ausbrächten und verrechneten, falsche Bodenbearbeitung, lachte über zerhackte Disteln in städtischen Rabatten (die hatte er selber ausgebracht, er nannte sich darob “Ökoterrorist”), die um ein Vielfaches zurückkehren würden, indem wir sommers, am Mainkai, die unvermeidliche Halbe in der Rechten, beim Betrachten der vorüberziehenden Studentinnenblumen übers Ansetzen und die Wirksamkeit von Tabak- und Brennesselsuden sowie die Möglichkeit von Teilreinkarnationen ernsthaft und auch weniger ernsthaft disputierten und philosophierten. (weiterlesen…)

Konstantin von Stuttgart gen Hamburg

Sonntag, 09. Juni 2013

Nachdem Konstantin mit Magnus noch ein angemessenes Frühstück, oder eher Spätstück, eingenommen hatte, also des Käses, der Fischcreme und der gekaperten Eier wie sodann des gewärmten Pferdsgulaschs nicht geschont worden war, also, dass die beiden Freunde wieder in einer Weise lustig standen, einen Abschied verkraften zu können, obschon Steinweins nicht hinzuzuführen ward, nicht einmal ein kleiner Chablis, eben nur ein robuster spanischer Magenausregler, zwei Stück Konfekt zum Nachkaffee, ein genüssliches Zigarettchen, andächtig, wissend, dass es wieder lang dauern möchte bis zu einer neuerlichen ziemlichem Zusammenkunft, indem Konstantin davor, endlich in Hamburg seiner Pflicht zu tun, Magnus, wie immer, zwischen Bergen von Schriften irgendein Obauf zu erkennen sich in die Lage zu setzen sich verstehen würde müssen, dieweil sein treuer Freund sich in allerlei noch fragwürdsame Fährnisse begeben werde, ward man etwas gefühlig, was sich, so hielten sie es nunmal, in Form einer umso unmittelbareren Ansprache äußerte.

“Wie gedenkst du es jetzt mit jener Gitte, Maulheld oder Maulhalt, zu halten?”, frug Magnus fast überarg trocken.

“Ich habe ihr geschrieben, dass ich zwar schon ein bisschen was von Hunden verstünde, aber wohl noch nicht viel von Pferden. Ich käme also gerne mal auf Papas Reiterhof, der Anfangsgründe dieses edlen, bislang versäumten Behufs etwas zu erlernen.”

“Und sonst? Was ist mit den Hamburgern?” (weiterlesen…)

Diskrete Verhandlungen in Südschwitz (II)

Sonntag, 09. Juni 2013

Den Kiffern klarzumachen, dass sie es auf dem Adenauerplatz nicht schon tags übertreiben möchten, auch die Dunkelbütt’ (also die Kate der VSler) in ihrer Integrität einigermaßen zu achten sei, wie Hartholtz das von mir eher gefordert denn erbeten, war wirklich keine leichte Aufgabe.

Die Kiffer hier sind nämlich ein sehr stolzes und eigenwilliges Völkchen; nicht nur, dass sie, bezüglich des echten Inlandsproduktes, also abzüglich all der “Staatsaffen”, die aus Norddoof bezahlt, wohl zwei Drittel an der einheimischen Wirtschaftsleistung erbringen, davon nur einen marginalen Teil mittels Hanfprodukten, nein, sie sahen es zunächst gar nicht ein, weshalb man mittags zum zweiten Bier nicht dort, wo die meisten leichtgeschürzten, knackerten Mädels von Südschwitz einherstolzieren, zu diesem erhebenden Anblicke, denn auch mit denselben, sie eingeladen habend, ein ordentliches Ofenrohr mit bestem SSS (Südschwitzersuper) verrauchen dürfen solle, nur weil der Oberst mal wieder meckere und Norddoof dazu einen auf indigniert mache.

Meine Entgegenungen von wegen Contenance und Kompromiss und Diskretion im Sinne der Beförderung des Wohles aller stießen zunächst auf wenig empfängliche Ohren: Wer denn hier wohl den ganzen Laden eigentlich schmeiße? – außer dem Olli, wider den man damit ja nichts gesagt haben wolle, wie auch nicht gegen mich – , was wohl die ganzen Bundis sagten, ließe man sie allein Tabaks und Bieres? – und so nahm eine zunächst hitzige Debatte ihren Lauf.

Es dauerte.

Schließlich wusste ich eine südschwitzerische Lösung vorzuschlagen. (weiterlesen…)

Bilderberger 2013: Die Aliens sind da

Sonntag, 09. Juni 2013

Zum letzten Tage der diesjährigen Bilderberger-Konferenz kamen die Aliens wirklich.

Das ward klar, als Leser Jochen eben folgendes einstellte:

“Zwei Aliens treffen sich:

Sagt der eine: Wie geht’s?

Sagt der andere: Ach, ich fühle mich heute mal wieder so, als gäbe es mich überhaupt nicht.

Daraufhin sagt der eine wieder: Nun, dann geht’s dir ja wie mir.”

Woraufhin auch der untstehende Dialog sich entspann:

“Der Göller übertreibt es mit seinen Frechheiten. Er insinuiert, dass es uns geben könne, aber wenn, dann nur als transgalaktische Missgeburten und Trottel.”

“Ja, das geht entschieden zu weit.”

“Was sollen wir machen?”

“Wir könnten versuchen, ihn über diesen komischen Jochen in einen angemessenen Wirr zu setzen. Es geht darum, dass seine Späße über uns so schal werden, dass die Leute sich endgültig abgewenden.”

“Ja, klar. Hast du dem Jochen schon einen Text?”

“Der Jochen hört ein bisschen schlecht, auch unwillig, hält sich oft nicht an Vorgaben, aber, ja, ich habe was.”

“Also?”

“Lieber Magnus, Dein Gesülch, Gesabber, Gelaber, Gestrunz und Geschlunz, Gewaber und Geblürb, Dein Geschiele und Getriele, Gebrabbel, Gebabbel, Gehunz, Geröbfunz, Gegeugelhupfe und Gestreugelzupfe, Gebrunz, Gegagel, Gehunthagel, Getreibs und Gebreckel, Genabsung und Geniederbrung, Geseftel und Geabheftel nervt mechtel.”

“Bongo. So machen wir’s.” (weiterlesen…)

Konstantin in Stuttgart (III)

Donnerstag, 06. Juni 2013

Nachdem Konstantin und Magnus des letzteren Stammkneipe verlassen hatten, zogen die beiden Freunde von hier nach dort, bis es schon recht spat geworden war und Magnus dazu riet, noch das Café V. aufzusuchen, allwo ein recht interessant gemischtes Publikum aufzuschlagen pflege.

An der Bar sahe Magnus, dass dahinter, wohl als eine Art spiritus rector, jedenfalls selbst nicht bedienend, sichtlich bestens gelaunt, ein elegant schwarzgekleideter Herr von vielleicht sechzig Jahren stand, sich angelegentlich nach hüben wie drüben sehr freundlich unterhaltend, alsmitwelchem Magnus einschließlich anderer eigentümlicher Vögel schon einmal länger gesessen hatte, von ihm erfahren, dass er Gedichte verfasse, alswovon er auch wohl einen Auszug vorgetragen, dessen Inhalt aber, ob der Schwere der Stunde, weitgehend aus seinem Gedächtnis entfleucht, fast nur die Eleganz des Vortrags haftengeblieben.

So frug er denn, wohl wissend, dass auch Konstantin feiner Poesie nicht abgeneigt, den Distinguierten, ob es denn nicht etwas von seinen Werken zu lesen gebe, vielleicht gar hier, jetzt gleich, oder anderwie erhältlich, das möchte ihn delektieren. (weiterlesen…)

Pokalfinale: Schwaben harren des Desasters

Samstag, 01. Juni 2013

Die ganz harten Stuttgarter Lokalpatrioten meinen, dass der VfB gegen die Bayern heute Abend nicht 8:0 verlieren werde, sondern 8:1.

Diskrete Verhandlungen in Südschwitz

Samstag, 01. Juni 2013

Wie Sie wissen, hatte mich Oberst Hartholtz nach der nächtlichen Fete beim Verfassungsschutz, der Dunkelbütt, nicht nur recht deutlich gerügt und zur Ordnung gerufen, sondern auch zum Kaffee in sein Dienstdomizil geladen, alswelcher Gunst nicht anzunehmen tumbste Torheit gewesen wäre, alsweshalb ich beim Oberstabsgefreiten Zipf (dem “Stiefel-Manne”) zu Pfingstdienstag (den gibt es hier; er ist in etwa das, was man im Altreich als einen blauen Montag kennt) am Spätnachmittage allerbotmäßigst anfrug, wann mein Kommen dem Herrn Obersten genehm und füglich erscheinen wolle, ich käme, wo immer ich es einzurichten wisse, zum vom Herrn Obersten vorzüglich einrichtbaren Zeitpunkt.

Erstaunlicherweise spielte sich Zipf (er pfitzt gerne und macht sich wichtig, aber nur, wenn Hartholtz nicht in der Nähe und er sich traut) kein bisschen auf, gab mir gleich seinen Lehrmeister selbst an die Strippe.

“Na, ausgeschlafen, Herr Göller?”, bellte Hartholtz ins Fon (immerhin sagte er ‘Herr Göller’ und nicht einfach ‘Göller’, eine Behandlung, die ich mir vorgenommen hatte mir, zumal von einem Militär, nicht noch einmal ohne deutlichen Widerspruch angedeihen zu lassen), “Donnerstag, halb vier?”

“Donnerstag, halb vier. Sie dürfen Ihre Dienstuhr drauf stellen.”

Schon war es passiert.

“Göller, werden Sie nicht frech. Ich schätze Ihre Beredtheit, nicht aber immer Ihre Impertinenz!”

“Nun, Herr Oberst, Sie nennen mich künftighin immer, wie jeden anständigen Zivilisten, Herr Göller, und ich bin gerne bereit in der Impertinenzsache meinerseits Zurückhaltung walten zu lassen.”

“Ja, in der Tat, sie schwatzen daher wie ein Zivilist. Also, übermorgen.”

“Übermorgen.” (weiterlesen…)

Konstantin in Stuttgart (II)

Mittwoch, 29. Mai 2013

Magnus war schon etwas früher erwacht und hatte das Frühstück besorgt, Brot, Butter und Käs nebst einem grob aufgeschnittenen Schinken, Flädlessupp sowie Feldsalat mit ordentlich Frühzwiebel und Radies, dazu einen wohlangemessenen Eierkuchen, aufgestellt.

Das mochte auch Konstantin gefallen, ein Gläschen Weißburgunder sollte nicht fehlen, da man beschloss, das Frühstück auch gleich zum Mittagsmahle zu machen, alswelches, wenn man so großer Taten lustig, alswie den Kern von Schwabenstan, genannt gemeinhin Stuttgart, aus seiner eingesumpften Trägheit in dionysisch erkennende Freude zu werfen.

Klar war, dass Magnus als Schwabe sehr vorbelastet war, Konstantin als Nichtschwabe des sonstigen Terrains aber nicht unbedingt sicherer, denn ersterer, also, dass man, wirklich den fast unabwendbaren Schalk im Nacken, noch einen spazierenden Nachmittag im Schlossgarten und hinten bei den brabbelnden Schachspielern verbracht, schließlich, sozusagen, um den sichersten Teil der unsicheren Teile Stuttgarts einführend und inspirativ zu betreten, zum “Vorglühen”, wie die geschätzte M. das nennte, des Eingeborenen Stammbeiz betrat.

Bislang saß nur die schmale romantische Dichterin, wie stets sinnend, schorletrinkend und rauchend, an ihrem Plätzchen, ein paar Übliche und Unübliche lümmelten recht gelangweilt herum. Theke, zwei Glas Bier.

“Na, hier hat man wenigstens seine Ruhe!”, stichelte Konstantin nach acht oder zehn Minuten, das ganze scheinbare Trauerspiel betrachtend. (weiterlesen…)

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