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Deutsch-Südschwitz: Das Völkerunrecht wackelt

Sonntag, 08. September 2013

Um halb elf klingelte mein kleiner Wecker. Ich hatte, als ich vom Goldenen Ochsen her in meinen Verschlag gekommen war, fast um vier, noch eine halbe Stunde gesonnen, fühlte mich aber den Umständen entsprechend gut.

Pünktlich um elf war ich bei Olli zum Frühstück.

“Na, Magnus, komm erstmal rein. Kaffee? Oder doch lieber ein Bier für den Aufgewärmten?”, neckte Olli mich zum Gruße.

“Wenn der Kaffee heiß ist, kannst du das Bier einstweilen kalt stehen lassen”, gab ich ihm zurück, “der dürfte den anstehenden Dingen wenigstens zunächst am besten dienen.”

Wir tranken erstmal Kaffee, ich zündete mir eine Morgenzigarette an.

“Sag, hast du etwas herausgefunden gestern Abend? Kriegst du in Freiberg noch ein Bier?”

“Von den Russen bekomme ich sogar zwei.”

“Russen?”, meinte Olli, “was denn für Russen?”

Also folgte die Nacherzählung meiner Fährnisse der gestrigen Nacht.

Olli schwieg eine ganze Weile.

“Magnus, meinst du, was ich meine?”

“Vermutlich.”

“Wenn man alles zusammenrechnet, ist das eine noch heiklere, größere Sache, als wir schon zu befürchten allen Grund hatten.”

“Genau so sieht es aus. Fehlen nur noch mexikanische Straßenräuber, die man hier als Verkehrspolizisten beschäftigt.”

“Immerhin sieht es so aus, noch, als ob man um uns buhle. In verschiedener Art, von verschiedenen Seiten her. Was könnte an diesem Stück Halbwüste und Wüste, gerade so groß wie Hessen, höchstens zweihunderttausend Einwohner, keine nennenswerte Industrie, keine bedeutenden mindestens bekannten Bodenschätze, keine Großbanken, keine hausgemachten oder eingeschleusten Terroristen, wenigstens noch nicht, so übergreifend interessant sein, dass du jetzt, ganz zufällig, schon mit Borissen und Fongs zu tun kriegst?”

“Es muss eine Sache sein, die unterm Strich nicht nur Südschwitz betrifft. Ich habe gestern noch lange darüber nachgedacht. Anders ergibt alles keinen Sinn.”

“Zumindest ergibt es nicht all das Gesindel. Hast du eine Idee?”

“Mir kam nur eine. Wenn der Hase da im Pfeffer liegt, geht es hier wirklich um die Wurst. Und zwar auch für Norddoof.”

“Na, dann lass’ die Katz’ mal aus dem Pfeffer!”, meinte Olli, indem er sich seinen zweiten Kaffee mittels eines kleinen Schusses Kognak rektifizierte. (weiterlesen…)

Neue Kabale in Südschwitz (III)

Freitag, 06. September 2013

Es dauerte anderntags – fast wie erwartet – nur bis gegen drei Uhr, bis Ariane Nagel bei mir in der Schule anrief.

“Nun, Magnus (verdammt nochmal, ich hatte ihr irgendwann das Du angeboten), hast du es dir überlegt?”

“Äh, naja, da wäre schon noch manches zu klären.”

“Dann heute Abend bei mir.”

“Äh, naja, ich bin mit Zenzi schon zum Essen eingeladen. (Das stimmte zum Glück.)

“Dann morgen.”

“Äh, naja…”

“Morgen.”

“Liebe Ariane, ist Dir schon einmal aufgefallen, dass ich nicht gedient habe?”

“Das ist ja das Problem mit Leuten wie dir.”

“Danke für das Kompliment.”

“Morgen”, sagte sie, schon ein bisschen genervt.

“Also gut, morgen. Um acht?”

“Um acht.”

Also musste ich bis morgen Abend schon wissen, wie ich tatsächlich herangehen werde. Ich musste also gleich Wind machen. Sprich, ich würde jetzt im Netz nach spezialiserten Sicherheitsfirmen in Altdeutschland suchen, bei zwei oder drei von denen direkt über mein Telefon anrufen, mal ganz unverbindlich nachfragen, ob ein Koordinator mit besten Ortskenntnissen und Verbindungen in Südschwitz gefragt sei. Mal sehen, wie das ankäme. Ob man wohl schon mein Telefon abhörte?

Bei der ersten Firma bekam ich einen Fritzen an die Strippe, so etwas Bräsiges habe ich selten erlebt. Herr Hügel, wie er sich nannte, erkundigte sich aber schließlich doch bezüglich meiner Möglichkeiten, brummelte etwas von wegen, dass man mich bei Bedarf kontaktieren werde.

Bei der zweiten Firma war es ein Herr Lau, der mich nicht nur fragte, wie ich denn ausgerechnet auf seine Firma gekommen sei? Man habe Südschwitz bislang nicht besonders im Blickfeld, melde sich aber gegebenenfalls bei mir.

Bei der dritten Firma war es eine Frau Müller, die nur meinte: “Südschwitz? Was gibt es denn da zu holen? Haben Sie etwa selber ein Problem?” “Nein, ich habe kein Problem”, log ich. “Es möchte aber wohl irgendwann Probleme geben. Deshalb spreche ich Sie an.” “Soso”, meinte Frau Müller, “wir werden das analysieren. Ich wünsche Ihnen noch einen sonnigen Tag.”

Ich hatte also zunächst, wie zu erwarten, wenig erreicht, aber ich hatte mich bewegt.

Anderntags, bei der Nagelin, war mir sofort klar, dass sie im Bilde war. Sie legte einen niedersächsischen Eisblick auf, und ihr Deutsch war militärisch schneidend. Sie fackelte nicht lange.

“Magnus, bist du eigentlich nicht ganz bei Trost? Was treibst du da?”

“Was meinst du?”

“Du weißt genau, was ich meine!”

“Nein, weiß ich nicht.”

“Wie kannst du im Altreich anrufen, deine Dienste anbieten? Hast du einen Sprung in der Schüssel?”

“Ich dachte, ich müsste einfach mal sehen, was der Markt vielleicht so hergibt. Und wenn hier einer einen Sprung in der Schüssel hat, so bist du das, wenn du offen zugibst, mein Telefon abhören zu lassen. Ich glaube, bei dir piept es wohl mächtig im Oberstübchen.”

Sie nahm sich mächtig zusammen.

“Pah, mit einem wie dir soll man arbeiten können? Fahrlässig bis zum Gehtnichtmehr und dann auch noch Mimose spielen?”

“Ich habe nicht darum gebeten, im Auftrage von Gehrig & Partner – vermutlich schwarz – zu arbeiten. Euer Hochwohlgeboren nebst Buhl trug mir das an.”

Das ‘nebst Buhl’ versetzte sie vollends in Rage. Das Kind war nun eh schon in den Brunnen gefallen. Es frug sich nur noch, ob und wie sie es jetzt wieder herausziehen wollte.

“Es geht um die nationale Sicherheit”, schnappte sie, während sich ihr Gesicht leicht rötete.

“Ach nee, da wäre ich ja nie drauf gekommen”, versetzte ich.

“Spare dir deinen Sarkasmus.”

“Spare du mir dein Geschwätz. Butter bei die Fische bitte, so sagt man doch bei euch in Flachlandsachsen.”

“Ich kann dir nicht sagen, worum es geht.”

“Na prima. Auch darauf wäre ich nie gekommen.”

Sie war am Siedepunkt.

“Du stellst dich also gegen uns, soll das das heißen?”, fauchte sie.

“Nein, wie sollte ich.”

“Was also?”

“Ich könnte mich gar nicht gegen ‘euch’ stellen, selbst wenn ich das wollte. Ich weiß ja gar nicht, wer ‘ihr’ seid und was ‘ihr’ eigentlich wollt.”

“Das kann ich dir, verdammt nochmal, nicht sagen.”

“Nun, dann danke, dass du mich auf eine wohl lukrative Geschäftsidee gebracht hast. Vielleicht zahlt mir ja eine Firma nur 5000 im Monat, aber ich weiß, für wen ich arbeite. Nämlich für ein seriöses Unternehmen.”

“Du willst mir doch nicht etwa drohen?”

“Nö, wie sollte ich. Zenzi einen Pelzmantel zu schenken, wäre hier in Südschwitz wohl nicht der Bringer. Wenn wir uns dazu aber mal einen schönen Winterurlaub im Altreich leisten könnten, nähme sie den wohl auch. Gleich in München gibt es gute Geschäfte. Und ich hole mir noch eine kurze Gamsbockslederhose, die kann man sogar hier gut tragen. Sehr robust, die Dinger.”

“Du hältst mich doch nicht etwa für eine Verräterin? Spinnst du?”

“Als gute südschwitzer Patriotin gehst du mir so jedenfalls nicht durch. Du kennst wohl noch nicht das ungeschriebene Gesetz hier. Jedenfalls nicht wirklich. Außerdem könnte es sehr wohl sein, dass deine Auftraggeber dich nasführen, du selbst nicht weißt, wofür du dich vernutzen lässt. Eigentlich schade um eine schöne junge Frau, die eben erst ihr Liebesglück gefunden.”

Jetzt platzte sie. “Magnus, du bist ein absolut perfides, loses Arschloch!”

Ich gab mir drei Sekunden. “Ja, die meisten meiner Schüler – zumal Deutschschüler der Oberstufe – sehen das auch so. Sie sagen es meist nur nicht so offen und ehrlich wie du. Einer nannte mich mal Wortfaschist. Der bekam eine mündliche Eins dafür. Diese meine bekannten Qualitäten scheinen ‘euch’ aber nicht abgeschreckt zu haben, mich ins Boot zu holen zu trachten. Wohl eher im Gegenteile, möchte man logisch deduzieren, wenigstens allemal vermuten.”

“Arschloch!”

“Du kannst auch nochmal Arschloch sagen, das ändert nix.”

Sie bebte, aber fing sich.

“Ich muss Rücksprache halten. Du hältst einstweilen dein Maul gen Norddoof, ist das klar?”

“Na gut, einstweilen halte ich das Maul gen Norddoof. Gestattest du mir derweil, einmal mit deinem Buhl und Schutzpatron zu reden, Frau Maxima Securitate? Ich lernte auch gerne mal deinen Chef bei Gehrig & Partner kennen; vielleicht ist der im Sinne einer füglichen internen Unternehmenskommunikation kompetenter und kompatibler als du.”

“Du wirst den Teufel tun und bei Gehrig & Partner im Altreich anrufen. Jetzt, wo du wer weiß schon wie viele Pferde scheu gemacht hast! Das ist ein Befehl!”, schrie sie.

“Ein was ist das? Habe ich ein Bitte gehört? Nein, mir scheint es nicht so. Vielleicht höre ich schlecht.”

“Also gut, bitte”, keuchte sie.

“Drei Tage”, sagte ich kühl.

“Was, spinnst du?”

“Wenn du in drei Tagen nicht in der Lage bist, mehr zustande zu bringen, als das Telefon eines Dorfschulmeisters abzuhören, fehlt es dir an unabdingbar notwendigen Möglichkeiten und Befugnissen. Dann ist die Sache eine oder zwei oder gar drei Nummern zu groß für dich. Und, in dem Falle, für deinen Buhl vielleicht auch.”

“Nenne Heinz nicht mehr meinen Buhl, du…”

“Arschloch”, ergänzte ich. “Zivilistenarschloch. Was bist du so empfindlich? Ich hatte ja gar nicht ursprünglich angesetzt, dass ihr…”

“Halt’s Maul. Halte verdammt nochmal das Maul.”

“Ja, das sagt, so oder ähnlich, dein Heinz auch immer wieder zu mir. Nur dass er mich dabei nicht duzt. Bisher jedenfalls nicht.”

“Ich weiß jetzt, endlich, weshalb er mich immer vor dir warnt. Er sagt, du seist ein potentiell über jedes Maß intolerabler, gefährlicher Schwätzer. Ein abgezockter Zivilistenhundsfott vor dem Herrn.”

“Ach, sagt er das? ‘Zivilistenhundsfott vor dem Herrn’: den nehme ich gerne in meine Hartholtzsche  Sammlung, zumal aus dem Munde seines…”

“HALT’S MAUL!!!”, donnerte sie.

“Meine Frau sagt immer, dass ich das, selbst wenn der liebe Gott mir vier Hände dafür geschenkt hätte, wohl immer noch nicht hinbrächte.”

Sie ließ sich in einen Sessel fallen, holte eine Flasche Talisker aus dem Beistelltischchen, schenkte sich einen guten Doppelten ein – ich hatte noch nicht einmal etwas zu trinken angeboten bekommen, wobei es blieb – , schlug die Beine übereinander, und sann.

“Dir ist wohl klar, dass gefährlich ist, was du machst.”

“Das ist mir sehr wohl klar. Trotzdem weiß ich, dass ich lieber weiß, welche Haie in einem Becken schwimmen, bevor ich darin ein Bad nehme. Und dass du mir nicht einmal einen Whisky anbietest, spricht für einen Menschen von Kultur dazu überdies Bände.”

Sie schob mir die Flasche und ein Glas zu. “Einschenken kannst du wohl schon selber.”

Ich goss mir einen Fingerbreit ein, nippte und meinte: “Ja, das kann man sogar im zivilen Leben lernen. selbst Dorfschullehrer…”

“Halt’s Maul!”

“Naja”, entgegnete ich, “du wiederholst dich. Im Deutschaufsatz…”

Ich hatte den angebrochenen Satz selbst in der Luft hängen lassen, holte seelenruhig meinen Tabak aus der Brusttasche, begann mir eine zu drehen.

“Du gehst jetzt”, sagte sie leise, “kannst draußen die Luft verpesten.”

“Ja, eine gute Idee”, versetzte ich und trank den Whisky aus, “an der frischen freien Luft von Südschwitz schmeckt der Tabak sowieso besser, als in einer Bude, die schwer nach sauerer, gleichwohl unausgegorener Kabale riecht.”

“Hau ab.”

“Drei Tage.”

“Ich bin nicht taub.”

“Schön, ich finde selbst raus.”

Das war nun, unversehens, zu einem ziemlichen oder unziemlichen, so jedenfalls nicht geplanten Parforceritt meinerseits eskaliert. Was ich erreicht hatte, war unklar. Olli musste sofort über den Stand der Dinge informiert werden. Wahrscheinlich würde ich mir einiges an Tadel einfangen, dass ich spontan so weit gegangen war…

Als ich bei ihm ankam, war Olli nicht der besten Laune. So sieht man ihn selten. Er stellte jenen derben portugiesischen Landwein auf den Tisch, den er mit dem Spruch “nicht, dass uns der Wein zu gut schmeckt” zu begleiten pflegt, wenn harte Arbeit ansteht.

“Weißt du, was diese Arschlöcher machen?”, legte er gleich los. “Die gehen her und versuchen, meine Leute anzuwerben. Hinter meinem Rücken. Das ist gar nicht nett.”

Ich erzählte ihm von meiner Zusammenkunft mit meiner widerspenstigen Chefin in spe, und sein Gesichte hellte sich wieder etwas auf.

“Magnus, ich hätte dir vorher nie geraten, so forsch dranzugehen, aber das war wohl genau richtig. Wenn die uns schwindlig spielen wollen, dann sollen sie mal sehen, wer in Südschwitz noch etwas davon versteht. Sie werden uns nicht einfach umlegen. Sehr wahrscheinlich jedenfalls nicht. Jetzt jedenfalls nicht. Wir müssen es so anlegen, dass gar keiner auf die Idee kommt, egal wer, uns auch nur ernsthaft drohen zu wollen.”

Er trank mit einem großen Zuge das derbe Wasserglas aus, aus dem wir bei solchen Anlässen den Portugiesen zu trinken pflegen.

“Was machen wir?”

“Ich sehe gerade, wenn wir uns offen-verdeckt wehren wollen, also, dass sie es genau merken, aber nicht gleich ganz Südschwitz, erstmal drei mögliche Entwicklungslinien. Ich muss nach außen drei Tage die Füße stillhalten, insofern nichts Entscheidendes, Einschneidendes diesen Ruf ändert. Derweil kann ich aber Hartholtz auf die Nerven gehen, schauen, wie ich ihn kitzle. Du musst gar nicht stille halten, kannst für noch ein bisschen mehr Verwirrung sorgen. Ich weihe Zenzi ein, simuliere vielleicht gar einen kleinen Ehekrach, ziehe dann dieses Wochenende leicht derangiert, etwas geschwätzig, aber nicht zu sehr, durch deine Kneipen und jene der Konkurrenz in Freiberg, tatsächlich oder der Gegenseite vermutlich einiges erfahrend, kann dich jederzeit zum Kaffee treffen, so dass wir jederzeit weiterdisponieren können. Es wäre selbst daran zu denken, dass ich die Frist, es ist Freitag, auf zwei Tage verkürze, dergestalt verschärfe, Ariane zu sagen, dass das Leuteanwerben hinter deinem Rücken einen derartigen Kommentverstoß darstelle, dass ein solcher entsprechend zu ahnden sei, also nur Frist bis Sonntag.”

“Das wäre jetzt übereilt. Sie wissen wohl immerhin noch nicht, dass ich weiß, dass sie sich an meine Leute heranmachen. Und selbst wenn, so möchte es eine gewisse Nervosität zeigen, jetzt dergestalt vorzupreschen. Verkürzen können wir immer noch. Was wir brauchen sind möglichst viele Informationen im Felde, und ein bisschen selbstangerichtetes Chaos. Du ziehst also durch die Kneipen Freibergs und machst auf deine Art die Gegend unsicher, und ich werde morgen Abend, da habe ich Halbjahresumtrunk mit meinen Betriebsleitern, eine ausgesucht südschwitzerisch-patriotische Rede halten, welche die bewährte Treue zum Altreich in Verbindung mit der überaus erfolgreichen Selbstorganisation der Südschwitzer nicht nur in ökonomischen, sondern auch in Sicherheitsfragen ausgesucht positiv hervorstreicht, unter feiner Betonung der zweiten Komponente des Redeabschnitts. Das kleidet sich dann in die erzielten Fortschritte bezüglich der südschwitzerischen Infrastruktur, in der Distribution von landwirtschaftlichen Produkten wie zumal auch im Bildungswesen, dessen man ja, im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten, inzwischen besonders auch in Buschhausen stolz sein könne, was besonders auch bei unseren geschätzten Hintlingen, die inzwischen zwar nicht das alleinige Rückgrat der südschwitzerischen Wirtschaft, aber doch immer mehr Schwungrad, mit großer Freude und Ermutigung aufgenommen werde undsoweiterundsofortundderdeibelwas.”

“Olli, woher kannst du sowas einfach?”, fragte ich, doch mal wieder erstaunt.

“Lieber Magnus, danke des Lorbeers, aber ich habe schon als ich zwölf war, im alten Osten, in Leipzig, Bier mitausgeschenkt. Davor durfte ich es nur bringen. Da habe ich aber auch schon aufgepasst.”

“Was sage ich Hartholtz?”

“Hmmm. Mit dem ist es jetzt ja mindestens doppelt vergiftet. Er hält die Hand drüber, wir wissen nicht warum, auch nicht, ob er voll informiert ist. Dann noch, wie das mit seiner, hehe, mit seiner Buhle liegt, wie empfindlich er jetzt eben doch geworden ist, der alte Hagestolz, da ein Vollschiff wie das mehr als nur Frollein Nagel mit ihm fährt. Wie schätzt du sie ein?”

“Sie ist erstmal nicht doof. Gar nicht doof. Sie ist aber doch etwas reizbarer, als man normalerweise erwarten sollte. Sie scheint unter einem ziemlichen Druck zu stehen. So, wie es aussieht, stammt dieser Druck, jedenfalls für sie spürbar, nicht wesentlich von Hartholtz. Alles spricht dafür, dass jemand, der höher steht als Hartholtz, hier dirigiert. Nichts spricht dafür, dass dies eine seriöse deutsche Personenschutzfirma sein könnte. Wir dürfen auch nicht ausschließen, dass Hartholtzens Tante und Hartholtz in Wirklichkeit auf eigene Faust, oder in patriotischem Auftrage, gegen eine äußere, zunächst nicht direkt abzuwendende Bedrohung arbeiten, uns in ihre Strategeme einbegreifend, lieber, ohne uns dies schon oder überhaupt je zu sagen.”

“Da sagst du was, da sagst du was. Daran dachte ich auch immer wieder. Der Hartholtz ist doch nicht wirklich ein…” “Arschloch”, ergänzte ich. “Wenigstens kein dummes.”

“Er muss sich doch von vornherein völlig darüber im klaren gewesen sein, dass wir etwas merken würden, Fragen stellen, zumal bei dir, dass auch irgendein frecher Unfug folgen werde, wenn man uns hier vor einen unbekannten Karren versuchen wollte zu spannen, in solcher Weise. So könnte er uns gewissermaßen authentisch wirken lassen, in irgendeiner Art zu seiner Deckung nutzen.”

“Ja, Liebesnächte hin oder her, verblödet ist der Hartholtz nicht.”

“Eben. Vielleicht solltest du bei deiner nächsten Unterredung mit ihm auch unterschwellig durchblicken lassen, dass diese Möglichkeit hier zu Olli und Magnus durchaus erwogen wurde, schaust mal, wie er reagiert.”

“Mal sehen, was geht.”

Wir schwiegen eine Weile.

“Olli, da uns gerade nichts mehr einfällt, und nicht nur deswegen: Die Pflicht ruft. Es ist jetzt schon fast elf, die Durstigen strömen mit Wochendurst in die Kneipen, ich muss auf den harten Weg. Morgen früh, um elf, zum Frühstück?”

“Morgen früh, um elf.”

 

 

 

 

 

Neue Kabale in Südschwitz (II)

Freitag, 06. September 2013

Drei Dinge waren klar. Es war etwas oberfaul, ich musste sehr behutsam vorgehen, und ich musste noch heute Abend mit Olli reden.

Der Art nach, wie Hartholtz und Ariane Olli ins Spiel gebracht hatten, mussten sie in irgendeiner Weise schon mit ihm geredet haben. Es war alles sehr gezielt darauf angelegt gewesen, Ollis Einverständnis irgendeiner Art zu suggerieren, gleichzeitig ein gewisses Keiletreiben wider ihn, eine Aufstachelung meiner, mir an den Ehrbeutel gehend.

Und: Wie waren Gehrig & Partner und die Bundeswehr wirklich verbunden? Hartholtz war, selbst wenn Ariane ihm noch so eifrig das Bett wärmte, kaum zuzutrauen, dass er darüber seine elementarsten Pflichten als Offizier der Bundeswehr vergessen oder gar aktiv missachten würde. Trotzdem hatte er das merkwürdige Angebot durchaus aktiv gutgeheißen und empfohlen. Hier lief offenkundig ein sehr merkwürdiges Spiel, und es wurde dabei für südschwitzerische Verhältnisse am ganz großen Rad gedreht.

Die Bundeswehr bzw. Hartholtz, seine früher nur dienstlich untergebene Ariane, die neuerdings für eine “Sicherheitsfirma” hier, diese vorgeblich zum Personenschutz, die Taschen voller Geld, ausgerechnet für mich, dabei Olli, als bisher genannten vierten bzw. fünften im undurchsichtigen Bunde. Sie hatten ja nicht gesagt, dass ich ohne Ollis Wissen arbeiten solle. Das heißt normalerweise, dass auch seine Logistik eingebunden werden soll. Klar, täte ich auch so machen.

Olli hat aber nun keinerlei Kohle nötig von denen. Und er ist gern sein eigener Herr, und er ist kein Dummkopf. Kaum ist der MAD weg, kommt eine neue Krätze nach Südschwitz. Ex-MAD-Agentin, gedeckt von der Bundeswehr. Wird Olli erpresst? Oder hält er sie erstmal hin? Oder gibt es etwas so wichtiges, dass er deshalb mitspielt, pro patria sozusagen?

Als ich bei Olli ankam, war es nach einem längeren Spaziergang wohl schon halb elf, und er war glücklicherweise wo ich ihn vermutet hatte, in seinem kleinen Stadthäuschen am Rande von Freiberg.

“Magnus, altes Haus, was treibt Dich so überraschend in meine bescheidene Hütte? Komm rein! Ich habe vor einer Stunde einen netten kleinen Bordeaux aufgemacht, der sollte, die Vorsehung will es, eben in diesem Augenblicke, da du klingeltest, angetrunken werden, gut beatmet.”

Er schenkte mir den Verkostungsschluck ein, ich ließ den Trunk ein wenig im Glase kreisen, prüfte im Licht die Reflexe, roch einmal, zweimal gründlich prüfend die aufsteigenden Aromen, und, rieche da, Tabak, Leder, Vanille, allerlei schwarze Johannisbeere und Schlehdorn, kräftige Tannine, keinerlei auch nur leisesten Verdacht auf Korken. “Olli, wenn der so schmeckt, wie er riecht, ist es kein kleiner Bordeaux, alter Tiefstapler.” Ich nahm einen mittleren Zug und netzte alles, was Rachenraum ist, damit, ließ die Flüssigkeit meine Zunge umspülen, bis auch Kehle und Magen den Heilsaft kosten durften.

Als Olli mein Gesichte dabei sahe, lachte er und meinte nur: “Na gut, es ist ein mittlerer.” Und goss unsere Gläser halb voll.

“Führt dich nur mein Weinkeller hierher – nicht dass ich etwas dagegen hätte, nur ein wenig zu plaudern, indem ich ihm mit deiner Hilfe wieder etwas Platz verschaffe – oder gibt es Wichtiges?”, fuhr er in seiner direkten Art fort. “Haben Hartholtzens Tante und der Hartholtz dich bearbeitet? So siehst du gerade aus.”

“So ist es.” Ich nahm einen zweiten, großen Schluck und meinte: “Olli, ‘Hartholtzens Tante’, höre ich da nur ein bisschen Ironie heraus, oder deutest du da ein Problemchen an mit der Dame? Wer erzählt zuerst?”

“Fang du an.”

Ich berichtete also so detailgetreu wie möglich den Frühverlauf des Abends, und Olli sagte nichts dazu.

“Du bist dran, Olli.”

“Magnus, das ganze ist ein äußerst undurchsichtiges, oberschräges Ding. Bei mir war Hartholtz nicht so massiv wie bei dir, er signalisierte aber auch, dass die Machenschaften der Frau Nagel seinerseits mit Wohlwollen betrachtet würden. Sie rückte dann allein an und offenbarte mir, dass es der Schaden meiner Geschäfte, meiner Hotels und Gasthäuser sicher nicht wäre, wenn man sich dort besonders sicher fühlen könne, weshalb es in meinem ureigenen Interesse sei, diskret mit Gehrig & Partner zusammenzuarbeiten. Da ist mir schon beinahe der Kragen geplatzt. Das klang eher wie eine Drohung. Wie als ob ich meine Kneipen nicht im Griff hätte. Frechheit.”

“Und was kam dann?”

“Ich fragte sie, wie sie sich das denn im einzelnen vorstelle, merkte an, dass ich als vielbeschäftigter Mann keine Zeit für Firlefanz hätte, fragte zudem, welche südschwitzerischen Kräfte man denn noch hinzuziehen gedenke, eine gleichzeitig unauffällige wie effektive Logistik aufzubauen.”

Typisch Olli, dachte ich, gleich zum Punkt. Ohne aber sich festzulegen.

“Sie meinte darauf, dass sie natürlich nicht den ganzen Aufbau der Sache preisgeben könne, zunächst meine grundsätzliche Bereitschaft zu erkunden hiersei, sie aber, da ich es ja wohl ohnehin erfahren werde, mir gleich reinen Wein dahingehend einschenke, dass du als südschwitzer Kopf wesentlich zur Informationsbeschaffung angeworben werden sollest.”

“Wieso hast du mir nichts davon gesagt?”

“Es war erst gestern. Ich wollte die Sache erstmal laufen lassen. Außerdem, am Telefon… Auch wenn ich dich nur dringlich herzitiert hätte, hätte das auffallen können.”

“Gut, und weiter?”

“Ich sagte ihr, dass ich ja mal gespannt sei, wie sie dich ködern wolle. Du habest eine wunderschöne, witzige, tüchtige und loyale Frau, einen festen Job und mehrere mehr oder weniger ehrenamtliche Nebenjobs, seiest, zumindest wie es jedem Südschwitzer scheine, damit sowohl gut ausgelastet als auch in aller Regel sehr zufrieden. Sie meinte dazu nur, dass sie dir ein Angebot machen werde, das du kaum ablehnen könnest. Wieder so eine versteckte Drohung. Ich ließ mir aber wiederum nichts anmerken und wünschte ihr viel Erfolg bei ihrem Unterfangen.”

“Du hast sie nicht gefragt, weshalb sie mich im Visier hat?”

“Nein, das wäre ja blöde gewesen. Sie hätte gleich gemerkt, dass das eine Scheinfrage sei.”

“Aber sie kamen mir damit, dass du meine Kompetenz im Sinne der Informationsbeschaffung gelobt habest.”

“Naja, ich ließ zwischendrein noch so einen Scherz los. ‘Der Magnus ist in der Tat so empfindlich für Metainformation, dass ich mich schon manches Mal darüber gewundert habe.’ Ich denke, sie konnte das nicht sicher zuordnen, aber eine Art Lob war es doch. Und noch nicht einmal gelogen.”

“Was machen wir jetzt?”

“Meine Herrn, diese Bande bietet dir zehn Mille im Monat, ich soll irgendwie mittun, wenigstens die Füße stillhalten, und wir wissen noch nicht einmal, wer genau da wirklich auf was hinauswill. Und sie werden uns das auch nicht so leicht erzählen. Wenn wir es zu spät herauskriegen, stecken wir womöglich viel zu tief drin, und wenn wir einfach nicht mitmachen, könnten wir Ärger kriegen, nicht einmal wissend, wohin der Hase laufen soll. Wir müssen erstmal, zögerlich, mitmachen, dabei so viel als möglich in Erfahrung bringen, ohne uns zu kompromittieren. Natürlich rechnen die aber ebendamit, werden uns genau beobachten. Wir dürfen untereinander nur mit äußerster Diskretion kommunizieren, fraglos.”

“Wir brauchen ein Strategem. Vielleicht mehrere.”

“So ist es.”

“Was hältst du davon, wenn ich zu Ariane sage, dass ich bei einer Sache von solcher Tragweite schon erstmal Art und Umfang und Zweck der ganzen Veranstaltung erführe, und zwar nicht nur von ihr, sondern auch von ihrem zivilen Chef in Deutschland. Der könne ja binnen weniger Stunden hiersein, mich von der Seriosität der Sache persönlich zu überzeugen.”

“Sehr gut. Mal sehen, wie sie reagiert. Das kann zumindest Zeit verschaffen. Vielleicht verplappert sie sich auch ein bisschen, oder es packt sie wenigstens marginal an ihrer weiblichen Eitelkeit. Bringe sie zum Schwatzen. Schwärme von deiner Frau, davon, wie gerne du Lehrer und freier Publizist bist. Vielleicht…” Olli verstummte.

“Was vielleicht?”

“Das ist zwar eine wohlzubedenkende Sache, aber du könntest den Tiger auch anders vom Berge in die Ebene locken. Oder so dann erst richtig. Du könntest ein Konkurrenzangebot erwägen. Offen lassen, ob schon eines vorliegt, oder ganz einfach auf die Idee gekommen sein, dass Gehrig & Partner nicht die einzige Firma dieser Art sein dürfte, die mit deiner Hilfe erst richtig auf den Geschack kommen könne, in Südschwitz richtig einzusteigen. Wenn sie dann das handfeste Drohen anfängt, wissen wir bescheid, dass wirklich Feuer unterm Dach ist. Dann wissen wir aber, mit wem wir in Wirklichkeit nicht arbeiten werden. Oder man weiht uns, sozusagen gezwungenermaßen, ein, sollte etwas dahinterstehen, das lauter, man uns aber nicht so einfach sagen wollte.”

“Und was machst du in der Zwischenzeit?”

“Ich werde unangemeldete Stichproben in meinen Läden machen, mehr als sonst, dann meine ganzen Kneipiers zusammentrommeln, zu einer außerordentlichen Generalversammlung, um mit ihnen ausführlich über Brandschutz zu reden, über unser internes Sicherheitssystem, wie im äußersten Fall sehr schnell zehn bis fünfzehn Mann aus dem Verbund an einem beliebigen Ort in Freiberg oder Buschhausen zusammenzuziehen sind undsoweiter.”

“Das wird den anderen nicht verborgen bleiben. Aber das mag ja genau gut so sein. Nur, meinst du nicht, dass du damit Unruhe unter die Wirte und die Leute bringst, Gerüchte ins Krautschießen könnten?”

“Na klar. Sollen doch. DIE haben doch bezweifelt, dass ich meine Läden im Griff hätte. Das haben sie nun davon. Wetten, dass die mich bald darum bitten, nicht zu übertreiben? Ich werde mich als sturer, beleidigter alter Esel stellen, gekränkt in meiner Olli-Ehre, überhaupt nicht begreifen, weshalb ich mich nicht einer offenkundigen, wenigstens behaupteten Bedrohungslage selbst erwehren könne, dies auch deutlich machen.”

“Gut, so machen wir’s, Olli. Die ersten Schritte sind klar. Wir sollten uns zwischenzeitlich zwei oder dreimal die Woche hier bei dir treffen. Das fällt nicht sonderlich auf.”

Wir tranken aus, und ich nahm einen Nachtlaster nach Buschhausen.

 

 

 

Neue Kabale in Südschwitz

Donnerstag, 05. September 2013

Nie hätte ich gedacht, dass Hartholtz einmal derart meiner Hilfe bedürfen werde. Oder gar selbst wissentlich Teil einer üblen Kabale sein könne.

Inzwischen ist Frau Stabsfeldwebel der Reserve Ariane Nagel glücklich nicht nur Statthalterin der Sicherheitsfirma Gehrig & Partner, die hier in Südschwitz doch aus eher undurchsichtigen Gründen ihre Tätigkeit aufgenommen hat, vorgeblich Geschäftsleute diskret zu schützen, wobei man sich fragt, vor wem hier anständige Geschäftsleute zu schützen seien, sondern auch ganz offen die Gefährtin von Oberst Hartholtz.

Alle hier gönnen ihm nicht nur sein kühles Blondes, sondern auch seine temperamentvolle, inzwischen der Lebenslust Südschwitz’  gut eingewöhnten Hünin (sie ist fast zehn Zentimeter größer als er): Hartholtz ist drahtiger und schlagfertiger denn je. Beim Gewicht ist es etwa eins zu eins, so dass also alles passt, jeder den anderen auf Händen tragen kann.

Sinister erscheint allein jene Firma. Ich fragte Ariane kürzlich, was es mit der eigentlich so auf sich habe.

“Magnus, du meinst doch nicht im Ernst, dass ich dir etwas davon erzähle, du Klatsch- und Tratsch- und Schandmaul der Republik!”, meinte sie kühle lächelnd, sehr wissend wirkend, sehr souverän, sehr professionell.

“Achso”, meinte da das Schandmaul der Republik, “du sondierst und sicherst erstmal das Terrain, bist dann jederzeit, wenn gebraucht, bester Logistik, zur Stelle.”

“So magst du das unter deinen südschwitzer Saufkumpanen verbreiten.”

Jetzt ward es mir doch etwas zu bunt. (weiterlesen…)

Deutsch-Südschwitz: MAD erbarmungslos zurückgeschlagen

Donnerstag, 05. September 2013

Sieg für Südschwitz auf der ganzen Linie.

Nachdem er, gerade noch hinreichend kommunikationsfähig, Frau Stabsfeldwebel Ariane Nagel, die vermutlich nicht mehr zuverlässige vermutliche heimliche Liebschaft des Obersten Hartholtz, notgezwungen am Freiberger Flughafen (es ist der Flughafen der Bundeswehr, der auch zivil genutzt wird) verabschiedet hatte, meinte MAD-Sonderführer Rüb, er müsse sich auch einmal was gönnen dürfen und ward prompt von der eigenen Truppe – vermutlich – in einen Hinterhalt gelockt.

So ließ er sich tatsächlich, meinend, er könne jetzt die Gelegenheit zur Aushorchung der Soldaten unverdächtig-geschickt nutzen, von diesen zu nicht nur einem Biere einladen, gab sich, nach Dienstschluss versteht sich, ungemein gesellig.

So wurden schließlich Soldatenlieder angestimmt, Lili Marleen ließ grüßen. Endlich trat Olli, der Zivilist, auf, meinte, er wisse da auch noch eins zum besten zu geben. Und stimmte, wie er meinte, das Anti-Horst-Wessel-Lied an. Nur dessen Melodie, und die auch noch absichtlich falsch, zur doppelten Abschreckung vor unziemlich militaristischen Umtrieben.

Und was tat Rüb? (weiterlesen…)

Deutsch-Südschwitz: Oberst Hartholtz löst das Problem mit der Stabsfeld

Donnerstag, 05. September 2013

Hartholtz ist wirklich der härteste von drei Glocken. Frau Stabsfeldwebel Nagel, die im Auftrage von MAD-Sonderführer Rüb (sein tatsächlicher Rang ist, wie gesagt, unbekannt) unseren Bundeswehrstandort direkt über den Kommandanten auf unziemliche Lebenslust ausspähen sollte – besonders auf Bier, Hanf und Sex mit Frau Obergefreiter im Dienst – , eine echte Brünhilde aus Cloppenburg, fast einsachtzig, dabei bestblonder Kurven, “boshaft wie Kriemhild am Hofe König Etzels” (O-Ton Hartholtz noch vor kurzem), hat sich derormaßen in den Obersten verknallt, dass seine Landser drumb schon gelästert und respektlos herumgegrinst, was das Zeug hält.

Hartholtz schwor mir, dass er ihr, guter Vorgesetzter, nie näher gekommen sei als zwanzig Zentimeter, und ich glaube ihm.

Verzückten Blickes dackelte sie hinter ihrem Chef her, wofür er sie auch einmal ein Weißbier im Dienst trinken ließ, dieser gewiefte Stratege. Wie Hartholtz, dem man zutrauen möchte, dass er in der Ardennenoffensive nochmal das Ruder herumgerissen hätte, das binnen zwei Wochen geschafft hat, weiß wahrscheinlich außer ihm nur Amor selbst.

Auch aufgrund der losen Sprüche, die im Goldenen Ochsen diesbezüglich nun schon seit Tagen gingen, ward ihr eigentlicher Vorgesetzter Rüb schließlich äußerst molto frusto, manche sagten, er sei sogar eifersüchtig, obwohl sich alle ziemlich sicher, dass er eine Truppenschwuchtel.

Ein besonders pfiffiger Oberfeld, Horst Bär aus Hünxe, ein von Hartholtz geschätztes Organisationstalent mit den Fähigkeiten eines Trickbetrügers, oberster Possenreißer wann immer der Standortkommandierende Skat spielt, man also auch auf Posten gemäßigt einen reinlassen darf, der Rest die Sau rauslassen, hat den Rüb jetzt richtig reingelegt.

“Ob der Rüb wohl den Trauzeugen macht, bei der ersten Hochzeit am Standort?”, meinte er hinreichend laut hörbar am Soldatenstammtisch, wie als ob unbedacht, beim fünften Bier, “Damit der kleine Sascha Hartholtz-Nagel ehrenhaft geboren werden kann? Ich wette, der Junge kommt schon mit einem Barett auf die Welt, wenigstens als Stufz.”

“Wie kommst du darauf, dass es ein Junge wird?”, mischte sich sein bester Kumpel, Harry Rötel, Hauptgefreiter aus Mannheim, darein, “meinst du etwa, Militärs machen immer Jungs? Du bist ja von gestern, ein richtiger altmodischer Macho. Wo sollen denn da all die knackigen Frauen Stabsfeld herkommen?”

Rüb platzte. “Sie amüsiert das wohl noch, wenn bei der Bundeswehr Vorgesetzte mit Untergebenen Unzucht treiben, was? Sie…” (weiterlesen…)

Jesus wählt wohl doch weder Linke noch PdV

Montag, 02. September 2013

Ich weiß jetzt, wem Jesus am 22. beinahe seine Stimme gegeben hätte. Vielleicht wenn ich ihn nicht so ernüchternd aufgeklärt hätte…

Nein, es ist nicht die Linkspartei, das hat die Sahra versiebt, und auch nicht die CDU, und auch nicht die Partei der Bilbeltreuen Christen.

Es ist, auch wenn das auf den ersten Blick ein bisschen überraschend anmuten mag, die Partei der Vernunft.

“Über 5000 Jahre Obskurantentum sind genug!”, sagte er heute Morgen bei seinem Frühstückstofu.

“Außerdem sind diese Ösi-Gurus von den Libertären schon ziemlich verstaubt; in ihrer Verzweiflung, weil sie keiner versteht, tun die mir leid. Die brauchen meine Unterstützung, Magnus.”

“Meinst du die glauben dir, dass du es ernst meinst? Die glauben nicht ans Mitleiden, daran, dass einer einfach freiwillig, aus reiner Gutherzigkeit, etwas gibt. Sie werden dir unlautere Absichten unterstellen.”

“Das ist doch paranoid.”

“Was? Dass ich befürchte, dass die so paranoid sind, oder dass sie dir vielleicht tatsächlich nicht über den Weg trauen werden?”

“Ich glaube nicht, dass die wirklich so paranoid sind.”

“Weißt du’s? Wie ich höre, tummeln sich nicht wenige Verschwörungstheoretiker in deren Reihen, Leute, die meinen, dass unser ganzes Geldsystem nichts taugt, und zwar mit Absicht, eine reine Beutelschneiderei.”

“Wie kommen die denn darauf? Eine so schöne Erfindung, die libertärste je, wie dass man per Knopfdruck Geld verleihen kann, zu guten Zinsen, das man gar nicht hat, wollen die nicht anerkennen? Dann ist es erst recht Zeit, dass ich denen was huste. Das sind ja hoffnungslose Sozialromantiker. Wo soll das ganze schöne Geld denn herkommen? Du weißt doch, dass Arbeit sich nicht lohnt.”

“Ja, das ist ja grade, was die nervt. Die meinen, das sei verkehrt, müsse anders werden. Die glauben sogar, dass das funktionierte.”

“Was für Spinner. Dann brauchen sie meine Hilfe umso mehr. Solch arme verwirrte Seelen brauchen meine Hilfe. Nicht dass der Teufel sie noch holt, mit dem sie offenkundig unwissentlich im Bunde.”

“Es ist noch schlimmer.”

“Was, noch schlimmer?”

“Ja, es haben sich sogar Patrioten in die Partei eingeschlichen. Manche sagen, sie sei in beträchtlichem Maße unterwandert.”

“PATRIOTEN? Und dann auch noch plutokratophobe? Infernalisch!”

“Ja, das wird mindestens ein Zweifronten-Hilfseinsatz. Es ist nämlich noch schlimmer.”

“Noch schlimmer? Geht das denn?” (weiterlesen…)

Von Unerbittlichen

Sonntag, 01. September 2013

Gestern habe ich – gewissermaßen – eine Botschaft aus dem Jenseits erhalten.

Ich erfuhr beim Biere von einem Bekannten, dass mein vor einem Jahr verstorbener Freund J. mir einen Spitz- bzw. Beinamen zugedacht hatte, den er wohl vor anderen im Munde geführt, was mir aber bislang keiner gesteckt hatte.

Magnus, der Unerbittliche.

Das hat mich sehr berührt.

Durchaus wohlwollend habe er diesen verwendet, halb spaßhaft, halb boshaft, halb anerkennend, wohl mit seinem typischen sarkastischen Lächeln bis Grinsen.

Der mir das hinterbrachte meinte noch, dies habe sich darauf bezogen, wie sehr ich mich in ein Thema, eine Sache verbeißen könne, eben unerbittlich.

Das Urteil hat für mich besonderes Gewicht, weil J. von nicht wenigen gefürchtet war, man könnte, wollte man den Grund in einem Worte benennen, durchaus sagen, das habe an seiner Art der Unerbittlichkeit gelegen.

Diese barg weniger an Geschwätzigkeit wie die meine, war, obschon J. gerne redete und erzählte, gegenüber manchen ab einem gewissen Punkte recht wortkarg.

Dabei war J. durchaus leutselig. Sein Beruf als Alleshändler zwischen Kabul, Goa, Islamabad, Teheran und Ostberlin und Weißichwo hatte ihn gelehrt, wo notwendig jede Sorte Schwätzer eine Weile schwatzen zu lassen und zu unterhalten.

So hatte er denn auch jede Contenance, gestählt von Myriaden indischer Bettler und orientalischer Händler, ertrug, als wir im Weinhause saßen, selbst noch das dümmste verbale Döns von backenaufblasenden sechzigjährigen gestopften Stuttgarter Halbhöhenlagenschranzen, ganz gelassen, mich hernach veräppelnd, indem ich darauf teilweise eingestiegen war. (weiterlesen…)

Vom Googlegeschlunze

Dienstag, 27. August 2013

Der Google ist, zumindest was mich anlangt, schwer am Arsch.

Seit einiger Zeit listet er so unkoordiniert und zwerch, dass es schon nicht einmal mehr aussieht, als wäre es Absicht. Und wäre es Absicht, so wäre sie stümperhaft ausgeführt.

Außer meinen aktuellen Sachen schiebt das Monster allen möglichen alten Schamott aus meinem (publizistischen) Leben nach vorne, die Reihung und damit Gewichtung ist nachgerade lächerlich.

Lieber Google: Glaubst Du etwa, ich sei von Deinen Gnaden?

Meinst Du, dass es Deinem Geschäft langfristig nutzt, welch schäbig zusammengewürfelte Information Du Deinen Kunden bezüglich meiner inzwischen bietest?

Entweder hast Du da eine spezielle Funktionsstörung – denn Dein Angebot war mal nachvollziehbar – , oder ich bin bei Dir in Ungnade gefallen worden. Was mich nun nicht sonderlich verwunderte, denn immerhin bist Du eine Art Ableger der NSA. Alswelche weiß, dass ich keiner ihrer glühenden Anhänger.

Ich werde mir aber mit Sicherheit nicht den Tort antun, mich über Deine unfähigen Geschäftspraktiken zu ärgern. Das wäre noch die Muschelschalen um die Perlen vor die Hängebauchsäue.

Ihr kleinen Elektrokrämer habt noch immer nicht begriffen, was Geist, was sich ersynapst. Genauer: Es soll nicht sein.

Fast wirkt Ihr schon alswie ein Sterbendes, ein Vorfossil, ein Datenkroko, das sich danebenverschluckt. So ein zuckendendes Dingsda in irgendsoeinem abgewurstelten Hollywood-Streifen. Ein Absturzavatar. Ein Golem in seiner Pisse. Ein Nilpferd, dem auf Spitzbergen schauerlich unwohnlich. Null Uhr in Ulan Bator. Krötenmatsch. “Don’t be evil: Be dumb!” Jaja. So geht das, wenn Dekadenz zur Corporate Identity erwählet. Man fackt so schön ab, besser, schmiert in den Schlunz, dass der Deutsche lacht.

Es steht nunmal zu vermuten, dass Ihr nicht nur meine Daten so schäbig, so unterschäbig verwaltet; und wären es nur meine, so merkwürdig, wovon, wie gesagt, kaum auszugehen, so zeigte schon das den Rostfraß, den Grünschimmel, der Euch hart befallen.

Mich dauert dabei nur, dass mir zu Euch keine herzhaften Schimpfwörter einfallen. Jedenfalls nicht die, welche ich besonders gerne mag, wenn ich es mit heillosem Gesindel zu tun habe, dies deutlich zum Ausdrucke bringen will. Was bringt es schon, wenn man jemanden, Leute, als “Loser” bezeichnet? Wo ist da der Pep? Und für Hundsfötter, dafür taugt Ihr auch nicht. Das waren noch Banditen mit spitzen Dolchen, wirklich hinterlistige, vor denen man sich in Acht zu nehmen hatte, wenn man zwischen Schwarzwald und Hinterpommern überleben wollte. Ihr seid ja nichtmal Strauchdiebe, also die gesittetere Variante der Hundsfötter. Nur kleine Gewichtsfälscher. Nichtmal zum Geldfälschen habt Ihr die Traute.

Datenzersabbler. Endabständigsteszusammenklauber. Kehrichtwühler und -riesler. Bauxitletztverfluorer. Grenzbauern der Blödheit. Lugenhäger. Steinverschnapser. Abkasper. Torenhainheger.

Darf ich mich trotzdem, erst recht, gerade, geehrt fühlen, dessenthalben, dass ich Eurer Ohngnad anheimgefallen?

Nein, so weit will ich nicht gehen. Gewürm hat noch selten einen erhoben. Man trete an übelen Schleimen tunlichst vorbei, trete, wo dies unumgänglich, nur umsichtig hinein, halte seine Stiefel darob stets gut gefettet.

 

 

Volkshelfer

Montag, 26. August 2013

Mein Großer (er ist inzwischen größer als der Magnus) hat am Zeltplatz im Havelland bei mir einmal auf bemerkenswerte Weise für Heiterkeit gesorgt.

Es war allda, mal wieder, ein Sozialpädagog, aus dem Rheinland, er verwaltete, zusammen mit einer recht trägen Sozialpädagogin (er war wahrscheinlich schwul, jedenfalls hatten sie nichts miteinander), sieben Problemjugendliche zwischen 11 und 15 Jahren in deren Sommer-”Freizeit”.

Er war zeitweise noch peinlicher genervter als ich, der nur drei Randaleure dabeihatte.

So kam das Gespräch auf Sozialpädagogen allgemein, anhand dieses typischen Exemplars.

Rune beschied knapp und trocken: Das Problem bei den meisten Sozialpädagogen sei, dass sie den Verstand eines Kindes hätten, dazu den Humor eines Erwachsenen. Wobei es doch, richtigerweise, genau umgekehrt sein müsse. (weiterlesen…)

Der Göller dankt für zwei Wochen ab

Freitag, 09. August 2013

Ich bin jetzt gut zwei Wochen verschwund.

Sollte die Welt untergehen, so merke ich das auch ohne Netz.

Sollten mich nicht drei Halbwüchsige in den Wahnsinn getrieben haben, kieloben in die Havel, die Ostsee, meiner hold, mir auch nicht nur einen genackbrechenden Sturmbaumsturz beschert, verschiedene Gedanken mich hinfort in Zukünfte oder noch schwierigere Vergangenheiten getragen, übers Maß, so werde ich in dieser Schreibbucht wohl mit neuen Schätzen beladen wieder ankern.

Es ist ja ein recht putziges Stück Mole, an dem ich mich da vertäuen darf.

Manch merkwürdig Volks horchet manchmal allda.

Es tuhet so, wie als ob es meines Leichters nicht gewahrt habe.

Es ist wie als ob nicht da.

Es tuet so, wie als ob es kein in sich liegendes Problem habe. Man ist nicht da, und man ist da.

Ja, liebe Leute, hier wird etwas schärfer gespielt.

Wer weiß, was er sagt?

Welche Schablone mag heraushelfen?

Einen Unmöglichen als solchen bekannt machen?

Nein, da bin ich ganz beruhigt, das werden sie nicht tun.

Das wäre allzu unprofessionell.

Sprach ich in Rätseln?

Es geht mir gut.

Nur ein bisschen Fasching im Sommer.

 

Konstantins Speichel-Alp

Mittwoch, 07. August 2013

Konstantin war am Grunde seines Herzens wund. Er wusste, dass das mit Maike ziemlich schiefgelaufen war, und er wusste, dass er es beim Speichel nicht mehr sehr lange aushalten werde, bis dass er dann keine angemessene Lektion erteilt.

Im Schlafe saß er auf einmal an einem Konferenztisch, und alle sprachen ihn als Herr Chefredakteur an, und er wusste weder, was er verbrochen hatte, noch seinen Klarnamen, noch was er sagen sollte, als es um die von ihm vorgeschlagene grundsätzliche Redaktionsumbildung sowie strategische Neuausrichtung des Verlags ging. Maike brachte immerzu Kaffee. Fast alle tranken Milchkaffee. Ein Bier hätte notgetan. Nirgend ein Bier. Jetzt merkte Konstantin auch noch, dass man ihm ein ganz hinterlistiges Rauschmittel zugeführt haben musste, wahrscheinlich mit diesem Drecksaprikosensaft. Was ist das? – schoss es ihm durch den Kopf. Eine verdammt dreckige Mischung ist das. “Sie können mich alle…äh…Sie…!”, brüllte Konstantin im Schlafe, also dass er davon erwachte.

Das Bier war da, es war halb vier, und kühle es rann gar köstlich seine Kehl hinunt. (weiterlesen…)

Konstantin Volontär beim Hamburger Speichel

Mittwoch, 07. August 2013

Nachdem wir nun also auf Konstantins Wunsch hin ausdrücklich nachschieben mussten, wie die Sekretärin des Magazins Der Speichel, Maike, mit ihm abgerechnet, da er noch kurz zuvor für eine Nacht das Bette mit ihr geteilt, ist’s auch Zeit, von seinen zwischenzeitlichen Bemühungen zu berichten.

Konstantin ist tatsächlich Volontär beim Speichel. Seit vier Wochen schon. Es war nicht ganz einfach. Er musste, Deibel aber auch, noch einmal ins Alte Watt, sich über allerlei Späße ein Vorstellungsgespräch erquatschen. Konstantin hatte noch keine Ahnung, mit welcher Qualifikation er auftrumpfen wolle. Er fand dann aber zwischen all dem wichtigtuerischen Ungemach, dass er sich, wenn er das nicht sagte, gewissermaßen gleichzeitig als eine Art Hofnarren und Mädchen vom Dienst, das nicht nur reden kann, sondern zur Not auch so schreibt, ja, wohl letzteres noch nicht gut genug, weshalb er es ja hier an solch heiliger Stätte besser lernen wolle, bewerben könne.

Die Sache war schnell geritzt. Er bekam einen 25-Stunden-Vertrag mit bescheidener Vergütung, wovon ihm ersteres gerade recht, schließlich hat Konstantin immer etwas zu tun, und schritt ans Werk.

Der einzige Tisch in der Kantine – wo er brav hingeht, obschon das Essen recht mäßig – , an dem er noch nicht saß, die Stimmung unter den neuen Kollegen etwas aufzulockern, ist jener, an dem Maike stets zu sitzen pflegt. Sie schaut ihn nur mit Eisaugen an. Wehe, ein Kollege, gar sein Vorgesetzter, bittet ihn, dummicht mit dem Plastiktablett noch unverhaftet, an “ihren” Tisch. Konstantin ist auf das Äußerste gefasst und vorbereitet.

Inzwischen kennt er natürlich sämtliche Redaktionsgerüchte, Eifersüchteleien, den Jargon, die Empfindlichkeiten, die Arbeitsweise, die Auffassungsgabe, die Sensationslust, den ganzen Jahrmarkt der Eitelkeiten. Manchmal soll Maike nicht nur eisig, sondern gar grimmig blicken.

Nachdem Konstantin mit kleinen Botendiensten, Kaffeeholen und kleinen Recherchen, mal einer Textdurchsicht auch befasst, sprach es sich schnell herum, dass Konstantin nicht nur mündlich über ein feines Sprachgefühl verfüge, sondern sehr genau, ja selbst gefühlvoll zu lektorieren wusste, so dass passierte, was nicht ausbleiben konnte, nämlich, dass nicht nur Sekretärinnen, sondern auch gestandene Redakteurinnen zunehmend Gefallen an ihm fanden. Die Lage ist prekär wie nie. Wenn Maike platzt, ist alles vorbei.

Es begibt sich zu einer Mittagspause. Konstantin weiß, dass er wie als ob gezwungen an Maikes Tisch gelangen muss, bevor das Unheil einfach steuermannslos seinen Lauf nimmt. Er muss es aber so geschickt anstellen, dass er ihren Sinn für Humor überraschend genau trifft, oder so, dass es, Deibel aber auch, für sie alswie nicht geplant aussieht, sie sich jedenfalls dessen nicht hinreichend sicher.

Ein Kollege sitzt immer mit ihr am Tisch, und er macht ihr mächtig Avancen. Ein höheres Tier in der Wirtschaftsabteilung. Wenn ich den ansandele, so dass er mich nächstens zum Tische lädt, dreht Maike durch. So geht es nicht. Ich brauche eine feine List. Wenn ich am Nachbartisch sitze, fällt das schon lange nicht mehr auf, den habe ich jederzeit wie selbstverständlich. Ich darf sie selber nicht ansprechen, ausgeschlossen. ER muss mich ansprechen, ich so antworten, dass er sie fragt, was sie davon halte, womöglich insgesamt von diesem schrägen neuen Vogel? – ja, das ist es, so gehört es gemacht.

Also, ich finde heraus, auf was er in seinem Wirtschaftsdöns besonders empfindlich, reiße zum rechten Zeitpunkt ein paar Zoten dazu, so dass es entweder soherum läuft oder er mich gleich so eindringlich an seinen Tisch bittet, dass ich nicht nein sagen kann, oder dies ist wenigstens schon recht unverdächtig vorbereitet. Vielleicht sollte man die Einladung sogar einmal unter einem Vorwande ablehnen, um erst bei unschuldigster Wiedereinladung, gezwungenermaßen, ja sagen zu müssen. Mannomann. Die Nacht war schön, aber jetzt kostet’s.

Konstantin war also, trotz des Erreichten, sowohl gegenüber Maike noch nicht voll auf dem Damm, wie er auch noch nicht wusste, welcher Streich genau dem Speichel zu spielen sei. Es ging ihm aber schon eine Idee durch den Kopf. Wenn er Maike zur Vernunft brachte, so…

Er musste eine List der Verlockung anwenden. Während er den Damen gegenüber zwar freundlich und verbindlich bliebe, aber doch deutlich zurückhaltend. Dass er nicht vom anderen Ufer war, hatte er klargemacht, so dass von männlicher Seite her keine geschlechtlichen Verwicklungen dräuten. Er musste etwas gehört haben, nein, vielleicht besser zwei Sachen, die er selber nicht so recht glaube, worüber er sich aber wundere, da doch so manches nicht zusammenpasse, wovon dann die eine recht bald von ihm selbst als Fälschung entlarvt, die andere dafür aber umso mehr als immer stichhaltiger vorgetragen, was schließlich zu, na, zu irgendetwas führen, vielleicht schon eine große Gelegenheit ergeben werde.

Und die Rätselhaftigkeit seiner Person sollte ein übriges tun, indem er darauf achtete, sie nicht zu sehr ins Zentrum zu rücken oder rücken zu lassen, das Rätsel in dessen Wirkung zu verstärken.

Er würde das Rätsel so lange verstärken müssen, bis dass er genau zum richtigen Zeitpunkt mit rätselhafter Botschaft oder einfach so verschwände. So, wie ein Konstantin verschwindet, nämlich sehr schnell und so spurlos wie angesagt.

Ja, ein Rätsel war Konstantin noch, welches oder welche Rätsel er einsetzen solle.

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http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/08/07/konstantin-eulenspiegels-bisherige-fahrnisse/

 

 

Maike rechnet mit Konstantin ab

Mittwoch, 07. August 2013

Konstantin hat mich recht ungehalten aus Hamburg angerufen und meinte, dass ich, wenn ich den Leser schon mit seinen versehentlichen amourösen Abenteuern anfütterte, diesen nicht also auf die Folter spannen könne, wie ich das zum Schlusse des letzten Kapitels getan, indem ich ankündigte, von der Beicht- und Wutszene mit der Maike, des Morgens nach der Liebesnacht, erst zu berichten, wenn er mit Hamburg “durch” sei.

Konstantin redet mir selten in meine Chronik hinein, und wenn er es tut, hat er seine Gründe, die ich nicht zu hinterfragen berufen, es sei denn, ich sähe sein Ansinnen als so bedenklich, dass ich ihm als Freund dawider raten müsste.

Es begab sich also, dass Maike und Konstantin am Frühstückstische saßen und Konstantin klarward, dass er zwar als ein ziemlicher Spitzbube dastehen möchte, ein schlimmes Gewitter über ihn hereinbrechen, er aber doch nicht umhin konnte, dahingehend die Wahrheit zu sagen, mit welcher Absicht er ins Alte Watt gekommen, nämlich jener, der Hamburger Journaille, speziell jener des Speichels, auf den Pelz zu rücken, also keineswegs, um sie flachzulegen, was nun aber in all jener schwülichten Tristesse an jenem Orte fast wie zwangsläufig geschehen sei, ja, er habe sich bald nur noch für sie interessiert, mit jedem Biere mehr, und umgekehrt habe es ebenso geschienen: Kurzum, er habe die Nacht nicht mit ihr verbracht  w e i l sie beim Speichel Sekretärin sei, sondern, gewissermaßen, trotzdem, seine Urabsicht opfernd, was er aber nicht bereue, lediglich, dass er ihr nicht schon gestern Abend gesagt habe, auf welcher Mission er unterwegs sei. Er habe aber befürchtet…

Ganz norddeutsch hörte sich Maike seinen ganzen Sermon ruhig an, lediglich ihre hübschen kleinen Nasenflügelchen zitterten zwischenzeitlich ein wenig.

Als Konstantin geendigt hatte, nahm sie seelenruhig ihre lauwarme Riesentasse Milchkaffee, stand auf, als wolle sie damit in Gedanken irgendwohin, und, gieß, ganz langsam lief die ganze Brühe Konstantin über Kalotte und Wams.

“Magst Du noch einen Nachguss? Bei uns zuhause hätte ich jetzt gleich eine Mistgabel zur Hand oder wenigstens einen Ochsenziemer: ich dengle Deinen Intrigantenschädel aber auch gerne damit nach alter Dithmarscher Sitte”, meinte sie ungerührt und nahm eine gußeiserne Bratpfanne vom Wandhaken. (weiterlesen…)

Deutsche Strategeme?

Dienstag, 06. August 2013

Beim Anreißen von Strategemen, die über die traditionellen 36 chinesischen Strategeme (möglicherweise) hinausgehen (von Harro von Senger wunderbar gewürdigt), nicht in dem Sinne, dass es Unteraspekte bereits beschriebener Strategeme wären, sondern ebenbürtige eigene Strategeme, ist mir aufgefallen, dass erstere wie als ein geschlossener Kanon angesehen werden, es kaum vorgekommen zu sein scheint, dass sie vom Grundgedanken her, also wohl auch in drei oder vier chinesische Schriftzeichen darzustellen, erweitert werden wollten.

Ich habe mir jetzt, ehrlich gesagt, noch nicht die Mühe gemacht, genau abzugleichen, inwieweit meine Strategeme Nr. 37 bis Nr. 50 nicht als wenigstens halbe Plagiate, als von nicht vergleichbarer Grundsätzlichkeit angesehen werden können bzw. zu kritisieren sind.

Die Thematik hat mich schlicht so interessiert, dass sich die Frage nach weiteren Strategemen ergab. Und ich wollte damit, durch Vorschläge, die 36 Strategeme als solche, wie auch das Nachdenken darüber wie auch die Frage nach weiteren Strategemen vergleichbarer Größenordnung, für möglichst viele aufwerfen.

Ich wüsste nicht, weshalb wir nicht auch einmal von den Chinesen lernen sollten und darauf aufbauen.

Ich werde mich daher nicht scheuen, weitere Strategeme in deren Tradition zu stellen, mögen sie nun hüben oder drüben als angekommen oder aus sich heraus interessant befunden werden, oder auch nicht.

Meinetwegen, wenn es dann, außer von ihrer Grundanlage her, nämlich, dass drei oder vier Grundbegriffe genügen müssen, keine chinesischen Strategeme, sondern eben deutsche. Und sie sind, der Achtung gegenüber den vorhandenen 36 chinesischen halber, die sie ja schließlich auch inspirierten, zunächst ab Nr. 37 angegeben.

Man muss sich nur einmal vor Augen halten, dass die 36 chinesischen Strategeme insgesamt aus etwas weniger (es gibt ein paar aus drei Zeichen, ich zähle jetzt nicht nach) als 4 mal 36, also weniger als 144 Schriftzeichen bestehen, um die sich über alle Epochen hinweg chinesische Geistesgeschichte rankt.

Leider kann ich kein Chinesisch, also, dass ich meine Strategeme im Regelfalle mittels vier Schriftzeichen betiteln könnte; macht sich aber ein chinesischer Germanistikstudent, der nicht nur zum Erbsenzählen hierhergekommen, mit mir daran, so mag dies ja ohne weiteres zu bewerkstelligen sein. Lädt man mich mit Freiflug nach Peking, komme ich sicher.

So viel Weisheit in weniger als 144 Zeichen auf 36 Geistesfiguren gebracht! Mannomann!

Da schreiben Leute Bücher, andere lernen masse religiösen Müll auswendig, und hier, hier, wenige Sätze, Lebenswirklichkeit!

 

 

 

Vom Strategeme des Schweigens (Nr. 49)

Samstag, 03. August 2013

Zunächst kennt man die Giftvariante des Strategems: Geheimbünde, okkulte Gesellschaften, Mafia, Blutgeldler.

Das Strategem des Schweigens kann aber heilsamer eingesetzt werden als beim Betrügen. Und Sichwichtigmachen.

Es kann, wie bekannt, nicht nur direkt in einer Rede, sondern auch etwas länger eingesetzt den anderen mehr zum Nachdenken bringen denn noch mehr Rede.

Es ist auch ein Strategem zur selbstüberlistenden Selbstveränderung.

Viel genauer und zielgerichteter und in genau der richtigen Länge Schweigen.

Schon jede Tonpause ist ein kleines Schweigen. Schweigen ist elementarer Teil der Redekunst, wird in dieser selbst regelmäßig strategemisch eingesetzt.

Schweigen kann die vorangegangene Implikation enorm verstärken. Ebenso eine Emotion. Es kann alsowohl demütig ergriffen wie herrschaftlich selbstsicher wirken.

Schweigen ist natürlich auch dann als Strategem besonders gut angewendet, wenn ein Beschuldigter so lange an den richtigen Stellen schweigt, bis er endgültig heraus, was die anderen schon wissen, wenn weit über das hinaus, was sie ihm schon gesagt.

Dieser Schweiger wird eben nicht nur schweigen, aber an den richtigen Stellen doch, selbst wenn er beim Schweigen weiterredet.

Zum Schweigen als Strategem in Liebesdingen ist nicht viel zu sagen, das kennt jeder.

Wer das Strategem wirklich versteht, weiß, dass dies im tiefen Sinne ein Strategem der richtig gesetzten Pausen und damit Harmonie ist. Schweigen ist das angemessene Dazwischen. (weiterlesen…)

Wo ist Drüben?

Samstag, 03. August 2013

Es hat schon angefangen wie es damals Usus war, als die DDR noch war, es zu Kritikern der USA hieß: “Dann geh doch nach drüben!”

Die Länder der Wahl heißen heute Russland, China, Iran und Nordkorea.

Nun weiß ich, dass viele Deutsche gut und unbehelligt und sehr freundlich aufgenommen in Russland und in China, einige sicherlich auch im Iran, leben.

Man ist dort jedenfalls sehr wahrscheinlich vor amerikanischer Überwachung, Entführung in ein Geheimgefängnis, Folter und Drohnen- und Agentenmord von US-Gnaden sicherer als anderswo, außer vielleicht in Israel, die lassen sich bei Hinrichtungen auf eigenem Boden nicht von den Amis reinpfuschen, machen das lieber selbst.

“Nach drüben gehen”: Also schnell Persisch gelernt, und dann den Ajatollahs in Ghom für gutes Geld, mit Ungläubigensondergenehmigung zum Weingenuss, anständig Deutsch und Englisch beigebracht.

China gefiele mir aber schon besser, einfach wegen der in den östlichen, alten Landesteilen fehlenden, nicht fehlenden Pfaffen und Priester, die angenehme Lage, dass es diese zwar gibt, sie aber nicht den großen Maxen machen.

Russland gefiele mir natürlich am besten. Stramme Europäer. An diese Leute gewöhnte ich mich wohl am leichtesten.

In den drei Ländern sähe ich durchaus Chancen auf Arbeitsgenehmigung und eigenständige Lebenschancen. Bei Nordkorea sähe ich weder das eine noch das andere, so einen wie mich täten die überdies nicht nehmen.

Was machen wir also?

Lammspieße mit königlichem Safranreis mit gegrillten Auberginen und Tomaten und Wildknoblauchjoghurt oder 36 Wundersamkeiten in Schälchen am Tische, oder den Lachs und den Kaviar und den Fleischtopf und all die sauren Gemüse? (weiterlesen…)

Klagt nicht, schimpft! (II)

Donnerstag, 01. August 2013

Die Schimpfbewegung könnte selbstverständlich auch eine Schimpfdemonstration mit anschließender Schimpfkundgebung anständig beim Ordnungsamt anmelden, also, dass, wie sonst auch, wer beim Schimpfen Rechtsverstöße beginge lediglich einzelverantwortlich sei und die Veranstalter ausdrücklich dazu aufrufen, auch noch der engagierteste Schimpfer solle im Rahmen der Gesetze schimpfen.

Mit welcher Begründung wiese das Ordnungsamt bzw. wiese die kommunale Polizei diesen Antrag ab?

Schimpfen ist schließlich zumindest ein Teil der meisten sonstigen Demonstrationen, oft wird auch fast nur geschumpfen. Wieso sollte nicht jeder mündige Bürger schimpfen dürfen können, wie er will?

Das möchte allerdings ein Umzug werden, gegen den ein Christopher Street Day sich ausnimmt alswie ein Geriatrieaushumpeln, eine halbblinde Schlafmützenveranstaltung auf Stöcken und an Rollatoren.

Das möchte richtig lustig werden. Ich wäre ganz sicher dabei und achtete auf eine gut geölte Stimme, also, dass man mich je nach Windstand und Wetterlage einzeln bis auf die Halbhanglagenbalkone der Schwabenmetropole hören könnte.

Gute Kollegen dabei, lautstarke Gesellen, das befeuert natürlich noch und hebt den Busen zusätzlich, dessen Ausschallvermögen.

Mindestens ich zöge mir da wohl auch einen Sonderfrack über. Womöglich einen sehr grellen Einmalsonderfrack. Bongos, zur rhythmischen Unterstützung lässig umgehängt, eine grobe Rassel dabei.

Oh Herr, was schümpfe ich! (weiterlesen…)

Ich date, du datest…

Freitag, 26. Juli 2013

Ich date, du datest, er, sie, es datet, wir daten, ihr datet, sie daten.

Das waren noch Zeiten, als man noch diskret ein Date daten konnte.

Das ging so, im Großen und Ganzen, bis in die Neunziger.

Jeder datete, wie er gerade lustig war.

Inzwischen ist’s aus mit dem unbeschwerten Daten. Man ist ja schon upgedated, bevor das Date überhaupt steht. Und wer garantiert einem, dass, im Falle es klappt doch, beim Date nicht irgendein Schmerzphon die ganze Nummer und das Gestöhne direkt ins Netz überträgt, wenigstens jenen, die einen später mit den Daten zum Date updaten möchten?

Manche meinen schon, man solle nicht mehr so viel daten, weil das sei ja offenkundig nicht klug. Der date liefere sich selbst aus. Ohne Daten keine Daten.

Welche Dates traut man sich noch zu daten?

Das Daten macht ja auch gar keinen rechten Spaß mehr, wenn die ganze Welt wissen kann, dass man ein schlüpfriges Date hat. Manches Date zieht ja daraus einen Großteil seines Reizes. Wenn es dumm läuft, und das passiert oft, daten die Deutschen wirklich noch weniger, und wir sterben aus alswie ein Bienenvolk, das sich auf die Antarktis verflogen.

Es liegt wohl an, dass man ohne Daten datet. Irgendwo im Wald, spontan, keiner ein Schmerzphon dabei. Man datet ohne vorherige Ansage, wie es gerade kommt. Man datet einfach bis zum Mandat. Das gibt im Hochsommer, wo es sich dorten am besten datet, starke Widderkinder.

Die Sache wird wieder urtümlich, mit dem Daten.

UND ER ERKANNTE SEIN WEIB! (weiterlesen…)

Hierarchie der Katastrophen

Mittwoch, 24. Juli 2013

Philosophie ist schon katastrophal. Weiber aber sind das Ende.

Wiederholungen endemisch

Sonntag, 21. Juli 2013

Ich schrieb eben als Kommentar, auf einer Qualitätsseite, auf den Vorwurf hin, ich wiederhole mich hier immerzu, extern:

“Ja, es tut mir sehr leid um meine Leser, dass sie immerzu meine Wiederholungen lesen müssen, um mich auch ein bisschen, da ich sie ja alle selber schreiben muss. Kann höchstens mal sein, so alle paar Monate, dass ein Gast sich die Mühe macht, etwas zu wiederholen.
Fällt einem nichts Neues ein, so wiederholt er sich eben. Wenn er’s nicht einfach lässt.
Wenn man nun aber, so wie ich, nur schreibt, um sich selber wieder zu hören, nur ein klein wenig anders, so ergibt sich die Motivation ganz anders. Da ist es einem auch egal, dass man keine sonderliche Qualitätsproduktsdichte hinkriegt. Der einzige Leser, der zählt, ist eh der Schreiber.”

Vom Schönen und der Liebe umfangen

Samstag, 13. Juli 2013

Ich will seit Jahren mal nach Japan und nach China.

Es fehlt mir aber nichts daran, dass ich das derzeit nicht kann.

Ich fliege einfach in meinen Träumen dorthin.

Das kost’ keinen Cent, und ich muss auch meine Kinder nicht so weit weg alleine lassen.

Ich darf voraussichtlich bald wieder eine Woche an meine Ostsee.

Wenn ich dort wiederum einen abgestorbenen Baum finde, der bis zum Morgen fürs Lagerfeuer reicht, werde ich mich wohl, fröhlich, einen Toren schelten, dass ich überhaupt nach Japan und nach China fliegen wollte. Und wenn nicht, so werde ich es wenigstens versuchen.

Das Wasser, die Steine, das Feuer, noch ein Schluck Rotwein, dräuendes Gewitter, Alleinsein, die Weite der Welt.

Die Welt ist unendlich schön.

Die Liebe zur Natur ist nicht einmal mit jener zu einem Weibe oder den eigenen Kindern oder den Künsten wirklich vergleichbar.

Nicht, dass sie bedeutender wäre, höher schätzenswert. Keineswegs.

Sie erfasst einen schlicht anders.

Sie durchströmt einen auf eine gewisse Weise nur unbedingter. Ein Mensch allein mit allem.

Man redet sich sich selbst. Man ist einfach nur da. Man sitzt zwischen den fünf Elementen, ist in ihnen und dabei nur sich.

Durchwächst einen dann nicht doch noch zu sehr die Traurigkeit, so kann diese Liebe zu großer weiterführender Kraft führen.

 

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